Am Dienstag haben etwas schwächere Konjunkturdaten aus den USA, insbesondere ein rückläufiger S&P-Einkaufsmanagerindex, bei einigen Marktteilnehmern Hoffnungen beflügelt, die Fed könnte bei ihrem nächsten Zinsschritt im September doch nicht so aggressiv vorgehen wie erwartet.

Der deutsche Leitindex DAX blieb am Mittwochvormittag allerdings weiter in der Deckung und startete zum Handelsauftakt leicht im Minus. Am Dienstag hatte er 0,3 Prozent tiefer bei 13194 Punkten geschlossen. "Nach dem Ende der jüngsten Euphorie zeigen sich die Anleger nun doch eher deprimiert", bringt IGMarkets-Experte Christian Henke die Lage am Mittwoch Vormittag auf den Punkt. "Der Höhenflug wurde wie beim Flug des Ikarus durch die Sonne abrupt beendet. Der DAX befindet sich nun im Sinkflug in Richtung der psychologisch wichtigen 13000-Punkte-Marke."

Das Treffen im legendären Jackson Hole


Ab Donnerstag treffen sich in dem Städtchen Jackson Hole in Wyoming die führenden Notenbanker der Welt, um über die nächsten Zinsschritte zu beraten. Mit Spannung wird die Rede von Jerome Powell am Freitag erwartet. Der Chef der US-Notenbank Fed deutete bereits einen möglichen großen Zinsschritt bei der nächsten Zinssitzung am 21. September an. Schon im Juli war ein ungewöhnlich großer Zinsschritt von 0,75 Prozentpunkten zur Inflationsbekämpfung beschlossen worden. Mit einer weiteren Anhebung in diesem Umfang im September würde die Fed bereits in ein restriktives Zinsniveau vorstoßen, das auch die Konjunktur abbremsen könnte.

"Das Treffen der Notenbanker im beschaulichen Jackson Hole im US-Bundesstaat Wyoming ist für die Marktteilnehmer immer eine wichtige Veranstaltung", erläutert Henke von IGMarkets. "Gerade in diesem Jahr dürfte jedes Wort vor allem von Fed-Chef Jerome Powell auf die Goldwaage gelegt werden. Die Aussagen werden nicht nur genauestens analysiert, sondern könnten die Entwicklung an den Finanzmärkten für die nächsten Wochen prägen."

Experten rechnen trotz der zuletzt etwas schwächeren Konjunkturdaten mit einer klaren Ansage des Fed-Chefs in Richtung einer deutlichen Zinsanhebung. "Er wird ein weiteres Mal bekräftigen, dass das Hauptziel der Fed ist, die Inflation in den Griff zu bekommen - er ist nicht dazu da, die Aktien- oder Anleihemärkte zu unterstützen", sagte Chris Grisanti, Chefstratege bei MAI Capital Management, gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

Und was macht die EZB?


Unterdesseen könnte auch die Europäische Zentralbank (EZB) trotz Rezessionsgefahren auf ihrer nächsten Zinssitzung am 8. September erneut die Zinsen kräftig anheben. Die Inflationsaussichten hätten sich seit der Juli-Sitzung nicht verbessert, sagte Notenbank-Direktorin Isabel Schnabel kürzlich der Nachrichtenagentur Reuters. "Im Juli entschieden wir uns für eine Anhebung um 50 Basispunkte angesichts des Inflationsausblicks. Im Moment denke ich nicht, dass sich dieser Ausblick grundlegend geändert hat.