Mitten im Abwehrkampf gegen die drohende Übernahme durch Unicredit legt die Commerzbank an diesem Freitag (8. Mai) Zahlen für das erste Quartal vor. Analysten erwarten außerdem eine Anhebung der Finanzziele.
Den Plan für neue Mittelfristziele hatte Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp schon vor Wochen angekündigt. Doch inzwischen hat Unicredit-Chef Andrea Orcel einen Umbauplan für den Fall einer Übernahme vorgelegt, der auch die Streichung von 7.000 Stellen in Deutschland enthält. Nach dem offiziellen Übernahmeangebot von Unicredit am Dienstag ist der Druck auf die Commerzbank nochmals gestiegen. Nun könnte Orlopp selbst als erste einen weiteren Jobabbau ankündigen.
Noch im Gesamtjahr 2025 hatte die Commerzbank trotz hoher Kosten für den laufenden Abbau von fast 4.000 Stellen mit gut 2,6 Milliarden Euro unter dem Strich ihren Rekordgewinn von 2024 nur knapp verfehlt: Er lag seinerzeit bei 2,7 Milliarden Euro. Für das laufende Jahr stellt Orlopp bisher einen Gewinn von mehr als 3,2 Milliarden Euro in Aussicht. Ihre bisherigen Mittelfristpläne reichen bis 2028. Dann soll der Überschuss 4,2 Milliarden Euro erreichen.
Das erwarten die Analysten
Im ersten Quartal dürfte die Commerzbank nach Einschätzung von Experten mit gut 1,3 Milliarden Euro vor Steuern und 868 Millionen Euro Überschuss besser abgeschnitten haben als ein Jahr zuvor. Damals hatte sie mit 834 Millionen Euro Gewinn das beste Quartalsergebnis seit Anfang 2011 erzielt.
Für das laufende Jahr gehen die von der Bank selbst befragten Analysten im Schnitt von einem Überschuss von fast 3,5 Milliarden Euro aus und liegen damit klar über den offiziellen bisherigen Plänen des Vorstands. Für 2028 rechnen sie bereits mit einem Gewinn von knapp 4,6 Milliarden Euro – das ist ebenfalls mehr als das, was Orlopp bisher in Aussicht gestellt hatte.
Der Plan der Commerzbank ist offenbar, sich so teuer und attraktiv für Aktionäre zu machen, dass Unicredit den Übernahmeplan nicht mehr umsetzen kann.
Aber wird das funktionieren?
Das sagt Unicredit
„Der Prozess ist nicht mehr aufzuhalten“, sagte Orcel jüngst in einem Interview der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Ein kompletter Rückzug der Unicredit komme nicht in Frage. Die Großbank aus Mailand hält mittlerweile direkt und über Finanzinstrumente 29,99 Prozent an der Commerzbank. Weitere Finanzinstrumente sichern ihr sogar den Preis für weitere Anteile, mit denen sie über die Marke von 30 Prozent käme.
Ab dieser Schwelle hätte Unicredit ein Pflichtangebot für die restlichen Commerzbank-Aktien vorlegen müssen. Um dies zu vermeiden, preschte Orcel mit einem freiwilligen Übernahmeangebot vor, das bisher weit unter dem aktuellen Kurs der Commerzbank-Aktie liegt. Deshalb ist die Offerte kaum attraktiv. Selbst Orcel erwartet nicht, auf diese Weise die Kontrollmehrheit zu erlangen.
Bei der Commerzbank empfindet man das Vorgehen der Italiener als Affront: „Was die Unicredit nach 18 Monaten und zahlreichen Treffen nun auf den Tisch gelegt hat, ist ein Plan, der die Bank, wie sie heute für ihre Kunden funktioniert, zerlegt und unseren Aktionären dafür keine Prämie zahlt“, sagte der stellvertretende Commerzbank-Chef Michael Kotzbauer der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“.
In seinem Umbauplan für die Commerzbank kritisierte Orcel unter anderem, das Auslandsnetz des Frankfurter Geldhauses sei „überdimensioniert“ und „ineffizient“. Kotzbauer bezeichnete die Präsentation als „feindliches Vorgehen mit irreführenden Darstellungen“.
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Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Commerzbank.