Die Entscheidung war jedoch umstritten: Drei Währungshüter stimmten dagegen. Zuletzt hatte die Fed Ende Juli den Leitzins heruntergesetzt - erstmals seit der Finanzkrise 2008/09. Sieben von 17 Währungshütern signalisierten nun zugleich, dass sie dieses Jahr noch ein Mal nachlegen wollen. Laut US-Notenbankchef Jerome Powell ist die Fed keinesfalls auf einen Kurs festgelegt: "Wir werden nun von Sitzung zu Sitzung entscheiden." Händler sehen gute Chancen, dass im Dezember ein weiterer Schritt nach unten folgen wird.

US-Präsident Donald Trump reagierte prompt auf den Zinsentscheid. Auf Twitter schrieb er, Powell und die Fed hätten erneut versagt: "Kein Mut, kein Sinn, keine Vision. Ein schrecklicher Kommunikator." Trump, der Ende 2020 seine Wiederwahl anstrebt, verlangt, den geldpolitischen Schlüsselsatz auf "null oder weniger" zu senken. "Ironischerweise wird die vom US-Präsidenten viel geschmähte Fed mit ihren Bemühungen zur Belebung der US-Wirtschaft im kommenden Jahr nun zu seinem wichtigsten Wahlkampfhelfer", meint Ökonom Friedrich Heinemann vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung(ZEW).

"TRUMP TREIBT EIGENE NOTENBANK VOR SICH HER"


Powell sagte vor der Presse auf die Kritik Trumps angesprochen, dass er sich generell nicht zu Kommentaren von "gewählten Amtsträgern" äußere. Die Notenbank lasse sich in ihrer Geldpolitik nicht von politischen Erwägungen leiten und richte ihre Linie weiter an "Fakten" aus.

"Trump treibt die eigene Notenbank vor sich her", meint Chefvolkswirt Otmar Lang von der Targobank. Ob es sich beim jüngsten Zinsschritt nur um eine weitere Vorsichtsmaßnahme handele oder ob die Fed tatsächlich einen längerfristigen Zinssenkungstrend verfolge, bleibe unklar. Die Notenbanker seien sich in dieser Frage offenbar nicht einig. Powell hatte die Märkte auf die jüngste Senkung vorbereitet, die in Zeiten erhöhter Nervosität an den Finanzmärkten vollzogen wurde. Die US-Aktien bauten in der Folge des Fed-Zinsentscheids ihre Verluste aus, erholten sich jedoch im weiteren Verlauf.

Neue Spannungen im Verhältnis der USA mit Iran und der schwelende Handelskrieg mit China lasten derzeit ebenso auf der Stimmung an den Börsen wie Rezessionssignale vom Kapitalmarkt. Powell sagte, die Fed sehe derzeit keine Rezession auf die USA zukommen, denn der Konjunkturausblick sei grundsätzlich positiv. Doch gelte es, auf den nächsten Sitzungen jeweils von Fall zu Fall abzuschätzen, wie sich das "Gefahrenbild" entwickele. Insbesondere müsse die Fed das abflauende Weltwirtschaftswachstum und "das Auf und Ab" des Handelskonflikts weiter im Auge behalten.

Die von Trumps Zollpolitik ausgelösten Unsicherheiten im Handel werden laut einer Fed-Studie die Welt 850 Milliarden Dollar an Wirtschaftskraft kosten - allein 200 Milliarden davon die USA. Das Wachstum hat sich im Frühjahr bereits spürbar verlangsamt. Powell sagte, die Fed müsse bei ihrer Entscheidungsfindung in den kommenden Monaten auch weiter die Konjunkturdaten aus den USA und die Finanzmarktbedingungen berücksichtigen.

Zuletzt musste die US-Notenbank erstmals seit der Finanzkrise am Geldmarkt intervenieren, um Liquiditätsengpässe zu lindern. Powell erklärte, die vorübergehenden Eingriffe seien wirkungsvoll gewesen. Falls es erneut zu Engpässen kommen sollte, werde die Fed nicht zögern, ihre Werkzeuge einzusetzen. Es könne auch gut sein, dass ein Anwachsen der Fed-Bilanz früher als bislang gedacht wieder ein Thema werde. Die Währungshüter hatten erst Ende Juli entschieden, den Abbau ihrer in den Jahren nach der Finanzkrise kräftig angewachsenen Wertpapierbestände in der Bilanz im August vorzeitig abzubrechen. Ursprünglich war das Ende der Schrumpfkur erst Ende September vorgesehen. Kritiker hatten aber moniert, dass die Fortdauer dieser geldpolitischen Straffungsaktion einer Zinssenkung zuwiderlaufen würde. Zwischenzeitlich war das Portfolio der Notenbank auf rund 4,5 Billionen Dollar angewachsen. Mittlerweile wurde es auf rund 3,8 Billionen Dollar eingedampft.

rtr