Am vergangenen Freitag sorgten unter anderem Gewinnmitnahmen für schwächende Kurse bei KI-Aktien wie Micron Technology und anderen Chipwerten. Anfang der Woche schien eine erneute KI-Rally zu starten. Laut eines Experten der US-Großbank Wells Fargo könnte diese aber bald wieder kippen.
Dieser Ansicht ist Ohsung Kwon, Chef-Stratege bei Wells Fargo. Er vermutet, dass die stark steigenden Token-Kosten auf den Rechnungen der der Kunden von KI-Systemen für einen Abschwung sorgen könnten. In einem CNBC-Interview beschrieb er den Ausverkauf Ende vergangener Woche als einen "Weckruf für Anleger". Dieser war laut seiner Einschätzung jedoch eher auf die Marktpositionierung der Anleger zurückzuführen. Problematischer sei jedoch das Ende des "Token-Maxxing".
"Ein starkes Bärenargument für den KI-Trade"
Die Ausgaben für KI-Token sind eine kostspielige Angelegenheit. In der Startphase subventionierten KI-Labore wie OpenAi und Anthropic diese massiv. Dadurch entstand eine künstliche Verbilligung, die jetzt allerdings ein Ende findet. Nahezu alle Betreiber von KI-Modellen haben die Preise für ihre KI-Token, die quasi die Nutzung von Rechenkapazität abbilden, angehoben, weil Investoren zunehmend die Geduld verlieren und nach der Monatarisierung fragen. Die bislang ausbleibende Profitabilität, die etwa durch die Gewinnung von Nutzerdaten entstehen sollte, sorgt zusätzlich für Druck. Durch die Preiserhöhungen und den Wechsel von Flatrates auf verbrauchsabhängige Abrechnung von Tokens entstehen unerwartete Mehrkosten, die viele Firmen derzeit noch nicht absehen können.
Ein Beispiel dafür sind die KI-Agenten. Diese verbrauchen im Hintergrund deutlich mehr Token als ein einfacher Chat mit der KI und sorgen somit für eine immense Kostensteigerung bei Unternehmenskunden. Plattformen wie Anthropic entledigen sich zunehmend ihrer Abo-Modelle und setzen auf eine Abrechnung nach Token-Verbrauch. Unternehmen wie Walmart oder Uber, die einen Großteil Ihres Geschäftes auf den günstigen KI-Preisen der Vergangenheit aufgebaut haben, müssen nun ihre Kalkulationen überarbeiten, da sie ihre KI-Budgets schneller ausgeben als geplant, weil die KI-Nutzung zunehmend ihren "wahren" Preis einfordert. Für Kwon ist das "im Grunde genommen eine direkte Nachfrage nach KI. Wenn sich das zumindest abschwächt, ist das meiner Meinung nach ein starkes Bärenargument für den KI-Trade", konstatiert der Experte.
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KI-Aktien vor dem Wendepunkt? Wells Fargo bleibt skeptisch
Verschiedene Hyperscaler, zu denen etwa Microsoft, Meta oder Alphabet zählen, erhöhen aktuell ihre Investitionsausgaben im KI-Sektor. Probleme in den Lieferketten und steigende Preise bewegen die Unternehmen zu diesem Schritt. Sie geben diese Mehrkosten in steigender Token-Preise an die Unternehmenskunden weiter. Der Effekt einer solchen Preisspirale zeigt sich in der Regel nicht direkt, sondern erst nach einigen Monaten.
Bereits im April wechselte Wells Fargo deshalb für Aktien aus dem KI-Sektor von einer bullischen Haltung zu einer klar neutralen Haltung.
Dennoch rät Kwon nicht dazu, KI-Aktien vollständig zu veräußern. Stattdessen sollten sich Anleger zunächst absichern. Als Alternative nennt der Stratege etwa den Gesundheitssektor, da dieser aktuell noch hinterherhinke und weiterhin profitieren könnte, falls die durch KI ausgelöste Volatilität anhält.
Noch können die Unternehmen ihre KI-Token zum alten Preis nutzen. Allerdings werden sich Konzerne von unnötigen KI-Anwendungen verabschieden, die keine Profitabilität versprechen. Klar ist, dass die gesamte KI-Branche diese Entwicklung mittragen muss.
Der neue Hype wartet bereits
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Häufig gestellte Fragen
Warum gelten steigende Token-Kosten als Risiko für KI-Geschäftsmodelle?
Wenn KI-Anfragen teurer werden, steigen die laufenden Betriebskosten für Unternehmen und Plattformen. Das kann dazu führen, dass Anwendungen weniger profitabel sind oder Preiserhöhungen an Kunden weitergegeben werden müssen.
Welche Rolle spielen Hyperscaler im KI-Markt?
Hyperscaler wie Microsoft, Alphabet und Meta investieren massiv in Rechenzentren, Chips und Infrastruktur für KI. Dadurch treiben sie die Entwicklung des Marktes voran, erhöhen aber auch den Druck, diese Investitionen später wirtschaftlich zu rechtfertigen.
Woran erkennen Anleger, ob eine KI-Rally überhitzt ist?
Typische Warnsignale sind sehr schnelle Kursanstiege, steigende Bewertungen ohne klare Ertragsbasis und zunehmende Skepsis bei großen Marktteilnehmern. Wenn zusätzlich die Kosten für den Einsatz von KI steigen, kann das die Story hinter den Kursen spürbar schwächen.
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