Als die Dänen damit begannen, als Reaktion auf Trumps Grönland-Drohungen US-Staatsanleihen zu verkaufen, schien das eine Petitesse zu sein. Doch der Abverkauf an den Bondmärkten hat begonnen– und könnte die USA sehr bald in ernste Schwierigkeiten bringen.

„Wow, die Rendite der 30-Jährigen. Ihr werdet keine günstigeren Hypothekenkredite mehr bekommen.“ Mit diesen Worten postet der Bloomberg-Journalist Joe Weisenthal am Dienstag einen Chart, der die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen zeigt. Darauf ist zu sehen, dass die Rendite von US-Treasuries binnen weniger Tage steil angestiegen ist., Auch wenn die adaptierte Skala den Effekt etwas überzeichnet, so ist eine Steigerung von unter 4,78 auf 4,93 Prozent in so kurzer Zeit am eher trägen Anleihenmarkt durchaus ein Ereignis. 

Rendite 30-jährige US-Treasuries
https://x.com/TheStalwart/status/2013580367123423518
Rendite 30-jährige US-Treasuries

Warum die 5-Prozent-Schallmauer für die USA so wichtig ist

Zumal sich die Rendite damit wieder der Marke von fünf Prozent nähert, die als Schallmauer gilt, weil sie die USA weitere hunderte Milliarden Dollar Zinslasten im Jahr auf US-Staatsanleihen kosten würde. Als die fünf Prozent im Mai 2025 zuletzt überschritten wurden, lenkte Donald Trump kurz darauf bei seinen Zollplänen ein und begann, sich versöhnlicher zu geben. Beobachter waren schon damals sicher, dass es vor allem die Entwicklung an den Kapitalmärkten war, die Trump von seinen rabiatesten Zollplänen abhielt. Denn als Immobilien-Investor kennt er den Zusammenhang zwischen Zinsen, Kreditnachfrage und Bautätigkeit, ergo Wirtschaftswachstum, sehr genau. Und auch ein Absturz der Aktienmärkte kann er sich nicht leisten, weil die Amerikaner dort einen Großteil ihrer Altersvorsorge investiert haben. 

Nicht zuletzt würden steigende Zinsen auf US-Staatsanleihen den Haushaltsspielraum seiner Regierung empfindlich einschränken. Schon jetzt zahlen die USA auf ihre Staatsschulden mehr als eine Billion Dollar Zinsen im Jahr. Der US-Präsident will die Zinsen deshalb um jeden Preis unten halten. Am kurzen Ende versucht er das, indem er die US-Notenbank und ihren scheidenden Präsidenten Jerome Powell immer wieder zur Senkung der Leitzinsen auffordert. Am langen Ende der Zinskurve jedoch hat die Fed keinen Einfluss. Hier treiben die wachsende Staatsverschuldung, die langfristigen Inflationserwartungen der Markteilnehmer und neuerdings Kapitalabflüsse die Renditen nach oben. 

Trump versucht, die Zinsen zu drücken - um jeden Preis

Doch auch dort lässt Trump nichts unversucht. Erst kürzlich brachte er die Idee ins Spiel, dass die beiden staatlichen Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac Hypothekenkredite aufkaufen könnten, um die Zinsen für Immobilienfinanzierungen zu drücken. Doch selbst deren Geldmittel sind begrenzt. Wenn der Kapitalmarkt die Renditen weiter nach oben treibt, kann der Plan nicht mehr funktionieren. Deshalb kommentierte Weisenthal die Grafik mit dem Hinweis auf den Hypothekenmarkt. 

Donald Trump dagegen dürfte langsam nervös werden. Wenn die Renditen weiter steigen, wird die Finanzierung seiner politischen Vorhaben, allen voran der Steuersenkungen in Zusammenhang mit der „Big Beautiful Bill“ immer teurer. Und weil zugleich der Dollar immer weiter an Wert verliert – am Dienstag steht er nur noch bei 1,1725 Dollar je Euro – wird es für amerikanische Unternehmen und Konsumenten immer teurer, ausländische Waren zu kaufen. Da sind die Zusatzzölle, die Trump gegenüber Europa ankündigt, noch gar nicht eingerechnet.

Ray Dalio und der „Sell America“-Trade

Unterdessen geht der Ausverkauf weiter. Der US-Börsensender CNBC sprach am Dienstag von einem „Sell America“-Trade, nicht nur am Bondmarkt, der die Renditen hochschießen lässt. Gleichzeitig sei der Dollar gegenüber einem Korb aus den sechs wichtigsten Fremdwährungen an nur einem Tag um ein Prozent gefallen. Auch das ist am Devisenmarkt viel.

Zusammen mit den nachgebenden US-Börsen deute das alles darauf hin, dass globale Investoren höhere Risikoprämien für US-Investitionen ansetzen, da sie befürchten, dass die USA kein verlässlicher Handelspartner mehr seien, hieß es bei CNBC. Einige Investoren würden befürchten, dass dies erst der Anfang sei und europäische Länder in größerem Umfang US-Vermögenswerte abstoßen könnten. „Auf der anderen Seite von Handel, Defiziten und Handelskriegen stehen Kapital und Kapitalkriege“, sagte Ray Dalio, Gründer von Bridgewater Associates, in der CNBC-Sendung „Squawk Box“, die auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos aufgezeichnet wurde. „Wenn man die Konflikte betrachtet, kann man die Möglichkeit von Kapitalkriegen nicht ignorieren. Mit anderen Worten, vielleicht besteht nicht mehr die gleiche Neigung, US-Schulden und (andere US-Vermögenswerte) weiter zu kaufen.“


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