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Anleihen: Kein Zugang für Privatanleger

Anleihen: Kein Zugang für Privatanleger

WKN: 766400 ISIN: DE0007664005 Volkswagen (VW) St.

144,55 EUR
1,75 EUR 1,23 %
24.05.2019 - 16:32
04.05.2019 02:40:00

Für viele Bonds nehmen die Banken wegen verschärfter Vorschriften keine Kaufaufträge mehr an. Einer einfachen Lösung verweigern sich die meisten Emittenten. Von Thomas Strohm, Euro am Sonntag

Müssen Anleger vor Anleihen geschützt werden? Angesichts der Probleme, die Privatleute beim Bondkauf haben, könnte fast dieser Eindruck entstehen. Da die Auslegung der seit 2018 geltenden Verbraucherschutzregeln in den vergangenen Monaten sogar noch verschärft wurde, können Anleger inzwischen eine Vielzahl an Anleihen nicht mehr ordern. Der Zugang wird ihnen vor allem auch bei nachrangigen und variabel verzinsten Bonds verwehrt, die in Niedrigzinszeiten besonders interessant sind. Dies liegt nicht nur an den Banken, sondern auch an vielen Emittenten, die kaum Interesse an einer Lösung der Probleme zu haben scheinen.

Damit ein Anleger den Kaufauftrag für eine Anleihe bei seiner Bank abgeben darf, müssen zwei Bedingungen erfüllt sein. Erstens: Privatanleger gehören zum Zielmarkt der Anleihe, den die Bank gemäß Mifid II (siehe Glossar) für jedes Papier festlegen muss. Zweitens: Handelt es sich bei der Anleihe um ein verpacktes Anlageprodukt, ein PRIIP, muss der Emittent ein Basisinformationsblatt (BIB) dafür zur Verfügung stellen - gibt es dieses nicht, wird die Anleihe von der Bank mit einer Kaufsperre für Privatanleger versehen. Vor allem wegen dieser zweiten Bedingung scheitern Anleger beim Anleihekauf oft.

Umstrittene Einstufung


Welche Anleihe ist aber überhaupt ein PRIIP? Bei der Einstufung vertrauen die Banken auf die Angaben des Datendienstleisters WM-Gruppe. Weil detaillierte Vorgaben des Regulierers fehlen, hat der Dienstleister mit Banken und Emittenten einige Kriterien zur Einordnung erarbeitet. Die Angabe im Stammdatenblatt für eine Anleihe kann sich aber auch ändern - was Mitte 2018 kein PRIIP war, kann heute ein PRIIP sein. So sind Nachranganleihen von Unternehmen wie Volkswagen, Bayer oder Otto Group erst seit einigen Monaten als PRIIP eingestuft. Diese Papiere laufen sehr lange oder unendlich, können aber vom Emittenten nach einigen Jahren gekündigt werden, was die Unternehmen in der Regel auch zum erstmöglichen Termin machen. Nach dem ersten Call-­Datum wird aus dem fixen Kupon üblicherweise ein variabler Satz, der sich aus einem Kapitalmarktzins plus einem Aufschlag errechnet. Wegen dieser ­Abhängigkeit der Erträge von externen Referenzzinssätzen werden Nachrangbonds nun als PRIIP eingestuft. Ebenso wie Floater-Anleihen, die zwar erstrangig sind, deren Zins jedoch während der gesamten Laufzeit variabel ist.

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Für die Einordnung als PRIIP genügt auch schon eine weit verbreitete Klausel in den Anleihebedingungen - die Make-­Whole-Call-Option. Das Unternehmen hat damit das Recht, die Anleihe jederzeit zum Nennwert zu kündigen, muss dann aber alle bis Endfälligkeit noch ausstehenden Kupons sofort zahlen. Diese werden auf den heutigen Wert abgezinst - als Referenzsatz dient der Zins einer Staatsanleihe aus dem Land der Anleihewährung plus festgelegter Aufschlag. Ziel ist Flexibilität für den Emittenten, zugleich soll der Anleger bei vorzeitiger Tilgung nicht schlechter gestellt werden als bei normaler Laufzeit. Anleihen mit dieser Klausel werden nicht nur von ausländischen Firmen wie dem US-Flugzeughersteller Boeing emittiert, sondern auch von vielen deutschen Unternehmen wie K + S oder Fresenius.

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