Als Fed-Chefin Janet Yellen am 21. September vor das Rednerpult trat, hielt die Börsenwelt den Atem an. Viel war vorab diskutiert worden, nun machte die weltweit mächtigste Währungshüterin Ernst. Als erste Notenbank beendet die Fed das größte geldpolitische Experiment der jüngeren Geschichte. Ab Oktober wird sie damit beginnen, ihre mit Wertpapierkäufen auf 4,5 Billionen Dollar aufgeblähte Bilanz zu verkleinern.

Das war aber nicht die einzige Botschaft, die Yellen an die Märkte sandte. Da nahezu Vollbeschäftigung herrscht, muss die Notenbank auch andere Gefahren im Auge behalten. "Wir werden nicht zulassen, dass die Wirtschaft überhitzt", sagte die 71-Jährige. Im Umkehrschluss bedeutet dies weitere Zinserhöhungen. Auf der Agenda steht ein Schritt noch in diesem und drei im kommenden Jahr. Aktuell preist der Markt eine 72-prozentige Wahrscheinlichkeit für eine Anhebung im Dezember ein, vor der Rede waren es 46 Prozent.

Was bedeutet das für die Märkte?



Vor dem mit Spannung erwarteten Treffen des Offenmarktausschusses zeigte sich die Wall Street in Rekordlaune. Der Dow Jones markierte acht Tage in Folge ein neues Rekordhoch. Daran hat sich auch nach der Sitzung nichts geändert, der 121 Jahre alte Index klettert munter weiter. Und der Trend dürfte anhalten. "Da der Bilanzabbau schon so lange angekündigt war, sollte es zunächst einmal nicht zu größeren Verwerfungen an den Märkten kommen", sagt Chefvolkswirt Martin Moryson von Sal. Oppenheim.

Eine Normalisierung der Notenbankpolitik, gepaart mit einem kräftigen Wirtschaftswachstum sowie einem US-Präsidenten, der weiterhin mit der Investitionskeule wedelt, könnten weiterhin für gute Stimmung an der Wall Street sorgen. Wir haben uns auf die Suche nach Qualitätsaktien aus den USA gemacht, die noch weiteres Potenzial versprechen.

Hierzu zählt Domino’s Pizza. Die 1960 gegründete Schnellrestaurantkette steigerte nicht nur ihren Umsatz und Gewinn Jahr für Jahr, das Unternehmen baut auch regelmäßig seinen Marktanteil aus. Rund sechs Prozent der weltweit verkauften Pizzen stammen aus den Öfen der Fast-Food-Kette. 2011 waren es erst knapp vier Prozent. Welche Expansionskraft in der Firma steckt, zeigt das abgelaufene Vierteljahr. Der Umsatz stieg um 15 Prozent und legte damit das fünfte Quartal in Folge prozentual zweistellig zu. Der Gewinn je Aktie verbesserte sich sogar um mehr als ein Drittel. Mit beiden Werten übertraf Domino’s zwar die Schätzungen der Analysten, doch fanden diese noch ein Haar in der Suppe: Außerhalb der USA ging das Wachstum leicht zurück. Diese Unstimmigkeit sorgte an der Börse für eine kleine Delle, die Anleger nun zum Einstieg nutzen können. An den weiteren Aussichten des Unternehmens ändert sich nämlich nichts. In den kommenden fünf Jahren sollen die Erlöse weiterhin um acht bis zwölf Prozent pro Jahr steigen.



Auf aussichtsreiche Trends setzen



Mit dem Aktienkurs stramm bergauf geht es dagegen bei Delphi Automotive seit Jahresbeginn. Der Titel avancierte bereits um mehr als 50 Prozent. Der Beschleunigungskurs sollte sich langfristig fortsetzen, denn der Zulieferer setzt derzeit die Weichen in Richtung "Auto der Zukunft". Der 1999 aus General Motors hervorgegangene Konzern setzt verstärkt auf selbstfahrende Autos und Elektrofahrzeuge. Aus diesem Grund gliedert Delphi derzeit die Geschäftseinheit Antriebsstrang aus. "Die neue Mobilität wird aus einem Zusammenschluss von autonomem Fahren, Elektrifizierung und Vernetzung bestehen und durch stark erhöhte Rechenleistung und intelligente Fahrzeugplattformen ermöglicht werden", begründet Chef Kevin Clark die Entscheidung. Clark sieht jede Menge Potenzial auf diesem Gebiet und möchte mit Technologien zur aktiven Sicherheit in den kommenden Jahren deutlich wachsen. "Wir haben 2016 einen Umsatz von 300 Millionen Dollar auf diesem Gebiet erreicht, wir sehen hier in der Zukunft ein Wachstum von jährlich bis zu 50 Prozent", gibt sich der Vorstand optimistisch. Wir erhöhen deshalb Kursziel und Stoppkurs.

Selbstfahrende Autos sind auch ein Steckenpferd von Nvidia. Der Grafikkartenspezialist ist nicht nur aus den Trendthemen E-Games und Blockchain (Stichwort Bitcoin) nicht mehr wegzudenken, auch die Karossen auf vier Rädern haben es dem Konzern angetan. Im abgelaufenen Quartal steigerte Nvidia den Umsatz in der Automotive-Sparte um 19 Prozent auf 142 Millionen Dollar. Die Wall Street ist bullish auf die Aktie, 22 von 38 Analysen münden derzeit in einer Kaufempfehlung. Das höchste Kursziel ruft Evercore ISI mit 250 Dollar aus, 40 Prozent über dem aktuellen Kurs. Vor allem der Bereich künstliche Intelligenz (KI) stimmt die Experten zuversichtlich: "Nvidia hat einen Industriestandard für KI-Systeme geschaffen, welcher fast unmöglich zu kopieren ist."

Nachmachen ist dagegen im Smart-phone-Geschäft gang und gäbe. Seit Apple das iPhone 2007 auf den Markt gebracht hat, kopiert die ganze Welt das Gerät aus Cupertino. Aktuell steht bei dem Kultkonzern der Launch von iPhone 8, der neuen Apple Watch sowie iPhone X an. Wie so oft in der jüngsten Vergangenheit, werden die Produkteinführungen mit zahlreichen Negativkommentaren begleitet. Spekuliert wird über einen schleppenden Start beim iPhone 8 und Problemen mit der LTE-Verbindung bei der neuen Uhr. Dies setzt der Aktie aktuell zu. Anlegern bietet dieser Rücksetzer eine Einstiegsgelegenheit, denn spätestens wenn das Jubiläumsmodell iPhone X im November startet, dürften sich die üblichen langen Schlangen vor den Stores bilden und die aktuellen Gerüchte vergessen sein.