Am ersten Tag im neuen Börsenjahr geraten US-Staatsanleihen unter Druck. Die Rendite 30-jähriger Treasuries stieg am Morgen auf den höchsten Stand seit September. Unerwartet gute Konjunkturdaten aus der US-Wirtschaft dämpfen die Hoffnung auf rasch fallende Zinsen und schüren Ängste vor einer wieder steigenden Inflation.

Zum ersten Handelstag des neuen Jahres sendet der US-Rentenmarkt ein Signal, das viele Anleger womöglich nicht auf der Rechnung haben: Die Renditen steigen – statt zu fallen. Das gilt vor allem für das lange Ende der Zinskurve. Die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen kletterte zeitweise um vier Basispunkte auf 4,88 Prozent und erreichte damit den höchsten Stand seit Anfang September. Auch die zehnjährigen Treasuries gerieten unter Druck. Ihre Rendite stieg auf 4,19 Prozent.

Überraschend stabile US-Wirtschaft

Auslöser der Bewegung sind vor allem unerwartet gute Konjunkturdaten aus den USA. Neue Zahlenzeigen, dass die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in der vergangenen Woche auf einen der niedrigsten Werte des Jahres gefallen sind. Schon der Weihnachtswoche hatte das US-Handelsministerium die Märkte mit einem unerwartet hohen Wirtschaftswachstum von 4,3 Prozent überrascht. Volkswarte hatten "nur" mit 3,3 Prozent gerechnet. Das nährt die Zuversicht, dass die US-Wirtschaft widerstandsfähiger ist als zuletzt befürchtet – und dämpft zugleich die Nachfrage nach als sicher geltenden Staatsanleihen.

„Der allmähliche Anstieg der langfristigen Renditen spiegelt einen wachsenden Optimismus für die US-Wirtschaft wider, der sich auch an den Aktienmärkten zeigt“, erklärt Eugene Leow, Zinsstratege bei der DBS Bank, gegenüber Bloomberg. Für Anleger heißt das: Das Szenario rasch und deutlich sinkender Zinsen wird erstmal wieder infrage gestellt.

US Treasury 30 Year Bond ETF (WKN: A40150)

Ansteckungseffekte auf Staatsanleihen anderer Industriestaaten

Der Renditeanstieg beschränkt sich am 2. Januar nicht auf die USA. Auch australische Staatsanleihen verzeichneten Verluste, die Renditen drei- und zehnjähriger Papiere zogen dort um rund neun Basispunkte an. Hintergrund sind Spekulationen, dass steigende Rohstoffpreise die Wachstumsdynamik des Landes stützen könnten. Parallel wertete der australische Dollar gegenüber dem US-Dollar um bis zu 0,5 Prozent auf und gehörte damit zu den stärksten Währungen im Kreis der G10.

Investoren erwarten nun mit Spannung die US-Arbeitsmarktdaten für Dezember. Sollten die ebenfalls positiv ausfallen, würde das Aktien neuen Rückenwind verleihen und auch die Preise bei Metallen und Edelmetallen zusätzlich antreiben. 

Auch in Europa setzt sich der Trend fort: Langlaufende deutsche und französische Staatsanleihen gaben zum Handelsauftakt ebenfalls nach, ihre Renditen zogen entsprechend an.

Was das für Anleger bedeutet

Die aktuelle Entwicklung am Markt für Staatsanleihen zeigt, dass der Markt weiterhin sehr sensibel auf Konjunktursignale reagiert - und die von vielen bereist eingepreisten Zinssenkungen kein Selbstläufer sind. Solange sich die Wirtschaft robust zeigt und der Arbeitsmarkt stabil bleibt, könnten gerade die Kurse langlaufender Anleihen erneut unter Druck stehen.

Für Aktienanleger sind die Aussichten gemischt: Einerseits spricht stabile Konjunktur für steigende Kurse, andererseits erhöhen steigende Renditen auf langfristige Anleihen den Druck auf die Bewertungen, insbesondere bei zinssensitiven Titeln. Der Start ins Jahr 2026 zeigt bislang vor allem eines: Ob die Zinsen wirklich fallen, ist völlig offen – und der Rentenmarkt sendet ein erstes, klares Gegenargument.

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