Der Berliner Börsenneuling begab Wandelanleihen, die bei steigenden Aktienkursen in Rocket-Internet-Aktien getauscht werden können. An der Börse führte das zu einem Kurssturz um 15 Prozent auf weniger als 35 Euro - zur Freude der Käufer der Wandelanleihen. Denn bei welchem Kurs sich für sie der Tausch in Rocket-Aktien lohnt, richtet sich nach dem Durchschnittskurs des Papiers am Mittwoch.

Im Vergleich zu diesem Referenzpreis muss der Kurs während der siebenjährigen Laufzeit um 35 Prozent steigen, damit der Tausch für die Anleihegläubiger attraktiv ist. Die Aktie liegt deutlich unter dem Ausgabepreis von 42,50 Euro zum Börsengang im Herbst 2014. Verzinst wird die Wandelanleihe mit 3,0 Prozent, am oberen Rand der Angebotsspanne, wie die begleitende Bank JPMorgan am Mittwoch mitteilte. Tauschen alle Zeichner der Anleihe, muss Rocket Internet sein Kapital um mehr als sechs Prozent aufstocken.

Rocket braucht laufend Geld, um die Beteiligungen an den am weitesten entwickelten und vielversprechendsten Portfolio-Unternehmen zu erhöhen - am besten auf einen Mehrheitsanteil - oder aber neue Unternehmen zu gründen und zu finanzieren. Der Kapitalhunger des Wagniskapitalfinanzierers ist groß: Nach dem 1,4 Milliarden Euro schweren Börsengang hatte Rocket schon im Februar weitere fast 600 Millionen Euro frisches Kapital eingesammelt. Die flüssigen Mittel sind seit Jahresbeginn aber um 700 Millionen auf 1,3 Milliarden Euro abgeschmolzen. Denn die Startup-Firmen schreiben alle noch rote Zahlen.

Auf der Hauptversammlung Ende Juni hatte sich der Vorstand um Oliver Samwer daher weitreichende Vorratsbeschlüsse von den Aktionären geholt. Damit könnte Rocket Internet das Kapital binnen fünf Jahren um rund 2,5 Milliarden Euro erhöhen und weitere Wandelanleihen ausgeben.

Reuters