PERSPEKTIVEN

Kaspar Hense: "Und es gibt sie doch: Alternativen zu Aktien"

Kaspar Hense:
27.12.2019 07:00:00

Das Akronym "TINA" ist fast schon zu einer Redewendung geworden. "There is no alternative", es gibt keine Alternative - zu Aktien. Ganz so einfach sollten es sich Anleger aber nicht machen

Alternativen zu Aktien gibt es reichlich, etwa bei ­alternativen Investments im Rahmen einer Global-­Macro-Strategie. Aber auch Anleihen können eine Alternative sein, mit zwar niedrigeren erwarteten Renditen, aber größerer Streuung. Zudem bieten Anleihen eine Absicherungsfunktion, die dann greift, falls wir auf eine globale Rezession zusteuern. ­Zunächst möchten wir an Folgendes erinnern: Niemand hat die starke Wertentwicklung von Staatsanleihen oder festverzins­lichen Wertpapieren aus Industrieländern insgesamt in diesem Jahr erwartet, genauso wenig im vergangenen Jahr oder im Jahr davor. Vielleicht werden wir im Jahr 2020 erneut eine Überraschung erleben?

Es gibt genug Gründe, die auf Risiken für den Aktienmarkt hindeuten. Beispiele sind der Handelskrieg zwischen China und den USA, eine schwache Weltwirtschaft oder das Ausbleiben einer Inflation in Europa. Hochzinsanleihen dagegen haben immer eine gute Wertentwicklung in einem sogenannten "1 + 1-Szenario" gezeigt, womit ein Prozent Wirtschaftswachstum und ein Prozent Inflation gemeint ist. Entscheidet man sich grundsätzlich für eine - aus unserer Sicht sehr sinnvolle - Allokation in Anleihen, gibt es viele Wege, um einen Mehrwert im Vergleich zu einer Rentenbenchmark zu erreichen. In Zeiten niedriger oder sogar negativer Verzinsung vieler Anleihen muss zwingend ein besonderer Fokus auf aktivem Asset Management liegen.

Eine Möglichkeit sind dabei direktionale Marktstrategien. Das Portfoliomanagement kann zum Beispiel entlang der Zinskurve höhere Renditen anstreben. Auch ist es möglich, auf negative Renditen eine Short-Position einzugehen. Eine weitere Option sind marktneutrale Strategien. Dazu zählen Übergewichtungen von Griechenland gegenüber Italien  - als Beispiel für eine Allokation bei Staatsanleihen, in der wir einen Mehrwert sehen. Andere Beispiele sind eine Übergewichtung bei Unternehmensanleihen von Banken im Vergleich zu zyklischen Werten und innerhalb der Eurozone zugunsten von Unternehmensanleihen im Vergleich zu verbrieften Produkten.

Die dritte Möglichkeit betrifft den idealen Investitionszeitpunkt, um Alpha zu generieren. Dazu zählt etwa eine Short-Position auf britische Staatsanleihen vor den Parlamentswahlen, da wir nach der Wahl einen stärkeren Fokus auf die Fiskalpolitik erwarten. Ebenso kann Alpha durch Positionen auf das britische Pfund erreicht werden, wenn sich Verzerrungen durch den Brexit-Prozess auflösen. Ein häufig genannter Einwand gegen eine Allokation in Anleihen ist, dass es 2020 zu Marktverzerrungen infolge von Zins­änderungen kommt. Wir erwarten allerdings, dass die US-Notenbank Fed im nächsten Jahr erst einmal abwarten wird, während der Kapitalmarkt weitere Zinssenkungen einpreist. Das könnte letztlich zu etwas höheren Renditen in den USA führen. Bei der EZB erwarten wir ebenfalls eine abwartende Haltung, daher sollten sich die Eurozinsen kaum verändern.

Selbstverständlich gibt es auch 2020 Risiken im Fixed Income-­Segment, die man im Blick behalten sollte. Ein Risiko sind Anleihen von Unternehmen, die nicht ausgefallen sind, aber nur noch durch Aktivitäten von Regierungen oder Zentralbanken am Leben gehalten werden. Sie werden despektierlich ­"Zombies" genannt. Eine Anlage in diese Papiere kann allerdings auch attraktiv sein, wenn man die Anreizstrukturen der Regierungen und die politischen Rahmenbedingungen insgesamt versteht.

Wo sehen wir 2020 das beste Risiko-Rendite-Profil? Um es auf den Punkt zu bringen: Wir erwarten, dass sich Unternehmensanleihen im Jahr 2020 besser entwickeln werden als eine Staatsanleihen-Benchmark. Darüber hinaus meinen wir, dass innerhalb der Unternehmensanleihen ein Fokus zugunsten des Bankensektors im Vergleich zum produzierenden Gewerbe mittelfristig einen ebenso großen Performance-Aufschlag bietet.

Zur Person:


Kaspar Hense
Hense kam 2014 zu BlueBay und ist Senior Portfoliomanager im Investment-Grade-Team. Er besitzt einen Abschluss in Volkswirtschaft an der Christian-Albrechts-Universität Kiel und einen Abschluss in Financial Management aus einem ­Programm der Universitäten von Kiel und San Diego. Blue- Bay Asset Management ist einer der größten europäischen ­Manager von Anleihen und alternativen Anlagestrategien.


Bildquelle: BlueBay

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