ZINSIDEE DER WOCHE

Bulgarien Anleihe: Langläufer aus Sofia

Bulgarien Anleihe: Langläufer aus Sofia
06.06.2021 12:00:35

Die Wirtschaft erholt sich, dem Land fließen erhebliche Mittel aus Brüssel zu. Die Zahlungsfähigkeit ist langfristig gesichert. Noch dazu notiert der bis 2050 laufende Bond unter Nennwert. Von Jörg Billina

Zweiter Versuch: Nachdem die Bürger Bulgariens am 4. April dieses Jahres ihr Parlament gewählt haben, sind sie am 11. Juni erneut aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. Die Bemühungen des bisherigen Ministerpräsidenten Bojko Borissow von der Gerb-Partei, eine Regierung zu bilden, sind gescheitert. Auch den übrigen Parteien gelang es nicht, sich auf eine Koalition zu verständigen. Bis zum neuen Wahltermin trägt eine Übergangsregierung die Verantwortung.

Der politische Stillstand muss Bondinvestoren nicht beunruhigen. Der im Jahr 2050 fällige Bond (siehe Kasten unten) bleibt für Anleger mit mittlerer Risikobereitschaft attraktiv. Negative Folgen für die Wirtschaft sind nicht zu befürchten. Nach dem pandemiebedingten Wachstumseinbruch im vergangenen Jahr erwartet der Internationale Währungsfonds für 2021 einen Anstieg der gesamtwirtschaftlichen Leistung von 4,4 Prozent.

Auch die Zahlungsfähigkeit bleibt gesichert. Fitch stuft Bulgarien mit der Investment-Grade-Note "BBB" ein, im Februar hob die Ratingagentur den Ausblick von stabil auf positiv an. Die Neuverschuldung liegt aktuell bei vier Prozent, die Gesamtverschuldung Bulgariens beträgt 25 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Andere EU-Staaten mit gleichem Rating, Italien etwa, weisen deutlich höhere Defizite auf. Keine der bislang im Parlament in Sofia vertretenen Parteien erwägt, die Schuldenlast zu erhöhen. Zudem kompensiere die Aussicht auf erhebliche Mittelzuflüsse seitens der EU politische als auch pandemiebedingte Risiken, analysiert Fitch.

Lew gegen Euro

Dem ärmsten Land der EU - das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf liegt bei 9277 Euro - fließen aus dem bis zum Jahr 2027 laufenden EU-Haushalt 16,6 Milliarden Euro zu. Die Summe entspricht 27 Prozent des bulgarischen Bruttoinlandsprodukts. Weitere 7,5 Milliarden Euro erhält Sofia aus dem EU-Wiederaufbaufonds.

Bulgariens Bemühungen, der Eurozone beizutreten, bewertet Fitch als "zusätzliche Bonitätsunterstützung". Als Termin ist der 1. Januar 2024 anvisiert. Einer der Vorteile: Bulgarien könnte sich dann zu geringeren Konditionen als derzeit am Kapitalmarkt refinanzieren.

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