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USA vor geldpolitischer Zeitenwende - Nullzinsära ade

USA vor geldpolitischer Zeitenwende - Nullzinsära ade
15.12.2015 11:00:00

Nach langem Zögern wird die US-Notenbank Fed nächste Woche sehr wahrscheinlich das Ende der Nullzins-Ära einläuten. Fed-Chefin Janet Yellen hat die Märkte weltweit für Mittwoch auf die erste Anhebung seit fast zehn Jahren vorbereitet.

Nach langem Zögern wird die US-Notenbank Fed nächste Woche sehr wahrscheinlich das Ende der Nullzins-Ära einläuten. Seit dem Höhepunkt der Finanzkrise Ende 2008 vergeben die Währungshüter den Finanzinstituten Zentralbankgeld praktisch zum Nulltarif, um damit Kreditvergabe und Konjunktur anzukurbeln. Damit ist es nun wohl bald vorbei, da in den USA nahezu Vollbeschäftigung herrscht. Fed-Chefin Janet Yellen hat die Märkte weltweit für Mittwoch auf die erste Anhebung seit fast zehn Jahren vorbereitet. Dann werden auch in China und anderen Schwellenländern geldpolitisch neue Zeiten anbrechen, prophezeit Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer: "Mit der Zinserhöhung endet eine Dekade des billigen Geldes, auch in vielen aufstrebenden Volkswirtschaften."

Die meisten Experten gehen davon aus, dass das sogenannte Zielband für den Leitzins von derzeit null bis 0,25 Prozent am Mittwoch auf 0,25 Prozent bis 0,50 Prozent angehoben wird. Die Fed geht damit in eine andere Richtung als die Europäische Zentralbank (EZB), die erst jüngst ihre Nullzinspolitik de facto auf Jahre hinaus zementierte. Sie will der Konjunktur in der Euro-Zone mit einer großen Geldschwemme weiter auf die Sprünge helfen. Doch in den USA läuft die Wirtschaft rund. Bereits im September wartete die Welt daher gespannt auf die Wende in Washington, doch der Countdown wurde wegen der Börsenturbulenzen in China abgebrochen. Nach dem Abebben der Schockwellen aus dem Reich der Mitte rechnet die Fachwelt nun fest damit, dass die Fed sie im zweiten Anlauf wagen wird.

Die spannendere Frage ist, wie die Notenbank nach dem ersten Schritt vorgeht. Hinweise darauf dürfte Yellen nach dem Entscheid geben. Sie sprach bislang eher vage von einem "graduellen" Zinsanstieg. Viele Experten befürchten, dass die Wirtschaft zwischen New York und San Francisco nach sieben Jahren Nullzinsen mit einer Straffung und einem stärkeren Dollar nicht zurechtkommen wird und erwarten deshalb ein eher langsames Vorgehen der Fed. "Diese Befürchtungen gab es allerdings vor jeder Straffung der Geldpolitik, und auch dieses Mal dürften sie sich als unbegründet erweisen", sagt Krämer.

Sein Kollege Jürgen Michels von der BayernLB erwartet, dass die Währungshüter sich sehr viel Zeit für den zweiten Zinsschritt nehmen wird - bis September 2016. Denn die Wirtschaft erhole sich nur moderat und die Inflation sei niedriger als von der Fed gewünscht. Rückschluss über den weiteren geldpolitischen Kurs dürften auch die individuellen Prognosen der Währungshüter geben. Im September hatten sie im Mittel für Ende 2016 einen Zinssatz von 1,37 Prozent veranschlagt.

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Bildquelle: Jim Bourg/Reuters

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