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Britisches Pfund: Bündel an Problemen - Brexit-Wirrwarr im Fokus

Britisches Pfund: Bündel an Problemen - Brexit-Wirrwarr im Fokus
04.10.2020 10:30:48

Das erneute Aufflammen des Brexit-Konflikts hat die Währung unter Druck gesetzt. Für Optimismus ist wenig Platz. Von Christoph Platt, Euro am Sonntag

Verunsicherung - kein Wort beschreibt die Lage Großbritanniens zurzeit treffender. Verunsichert sind die Einwohner, die wenig Verständnis haben für den Zickzackkurs ihrer Regierung in Sachen Pandemiebekämpfung. Noch im August ermunterte Premierminister Boris Johnson die Menschen auszugehen, um die lokalen Geschäfte zu unterstützen, und wieder in ihre Büros zurückzukehren. Nun gibt es erneut strenge Sperrstunden und die Bitte, zu Hause zu arbeiten. Verunsichert sind die EU-Staaten, weil Großbritannien vor knapp drei Wochen laut darüber nachdachte, Teile des bereits geschlossenen Austrittsvertrags zu brechen. Irritation auch aufseiten der Währungshüter: Die Bank of England hob in ihrer Stellungnahme vor einer Woche hervor, der wirtschaftliche Ausblick für das Land bleibe "ungewöhnlich unsicher".

In diesem Umfeld ist das Britische Pfund deutlich unter Druck geraten. Mitte Februar wurde für ein Pfund noch 1,20 Euro gezahlt, mittlerweile liegt der Wechselkurs bei weniger als 1,10 Euro. Nachdem sich die Währung vom Absturz während des Börsencrashs im Frühjahr wieder etwas erholt hatte, gab sie vor allem in den vergangenen drei Wochen nach. Schuld sind die Ankündigungen der britischen Regierung, den Austrittsvertrag einseitig verändern zu wollen - ein Bruch internationalen Rechts. Dadurch rückt das Ziel, bis zum 31. Dezember detaillierte Vereinbarungen zum EU-Austritt Großbritanniens getroffen zu haben, in weite Ferne - und das Risiko eines ungeordneten Brexits ohne Abkommen steigt.

Dämpfer durch Notenbank

An der jüngsten Pfund-Schwäche hat auch die Bank of England ihren Anteil. Vor gut einer Woche hatte sie bekannt gegeben, über die Einführung negativer Zinsen nachzudenken. Kommt es zu einem solchen Schritt, würde die Währung weiter nachgeben.

Das Gros der Experten rechnet deshalb mittelfristig mit einem fallenden Pfund-Kurs - eine Entwicklung, die im Falle eines harten Brexits zum Jahresende relativ wahrscheinlich ist. Anleger sollten aber bedenken, dass ein Abkommen zwischen der EU und Großbritannien weiterhin möglich ist. Positive Signale in diese Richtung dürften zu einem Erstarken des Pfund führen.

Auf eine fortgesetzte Schwäche der britischen Währung können Anleger mit einem Wertpapier von WisdomTree setzen. Der WisdomTree Short GBP Long EUR (ISIN: JE 00B 3MV PQ2 9) gewinnt an Wert, wenn das Pfund gegenüber dem Euro nachgibt. Obwohl es nicht gehebelt ist, eignet es sich eher für risikobereite Anleger, weil der weitere Verlauf der Brexit-Verhandlungen ungewiss ist. Auch Anleger, die ihren Blick auf Großbritannien richten, müssen also mit Verunsicherung leben.

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