Davon ist Federico Garcia Zamora, Head of Emerging Market Debt bei Mellon - einer Gesellschaft von BNY Mellon Investment Management, überzeugt. Aus seiner Sicht sprechen konjunkturelle Gründe dafür. Anlegern rät er, auf US-Dollar lautende Investments zu reduzieren bzw. abzusichern - und zwar ungeachtet des US-Wahlausgangs:

"Ein Sieg von Joe Biden würde aus unserer Sicht den Abwärtstrend des US-Dollars beschleunigen. Biden ist ein traditioneller Multilateralist und würde wahrscheinlich dem internationalen Druck nachgeben, einige der von Trump auferlegten unilateralen Handelsbeschränkungen zurückzunehmen.

Umgekehrt würde ein Trump-Sieg wahrscheinlich den Abwärtstrend des Dollars vorübergehend umkehren, da man davon ausgeht, dass er weiterhin Druck auf die wichtigsten Handelspartner, insbesondere China, ausüben würde.

Allerdings spielt auch die Zusammensetzung des Kongresses eine Rolle. Angesichts der Erwartungen einer knappen Wahl ist das wahrscheinlichste Szenario ein gespaltener Kongress, der den Status quo zementieren würde. Die US-Regierung wäre dann in ihrem Handlungsspielraum eingeschränkt und könnte nur dann eine gemeinsame Basis für ihre Entscheidungen finden, wenn der Druck auf die Wirtschaft steigt. Die US-amerikanische Notenbank Fed wäre gezwungen, ihre expansive Geldpolitik fortzusetzen.

Aufwärtszyklus zu Ende?


Alle gängigen Kennzahlen deuten darauf hin, dass der US-Dollar momentan teuer ist. Zieht man den realen handelsgewichteten US-Dollar-Index heran, liegt die Währung 10 Prozent über dem Durchschnitt der letzten zehn Jahre. Die Geschichte zeigt, dass Aufwärts- und Abwärtszyklen des US-Dollars typischerweise zwischen sechs und zehn Jahren dauern. Der jüngste Aufwärtszyklus begann 2011 und dauert bisher neun Jahre an. Auf lange Sicht nähert sich eine Währung ihrem durchschnittlichen Langzeitwert an - dafür sprechen fundamentale Gründe. Denn mit der Aufwertung einer Währung werden inländische Produkte und Vermögenswerte für den Rest der Welt teurer. Das ist in den USA der Fall. Die Verschlechterung des so genannten "Twin-Defizits" aus Haushalts- und Handelsbilanzdefizit deutet darauf hin, dass es Spielraum für eine Dollar-Abwertung gibt. Ausländische Investoren, die ihre Bestände in US-Dollar denominierte Anlagen reduzieren, könnten diese Abwertung verstärken.


Dieser Artikel erschien am 02.11.2020 auf TiAM FundResearch.de


Wirtschaftserholung drückt auf US-Dollar


Ein weiteres Anzeichen für eine Abwertung liegt in der antizyklischen Natur des US-Dollars. In der Regel korreliert der US-Dollar umgekehrt mit dem globalen Wachstum. Das heißt, wenn sich das globale Wachstum verlangsamt, wertet der US-Dollar in der Regel aufgrund seiner Attraktivität als sicherer Hafen auf. Umgekehrt, wenn sich das globale Wachstum beschleunigt, verliert der US-Dollar typischerweise an Wert, weil sich die Risikobereitschaft verbessert. Wir gehen davon aus, dass sich die Weltwirtschaft in den kommenden Quartalen wieder erholen wird. Es wird weiterführende Erkenntnisse bei der Behandlung von Covid-19-Patienten geben und wir können auf kostengünstige Präventivmaßnahmen und Fortschritte im Entwicklungsprozess eines Impfstoffes hoffen. Das alles macht eine Abwertung des US-Dollars wahrscheinlich.

Allerdings sprachen vor drei Jahren auch viele Anzeichen dafür, dass der US-Dollar fallen sollte. Es kam jedoch anders. Die politischen Entscheidungen der Trump-Regierung bewirkten das Gegenteil. Das heißt, politische Einflussfaktoren sind trotz allen anderen makro-ökonomischen Umständen entscheidend. Das gilt umso mehr in der gerade hart umkämpften US-Präsidentschaftswahl, deren Ausgang schwierig vorauszusagen ist.

Wir gehen langfristig gesehen dennoch von einem zyklischen Abwertungsprozess des US-Dollars aus - unabhängig davon, welcher Kandidat die US-Wahlen gewinnt. Die USA könnten dadurch ihre Haushalts- und Handelsdefizite abbauen, die sie im letzten Jahrzehnt angehäuft haben. Für Investoren gilt jedoch, dass sie die Entwicklung des US-Dollars im Auge behalten und gegebenenfalls ihre Investments gegenüber dem US-Dollar absichern sollten."