Denkbar sei aber auch, der der große politische Knall ausbleibe und dadurch der Weg für eine Jahresendrally frei werde. Der Dax verlor in den vergangenen Tagen insgesamt knapp vier Prozent und stand vor dem größten Wochenverlust seit gut einem halben Jahr.

Haupt-Diskussionsthema auf dem Börsenparkett bleibt die US-Geldpolitik. "Es beginnt jetzt die Debatte über die Zinsen im kommenden Jahr", sagt Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets. In diese mischt sich auch US-Präsident Donald Trump ein, der der Notenbank Federal Reserve wegen ihrer restriktiveren Geldpolitik vorwarf, verrückt geworden zu sein. Vor diesem Hintergrund warten Börsianer gespannt auf die Veröffentlichung der Protokolle der jüngsten Fed-Sitzung am Mittwoch. Von den Mitschriften erhoffen sie sich Rückschlüsse über Zeitpunkt und Tempo der erwarteten Zinserhöhungen.

Trump sei auch noch aus einem anderen Grund ein Risikofaktor, warnt Blackrock-Experte Lück. Um die Chancen der Republikaner bei den Zwischenwahlen zum Kongress im November zu verbessern, könnte er den Handelskonflikt mit China verschärfen.

Kopfschmerzen bereitet Investoren auch die geplante Ausweitung des Haushaltsdefizits im bereits hoch verschuldeten Italien. Damit geht die Regierung in Rom auf Konfrontationskurs mit der EU-Kommission, die eine strengere Ausgabendisziplin anmahnt. Während einige Regierungsmitglieder verbal Öl ins Feuer gössen, mühe sich Finanzminister Giovanni Tria, die Risse zu kitten, sagt Carlo Alberto De Casa, Chef-Analyst des Brokerhauses ActivTrades. Tria warb erneut für einen konstruktiven Dialog mit der Brüsseler Behörde.

BILANZSAISON KÖNNTE SCHLIMMERES VERHINDERN



Unterstützung für die europäischen Aktienmärkte verspricht sich Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden bei der Deutschen Bank, von der anstehenden Bilanzsaison. "Nach eher mageren Gewinnsteigerungen von null beziehungsweise fünf Prozent in den ersten beiden Quartalen halten unsere Aktienanalysten nun ein Plus von zehn Prozent für möglich." Für US-Firmen seien sogar Zuwächse von knapp 26 Prozent drin. In der neuen Woche legen dort unter anderem die Banken Goldman Sachs und Morgan Stanley sowie die Online-Videothek Netflix (alle Dienstag) Geschäftszahlen vor. Am Donnerstag läutet der Software-Hersteller SAP die deutsche Bilanzsaison ein.

Einen Hoffnungsschimmer könnten auch die Brexit-Verhandlungen liefern. Europäische Spitzenpolitiker lobten die Fortschritte bei den Gesprächen über die künftigen Beziehungen Großbritanniens zur EU. Es sei aber unklar, ob bis zum EU-Gipfel in der kommenden Woche ein Durchbruch erzielt werde. Spekulationen auf eine nahende Einigung hatten dem Pfund Sterling in der alten Woche Auftrieb gegeben.

KONJUNKTURDATEN TRETEN IN DEN HINTERGRUND



Konjunkturdaten spielen in der neuen Woche nur die zweite Geige. Die US-Einzelhandelsumsätze am Montag würden das anhaltend robuste Wachstum der dortigen Wirtschaft voraussichtlich unterstreichen, prognostiziert Commerzbank-Volkswirt Christoph Balz. Der private Konsum gilt als Hauptstütze der weltgrößten Volkswirtschaft. Der ZEW-Index am Dienstag werde signalisieren, dass die deutschen Börsenprofis mit einer Fortsetzung des heimischen Aufschwungs rechneten.

rtr