"Beschlussfassungen wurden in der heutigen Sitzung des Aufsichtsrates erwartungsgemäß nicht getroffen." Die eigentlich für Donnerstag geplante Sitzung war angeblich aus Termingründen vorgezogen worden. Bei dem Treffen des Gremiums sollte es Insidern zufolge um Vorstandspersonalien gehen. Der Vertrag von Diess stehe nicht auf der Tagesordnung, hatte es geheißen.

Allerdings wurde erwartet, dass die Aufsichtsratsmitglieder darüber diskutieren. Diess fordert laut Insidern eine Vertragsverlängerung als Vertrauensvotum des Aufsichtsrats, um mit neu zugeschnittenen Ressorts im Konzernvorstand den Umbau von Volkswagen zu einem Technologiekonzern zu beschleunigen.

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Eine Person aus dem Umfeld des Aufsichtsrats hatte im Vorfeld der Beratungen gesagt, es gebe weiterhin keine Bereitschaft, mit Diess über einen neuen Fünf-Jahresvertrag zu sprechen. Andere Insider hatten dies bestätigt. Reuters hatte am Dienstag aus Unternehmenskreisen berichtet, dass man sich im Vorfeld der Aufsichtsratssitzung bei wichtigen Vorstandspersonalien angenähert habe. Demnach soll es eine Einigung über den von Diess geforderten Zuschnitt und die Besetzung von drei Schlüsselressorts in der Konzernspitze geben. Knackpunkt sei nach wie vor die von Diess geforderte Verlängerung seines bis 2023 laufenden Vertrages.

Angesichts der Mehrheitsverhältnisse im Aufsichtsrat erschien nach Aussage mehrerer Personen eine Einigung an diesem Punkt unwahrscheinlich. Es wurde damit gerechnet, dass der Aufsichtsrat nächste Woche eine weitere Sitzung ansetzt, falls am Mittwoch keine Lösung gefunden werde. Denkbar erschien auch eine Verschiebung ins nächste Jahr. Allerdings sprachen sich mehrere Personen dafür aus, das Thema nicht zu verschleppen. Diess selbst hatte unlängst erklärt, die Besetzung von Vorstandsposten dulde keinen Aufschub. "Wir können uns das nicht mehr leisten, weil viele wichtige Entscheidungen anstehen", sagte er der "WirtschaftsWoche". Angesprochen auf die Vertragsverlängerung sagte Diess dem Wirtschaftsmagazin, es gehe um eine strategische Weichenstellung. Er habe vor, seinen bis 2023 laufenden Vertrag zu erfüllen.

Vergangene Woche erst hatte das achtköpfige Präsidium des Kontrollgremiums bereits über Diess' Anliegen beraten, aber keine Einigung erzielt. Um eine Lösung zu finden, führte Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch in einer Art Pendeldiplomatie Gespräche mit dem Betriebsrat, den Eignerfamilien und dem Land Niedersachsen. Diess selbst versuchte einem Insider zufolge in den vergangenen Tagen erneut, den Betriebsrat für seine Sicht zu gewinnen.

Bis spätestens Juni soll die Nachfolge von Konzern-Finanzchef Frank Witter geregelt sein, der aus persönlichen Gründen abtreten will. Ihn könnte Arno Antlitz ersetzen, derzeit Finanzvorstand bei der VW-Tochter Audi. Für das Beschaffungsressort, das seit dem Rückzug von Stefan Sommer verwaist ist, war Murat Aksel im Gespräch, der diesen Posten bisher bei der Marke VW innehat. Das Komponentenressort, dass unter Sommer in einem Vorstandsbereich mit dem Einkauf gebündelt war, könnte als eigenständiges Ressort von Thomas Schmall geleitet werden. Er führt bereits die konzerneigene Zuliefersparte "Komponente". Außerdem war ein Vorstandsbereich für IT und Software im Gespräch.

rtr