"Die neuerliche Euro-Abwertung könnte der schon laufenden Jahresendrally noch einmal etwas Schwung verleihen", sagte Jochen Stanzl, Analyst des Online-Brokers CMC Markets. Während die Europäische Zentralbank (EZB) die Finanzmärkte zur Ankurbelung der Konjunktur weiter mit Geld flutet, hat die US-Notenbank Fed die Zinsen gerade angehoben und eine weitere Straffung der Geldpolitik signalisiert. Die Betonung des starken US-Arbeitsmarkts durch Fed-Chefin Janet Yellen werteten Börsianer als Bestätigung ihrer Erwartung rascher US-Zinserhöhungen.

ANSCHLAG VON BERLIN MIT GERINGEN AUSWIRKUNGEN AUF BÖRSE



Der Anschlag auf einen Weihnachtsmarkt in Berlin spielte an den Finanzmärkten nur eine untergeordnete Rolle. "Die größte Auswirkung sieht man beim Euro/Franken-Kurs", sagte Anlagestratege Alvin Tan von Societe Generale (SocGen). Wegen der Nachfrage nach der als sichere Anlage geltenden Schweizer Währung fiel der Euro auf 1,0677 Franken und stellte damit sein Sechs-Monats-Tief vom Vortag ein. Bei einer Todesfahrt mit einem Lastwagen starben am Montagabend zwölf Menschen, 48 wurden verletzt.

RETTUNG DER ITALIENISCHEN BANKEN NAHT



Neben der Euro-Schwäche stützte die Aussicht auf eine baldige Sanierung der italienischen Banken die europäischen Aktienbörsen. Die Regierung in Rom will sich zur Stützung des Finanzsektors 20 Milliarden Euro leihen. Als erstes Institut könnte Banca Monte dei Paschi di Siena (BMPS) auf Staatshilfe angewiesen sein, sollte das älteste Geldhaus der Welt nicht genügend frisches Kapital bei privaten Investoren auftreiben können. Der italienische Bankenindex gewann 1,4 Prozent und sein europäisches Pendant 0,8 Prozent. Im Dax lagen Deutsche Bank und Commerzbank mit Kursgewinnen von bis zu 2,4 Prozent an der Spitze.

An der Londoner Börse legten Lloyds Bank dank der Übernahme des britischen Kreditkarten-Geschäfts der Bank of America für umgerechnet 2,3 Milliarden Euro 2,7 Prozent zu. "Es wird aber einige Zeit dauern, bis sich dieser große Kauf auszahlt", warnte Analyst Neil Wilson vom Brokerhaus ETX Capital. Außerdem bezweifle er, dass das Geldhaus die Dividenden nun so stark anheben könne wie erhofft. Bank of America notierten im vorbörslichen US-Geschäft 0,5 Prozent im Plus.

TAUZIEHEN UM BERLUSCONI-FIRMA MEDIASET GEHT WEITER



Für Gesprächsstoff sorgte außerdem Mediaset. Die Aktien des Medienkonzerns stiegen um 23 Prozent auf ein 13-Monats-Hoch von 4,43 Euro, nachdem der französische Konkurrent Vivendi die Aufstockung seiner Beteiligung auf 30 Prozent angekündigt hatte. Um eine feindliche Übernahme zu verhindern, hatte der ehemalige italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi seinen Anteil kürzlich auf 40 Prozent ausgebaut.

In Paris gewannen Euronext 2,7 Prozent. Um von den europäischen Wettbewerbshütern grünes Licht für ihre Fusion zu bekommen, wollen die Konkurrenten Deutsche Börse und LSE das Abwicklungshaus Clearnet an die Mehrländerbörse verkaufen. Die Papiere des deutschen und des britischen Börsenbetreibers verloren jeweils 0,7 Prozent.

rtr