Die stark gestiegenen Silberpreise haben den weltgrößten Händler von Schmuck, die Juwelierkette Pandora, in Schwierigkeiten gebracht. Jetzt will Pandora stattdessen auf ein anderse Edelmetall setzen –die Aktie reagiert mit einem Jubelsprung.
Die dänische Juwelierkette Pandora gilt, nach Umsatz gerechnet, als der weltgrößte Schmuckhändler. Ein Großteil des Sortiments entfällt auf relativ günstigen Schmuck, den sich auch Normalverdiener leisten können: meist sind die Schmuckstücke nicht vollständig aus Silber, sondern versilbert.
Doch seit die Silberpreise in immer neue Höhen katapultiert wurden, hat Pandora ein Kostenproblem. Denn würden die Verkaufspreise in demselben Maße mit steigen wie der Preis des Edelmetalls, bricht die Nachfrage und damit der Umsatz ein.
An der Börse hatte das schon heftige Konsequenzen: Quasi parallel zum Aufstieg des Silberpreises stürzte die Pandora-Aktie ab: von 1414 dänischen Kronen Anfang 2025 (umgerechnet 189 Euro) auf nur noch 469 Kronen Ende Januar (rund 63 Euro). Ein Verlust von 67 Prozent.
Pandora wechselt das Material
Jetzt reagiert das Unternehmen: Um die Bedenken der Anleger hinsichtlich seiner Abhängigkeit von Silber zu zerstreuen, kündigte Pandora am Donnerstag an, künftig verstärkt auf platinbeschichteten Schmuck setzen zu wollen. Das Edelmetall Platin, das auch industriell genutzt wird, etwa in Katalysatoren für die Autoindustrie, ist im Vergleich zu Silber derzeit deutlich günstiger.
Nach der Ankündigung schossen die Aktien der Dänen zeitweise um sieben Prozent in die Höhe. Udn das, obwohl Pandora in seinem gleichzeitig vorgelegten Jahresbericht für 2026 ein weitgehend unverändertes organisches Wachstum prognostizierte. „Wenn man sich die Volatilität des Silberpreises ansieht, ist es für das Unternehmen notwendig, sich vom Silberhandel abzukoppeln“, erklärte CEO Berta de Pablos-Barbier gegenüber dem Börsensender CNBC. „Die Diversifizierung unseres Warenkorbs durch neue Metalle wird uns helfen, da wir dann nicht mehr so stark von einem einzigen Edelmetall abhängig sind, nämlich Silber“, sagte sie. Nach Angaben von de Pablos-Barbier entfallen etwa 60 Prozent des Geschäfts von Pandora derzeit auf Silber.
Noch zu früh für eine Turnaround-Spekulation
Damit ist der Schmuckhändler quasi ein direkter Hedge gegen fallende SIlberpreise. Der Spotmarkt-Preis für Silber war am Donnertagmorgen phasenweise erneut um 17 Prozent eingebrochen. Trotzdem macht der Kurswechsel von Pandora Sinn, denn Silber notiert damit immer noch bei knapp 80 US-Dollar je Feinunze und damit mehr als 150 Prozent höher als vor einem Jahr.
Die Frage ist: Sollten Anleger nun auf den Kurswechsel setzen und wieder einsteigen? Analysten hatten gewarnt, der volatile Silberpreis sei ein „schädliches Problem“ für Pandora. Dieses Problem gehen die Dänen nun offensichtlich an, was der Aktie Auftrieb gibt. Allerdings war es nicht der Silberpreis allein, der Pandora 2025 unter Druck brachte: Auch die Kauf-Zurückhaltung der Verbraucher hat sich auf den Umsatz ausgewirkt. Für dieses Jahr erwartet Pandora nach eigenen Angaben deshalb nur ein stagnierendes Wachstum zwischen minus einem und plus zwei Prozent.
Allerdings liegt die prognostizierte Gewinnmarge (Gewinn vor Zinsen und Steuern) zwischen 21 und 22 Prozent und ist damit sehr hoch. Entlastungen durch sinkende Silberpreise oder einen neuen Materialmix würden sich dort unmittelbar niederschlagen.
Ob das gelingt, wird sich frühestens in den Zahlen zum 1. Quartal zeigen, die Pandora am 6. Mai vorlegen wird.
Sie haben lieber stabile Werte im Portfolio?
Dann könnte der „Stabile Werte-Index“ von BÖRSE ONLINE interessant für Sie sein. Hier finden Sie mehr Informationen dazu.
Lesen Sie auch
Silber verliert schon wieder zweistellig – das steckt dahinter
oder
Aktie fast acht Prozent im Minus! Das sind die neuen Kursziele für Rheinmetall