Nach dem Corona-Tief im März gehörten Goldminenaktien zu den großen Gewinnern bei der Aufwärtsbewegung an den Börsen - die Aktien der Unternehmen entwickelten sich sogar noch deutlich besser als das Edelmetall selbst. Doch auch Goldpreiskorrekturen wirkten sich in der Vergangenheit oft stärker auf die Aktienkursentwicklungen der Minenbetreiber aus, gibt die österreichische Schoellerbank in einem aktuellen Report zu bedenken.

Während derzeit viele Anleger auf Gold setzen, verliere der Rohstoff Öl und die großen Ölunternehmen immer mehr an Wert, stellt Schoellerbank-Fondsmanager Alexander Adrian als Studienautor fest. Die Ölkonzerne stünden langfristig vor großen Herausforderungen und müssten sich zumindest teilweise neu erfinden. Sollte sich die Wirtschaft jedoch erholen, könnten davon kurz- bis mittelfristig auch der Ölpreis und die zugehörigen Ölkonzerne profitieren, so Adrian.

Kurzfristig könnten Unternehmen mit Rohstoffbindung mittels Absicherungsgeschäften diverse Schwankungen des Rohstoffs ausgleichen, langfristig könnten sie sich jedoch dessen Bewegung nicht entziehen - was Chancen, aber auch Risiken berge.

Bei einem direkten Rohstoff-Investment sollte laut Schoellerbank zudem bedacht werden, dass keine Dividenden fließen und bei physischem Besitz unter Umständen Lagerkosten anfallen. Der faire Wert eines Unternehmens könne jedenfalls wesentlich besser ermitteln werden, als dies bei Rohstoffen der Fall sei. Rohstoffunternehmen könnten sich theoretisch neu erfinden und mit Innovationen sogar eine Preisfestsetzungsmacht erlangen.

Weil sich auch viele BÖRSE ONLINE-LeserInnen für Gold, Öl, Goldaktien und Ölaktien interessieren, berichten wir nachfolgend ausführlich, welche Ratschläge die Schoellerbank beim Thema Aktien: Chancen und Risiken rohstoffgebundener Titel für Privatanleger parat hat.

Chancen von Rohstoffaktien gegenüber Direktinvestments



Steigende Rohstoffpreise sorgen bei den entsprechenden Unternehmen naturgemäß für steigende Einnahmen und Gewinne, so Adrian. Darüber hinaus habe ein Unternehmen die Möglichkeit, durch geschicktes Management ein bestimmtes Niveau an Absicherung einzugehen, womit man nicht direkt an den Rohstoffpreis gebunden sei.

Die einfachste Variante, um einen Preis abzusichern, sei ein Warentermingeschäft: Dabei werde für eine Lieferung zu einem definierten Zeitpunkt ein fester Preis vereinbart. Bei diesem Geschäft finde eine physische Lieferung des Rohstoffs statt. Diese Geschäftsart eigne sich aber nur, wenn der Rohstoff tatsächlich benötigt und verarbeitet werde.

Sei eine physische Lieferung nicht angedacht, könne ein derivatives Termingeschäft mit Cash-Settlement eingesetzt werden. Dieses Hedging-Instrument schütze - wie das Warentermingeschäft - ebenfalls gegen Preisrisiken. Bei Fälligkeit erfolge jedoch keine physische Lieferung, sondern ein Zahlungsausgleich aus der Differenz zwischen Sicherungspreis und aktuellem Marktpreis.

Je nachdem, ob der Marktpreis höher oder niedriger als der vereinbarte Festpreis sei, bekomme oder zahle das Unternehmen die Differenz (Cash-Settlement). In Kombination mit einem Rohstoffkauf oder -verkauf zu Marktpreisen ergebe sich somit ein Fixpreis für ein Unternehmen, da sich die Preisentwicklungen von Sicherung und Gegengeschäft aufheben würden.

Aktuell kämpften insbesondere Ölkonzerne mit strukturellen Problemen, und langfristig suche das eine oder andere Unternehmen schon nach anderweitigen Geschäftsmodellen, um die nächsten Jahrzehnte nicht nur zu überstehen, sondern auch wieder Mehrwert für die Aktionäre zu generieren. Diesbezüglich könnten sich Unternehmen im Gegensatz zu einem Rohstoff auch immer wieder neu erfinden. Hier wäre zum Beispiel Nokia zu nennen: Angefangen hat das finnische Unternehmen im Jahr 1865 mit einer Papierfabrik, danach war man als Gummiproduzent tätig und eine Zeit lang der erfolgreichste Mobiltelefonhersteller der Welt. Aktuell zählt Nokia laut Adrian mit fast 100.000 Mitarbeitern zu den größten Netzwerkausrüstern weltweit.

Apple beispielsweise habe mit seinem iPhone eine ganze Branche revolutioniret. Als Apple das iPhone auf den Markt brachte, habe die Schallmauer für den Preis eines Mobiltelefons etwa im Bereich von 200 Dollar gelegen. Dieser Preis habe sich über die Jahre durch Angebot und Nachfrage gebildet, womit er sich auf dem Markt etabliert habe. Somit sei hier im Grunde ein vom Markt vorgegebener Preis gegeben gewesen, an dem sich die Hersteller bei ihrer Entwicklung und Produktion orientierten konnten bzw. mussten.

Wollte man erfolgreich sein, sei es notwendig gewesen, dass die Herstellkosten deutlich darunter lagen. Größere Innovationen seien dadurch von den Herstellern gescheut worden und ausgeblieben. Umso überraschender sei dann gewesen, dass Apple für sein iPhone einen Preis von 500 Dollar aufgerufen habe. Apple habe schlussendlich nicht nur das Mobiltelefon neu erfunden, sondern der Branche auch eine Preis-Revolution verschafft. Tragischer Verlierer sei damals Nokia, denn das finnische Unternehmen habe zu lange an seinem alten Geschäftsmodell festgehalten und damit seine Marktanteile zur Gänze an Apple, Samsung und Co. verloren.

Bei technischen Neuerungen seien Käufer oftmals bereit, höhere Preise als üblich zu akzeptieren, wenn es sich dabei tatsächlich um wegweisende Innovationen handele. Ein weiteres Beispiel sei die Entwicklung auf dem TV-Markt aufgrund technischer Möglichkeiten und geänderten Seherverhaltens: Zunächst seien es staatliche Unternehmen gewesen, die das Programm bestimmten, ehe dieser Markt von den werbefinanzierten privaten Fernsehstationen und schlussendlich von bezahlten Streaming-Diensten wie Amazon, Sky und Netflix in Angriff genommen worden seien.

Risiken von Rohstoffaktien gegenüber Direktinvestments



Tendenziell seien Anlagen in Rohstoff-Unternehmen mit mehr Risiken behaftet als Direktinvestments in den Rohstoff selbst, so Adrian. Zum Beispiel könnten unternehmerische Fehlentscheidungen schlimmstenfalls dazu führen, dass ein Unternehmen insolvent werde. Dies bedeute für Anleger in der Regel einen Totalverlust. Für Gold selbst werde es vermutlich immer einen Preis geben.

Darüber hinaus sei noch etwas festzustellen: Große Übernahmen erfolgten meist in Zeiten, in denen die Unternehmen hoch bewertet seien, nur dann seien viele Anleger bereit, ein Unternehmen bei entsprechenden Kapitalmaßnahmen zu begleiten und Geld zur Expansion zur Verfügung zu stellen. Aktuell würden Übernahmen bei Goldminenbetreibern keineswegs überraschen, allerdings würden diese vermutlich zu einem stark überteuerten Preis stattfinden.

Auf der anderen Seite mache dies nachvollziehbar, dass bei den Unternehmen im Ölgeschäft größere Übernahmen derzeit kein Thema seien - ganz im Gegenteil: Eher versuchten die Ölmultis aktuell sogar noch, ganze Geschäftsfelder oder Teile davon abzustoßen, um sich sozusagen gesundzuschrumpfen.

Die zuvor beschriebene Preissicherung funktioniere auch nur eine geraume Zeit lang, da längere Schwächephasen des Rohstoffs an einem Unternehmen keineswegs spurlos vorübergehen würden. Bestes Beispiel hierfür seien aktuell die Energieunternehmen, die seit geraumer Zeit unter einem schwachen Ölpreis leiden würden - dementsprechend notierten auch die betroffenen Unternehmen weit unter ihren ehemaligen Höchstständen.

Aufgrund der Abhängigkeit vom Rohstoffpreis sei ein Unternehmen in dieser Branche langfristig betrachtet in guten wie in schlechten Tagen der Kursentwicklung ausgeliefert. Die Unternehmen müssten das allgemeine Preisniveau, das zu einem bestimmten Zeitpunkt auf den Märkten vorherrsche, akzeptieren. So gesehen sollte ein Investment in ein Rohstoffunternehmen laut Adrian doppelt überlegt werden: Zum einen sollte man sich fragen, ob man vom Unternehmen bzw. von dessen Management qualitativ überzeugt ist, und zum anderen, ob man dem entsprechenden Edelmetall positive Wertentwicklungen in Zukunft einräumt. Wenn eine dieser beiden Fragestellungen nicht befriedigend beantwortet werden könne, dann sollte von einem Investment Abstand genommen werden.



Im Fokus: Gold



Fundamental gibt es derzeit laut Schoellerbank viele Gründe für das Edelmetall Gold, stellt es doch in unsicheren Zeiten einen gefühlt sicheren Hafen dar. Hinzu komme noch, dass das Niedrigzinsumfeld völlig risikoaversen Anlegern heute keine Möglichkeit biete, der schleichenden Inflation etwas entgegenzusetzen. Eine Abkehr von niedrigen Zinsen scheine aktuell in weiter Ferne, wovon der Goldpreis auch in den nächsten Monaten und unter Umständen sogar Jahren profitieren dürfte.

Andererseits zeige die Vergangenheit, dass auch die Freude an Gold schnell verfliegen könne, wenn sich die dunkle Wolkenfront über den Investment-Alternativen aufhelle - hierbei seien schärfere Korrekturen von mehr als 30 Prozent beim Goldpreis keine Seltenheit gewesen. Interessant ist in diesem Zusammenhang die exemplarische Entwicklung der fünf großen Goldminenbetreiber seit dem markttechnischen Corona-Tiefpunkt im März bis dato.

Wie der Performance-Check auf eindrucksvolle Weise belege, schienen die Unternehmen in diesem Bereich überproportional auf die Entwicklung des Goldpreises zu reagieren. Durch den hohen Goldpreis sprudelten derzeit auch die Gewinne bei den Unternehmen in diesem Sektor. Allerdings hätten sich die Margen bei den Goldminenbetreibern in der Vergangenheit stark schwankungsanfällig gezeigt.


Alle fünf Unternehmen hätten in den vergangenen zwanzig Jahren teilweise auch mit negativen operativen Margen gekämpft. Zum Vergleich: Nestlé als Vertreter der Aktien in der Branche Basiskonsum habe in demselben Zeitraum stets eine positive operative Marge vorweisen können. Als Rohstoffinvestor brauche man also nicht nur Nerven aus Drahtseilen, sondern auch viel Glück beim Timing, um dabei entsprechend erfolgreich zu sein.


Die operative Marge wird auch als EBIT-Marge oder EBIT-Rendite bezeichnet, wie Adrian erklärt. In der EBIT-Marge spiegele sich das betriebliche Ergebnis im Verhältnis zum Umsatz wider. Bei der operativen Marge handele es sich um eine spezielle Form der Umsatzrentabilität. Sie setze ausschließlich den operativen Gewinn ins Verhältnis zum Umsatz. Die Finanzierungs- und Steuereffekte würden dabei nicht berücksichtigt.

Mit der operativen Marge sei der Vergleich von Unternehmen einfacher zu bewerkstelligen. Letztlich zeige sich, dass das Geschäft der Minenbetreiber überaus schwankungsanfällig sei und auch oft negative Margen auftreten könnten. Eine negative Marge bedeute, dass man im operativen Geschäft einen Verlust eingefahren habe. Dies wiederum habe zur Folge, dass die Zahlung von Zinsen und Steuern nicht aus dem Kerngeschäft bewerkstelligt werden könnten und zulasten der Substanz gingen.

Tendenziell scheine es derzeit aber so, dass die Minenbetreiber in diesem Jahr mit positiven Margen rechnen könnten und dass dies unter Umständen noch länger der Fall sein werde, sollte sich der Goldpreis auf dem aktuellen Niveau stabilisieren oder sogar noch zulegen können.

Die Kehrseite der Medaille müsse auch in Augenschein genommen werden. Wie verhielten sich die Kurse der Gold-Unternehmen in der vergangenen Krise, fragt Adrian? Eine Rückblende zeige dabei, dass die Nachwehen der Finanzkrise den Goldpreis bis zum Jahr 2011 auf den bis dato höchsten Kurs bei 1.900 Dollar getrieben habe. Die Rallye habe bereits im Jahr 2007 gestartet, damals habe der Preis für das Edelmetall im Tief noch bei etwas mehr als 600 Dollar notiert. Es habe im Grunde also eine Verdreifachung in den Folgejahren vorgelegen. Da sei dann viel Platz nach unten. In der letzten "Goldkrise" sei der Preis für das Edelmetall dann jedenfalls um 45 Prozent gesunken.


Dazu passend nachstehend auch noch die Performance von fünf großen Goldminenbetreibern, die im gleichen Korrekturzeitraum (05.09.2011 bis 17.12.2015) ebenfalls dramatische Verluste hinnehmen mussten.


Im Fokus: Öl



Aktuell befindet sich mit Öl ein anderer allseits bekannter Rohstoff im Korrekturmodus, wie Adrian konstatiert. Die Unternehmen im Energiebereich litten unter dem niedrigen Preis des schwarzen Goldes. Die nächste Grafik zeigt den Verlauf des Ölpreises von West Texas Intermediate. Diese Ölsorte gilt als wichtiger Indikator für Angebot und Nachfrage von Rohöl auf dem Weltmarkt sowie als Richtwert für die Preisfestsetzung anderer in den USA geförderter Ölsorten. Er bewegt sich laut Schoellerbank in der Regel im gleichen Bereich wie der Preis der leichten Nordseesorte Brent, einer weiteren Standardsorte. Wie sich unschwer erkennen lasse, seien die letzten Jahre für Investoren in diesem Bereich schwierig gewesen, da sich der Ölpreis seit Oktober 2018 trotz der jüngsten Erholung immer noch halbiert habe.


Wie ein Performance-Check seit dem Ölpreis-Hoch im Jahr 2018 beweise, sei selbst das beste Management machtlos, wenn der zugrunde liegende Rohstoff langfristig einknicke. Wie man anhand des Ergebnisses erkennen könne, fielen die Kurse der Ölunternehmen im Schnitt ähnlich stark wie jene des Rohstoffes selbst. Allerdings kann man anhand der Resultate auch sehen, dass manche Unternehmen besser durch die Krise gekommen seien als andere.


Es gebe zwar bei jeder Rohstoffpreisbewegung - ob rauf oder runter - börsennotierte Unternehmen, die sich besser entwickelten als der Rohstoff selbst, aber eine entgegengesetzte Entwicklung zum allgemeinen Preistrend des Rohstoffs könne es auch für diese Aktien nicht geben. Ein Investment in diesem Bereich sollte also auch immer unter der Annahme erfolgen, dass sich der zugehörige Rohstoff in die entsprechende Richtung entwickelt.

Ein Leben ohne Öl sei aktuell noch undenkbar, da hierfür viele weitere Innovationen (Stichwort Elektro- und Wasserstoffmobilität) das Licht der Welt erblicken müssten. Da man Öl in naher Zukunft weiterhin benötigen werde, sei es durchaus möglich, dass sich der Ölpreis auch wieder in höhere Gefilde aufmache und damit die Energieunternehmen und deren Anteilsscheine befeuere.

Doch die Energiekonzerne sollten ihre Neuausrichtung angesichts des Klimawandels und der gesellschaftlichen Veränderungen in den Industrienationen schon heute auf der täglichen Agenda haben. Eine komplette Neuerfindung der Ölkonzerne werde nicht von heute auf morgen vonstattengehen und deshalb auch für Aktionäre vermutlich eine sehr langwierige Angelegenheit werden.

Fazit



Bei Unternehmen, die einer Rohstoffbindung unterliegen, müssen bei einem langfristigen Investment vor allem die Chancen und Risiken des entsprechenden Rohstoffs bedacht werden, da eine Entkoppelung dieser beiden Protagonisten realistisch nicht möglich ist, so Adrian. Ein Rohstoff biete keine Dividende, und in physischer Form müssten auch Lagerkosten einkalkuliert werden.

Die Absicherungsgeschäfte der Unternehmen im Rohstoffbereich könnten nur kurz- bis mittelfristige Schwächeperioden abfedern. Das Management könne zwar einen Mehrwert für Aktionäre schaffen, indem es umsichtig agiere, aber langfristig seien diese Unternehmen der Rohstoffpreisentwicklung ausgeliefert.

Sollte die Wirtschaft wieder Fahrt aufnehmen, könnte sich die aktuelle Nachfragelandschaft umkehren: Nachlassende Sorgen würden den Goldpreis unter Umständen in Bedrängnis bringen, und eine anziehende Konjunktur könnte für eine Belebung der heftig gebeutelten Energietitel sorgen. Doch insbesondere Energiekonzerne werden sich in naher Zukunft zumindest teilweise neu erfinden müssen, so die Schollerbank abschließend in ihrem Fazit zu dem Thema.