KRYPTOWÄHRUNGEN

Warum Bitcoin & Co. zusammenbrechen

Warum Bitcoin & Co. zusammenbrechen
04.10.2019 02:40:00

Kurzfristig übertriebene Erwartungen führten beim Bitcoin zu einem Bruch prägnanter charttechnischer Marken. Von Gerd Weger

Vergangene Woche wiesen wir noch darauf hin, dass es beim Bitcoin kurzfristig zu einer charttechnischen Entscheidung kommen wird. Leider ist diese sehr negativ ausgefallen. Denn in der stark verengten Dreiecksformation brach der Kurs durch den unteren Widerstand bei 9400 US-Dollar. Der für diesen Fall erwartete Rückschlag auf die 200-Tage-Linie kam dann schneller als erwartet. Innerhalb einer Stunde fiel der Bitcoin-­Preis um rund 15 Prozent. Die Widerstandsmarke bei 8400 Dollar hielt allerdings auch nur zwei Tage, danach sackte der Preis sogar noch unter 8000 Dollar ab.

Warum es zum Crash kam


Grund dürften in erster Linie überzogene Erwartungen im Zusammenhang mit dem Start von Bakkt am vergangenen Montag gewesen sein. Bakkt ist die neue Handelsplattform für Bitcoin-Futures. Diese haben die Besonderheit, dass es bei Fälligkeit zu einer physischen Belieferung und nicht zu einem Cash Settlement (Barausgleich) kommt. Davon erhofften sich viele Marktteilnehmer positive Nachfrageimpulse für den Bitcoin. Das sehr bescheidene Handelsvolumen zum Start enttäuschte dann aber doch. Andererseits war eigentlich klar, dass der Erfolg dieser Plattform, die auf institutionelle Anleger abzielt, erst in einigen Monaten absehbar ist. 71 Bitcoin wurden am ersten Tag an der Bakkt gehandelt. Zum Vergleich: Bei Einführung der Bitcoin-Futures an der CME im Dezember 2017 wurden am ersten Tag 5298 Bitcoin gehandelt.

Dabei muss man natürlich berücksichtigen, dass der Start damals in eine absolute Hypephase fiel. Jedenfalls dürfte nun ein Phänomen eingetreten sein, das man auch von anderen Märkten kennt: Buy the rumors, sell the facts. Im Zusammenspiel mit der prägnanten charttechnischen Konstellation wurde kurzfristig eine Verkaufswelle ausgelöst mit dem höchsten Umsatzvolumen seit Mitte Juli. An den Kryptomärkten kam es in der Vergangenheit sowohl im positiven wie im negativen Sinn zu starken kurzfristigen Übertreibungen. Auch die parabelförmig verlaufende Bitcoin-Hausse seit dem Frühjahr kann man so sehen, immerhin ist der Bitcoin-Preis dabei von unter 4000 auf über 13 000 Dollar explodiert. Vom riesigen Hype in der zweiten Jahreshälfte 2017 ganz zu schweigen. Damals kletterte der Kurs der Kryptowährung zum Jahresende auf knapp 20 000 Dollar.

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Steueroptimierung nicht vergessen


Doch wie geht es nun weiter? Aktuell haben sicherlich pessimistische Prognosen wieder Konjunktur. So werden Rückgänge auf 7000 oder sogar 4000 Dollar prognostiziert. Diese dramatischen Sprünge unterscheiden sich jedoch nicht von den Marken, die bei Aufwärtsbewegungen propagiert werden. Dann jagt ein höheres Kursziel das nächste. Kurzfristige Bitcoin-Prognosen sind sehr unsicher und eher für Daytrader interessant. Der normale Anleger sollte sich auf die langfristigen Perspektiven konzentrieren und sich nicht durch die heftigen und erratischen kurzfristigen Kurskapriolen verunsichern lassen. Auch wenn es wie ein Mantra klingt: Die Zeit ist mit den Investoren. Langfristig wird der Bitcoin steigen.

Je nach Einstiegszeitpunkt und -preis sollten deshalb auch verstärkt Überlegungen zur Steueroptimierung einbezogen werden. Nach einem Jahr sind Gewinne steuerfrei, Verluste dann aber auch nicht mehr verrechenbar. Wer also Positionen deutlich tiefer gekauft hat, sollte nicht verkaufen. Wenn man trotzdem negativ eingestellt ist, könnte man der jeweiligen Position ja kurzfristig auch Short-CFDs oder Short-Zertifikate auf Bitcoin gegenüberstellen. Wer allerdings deutlich höher gekauft hat, für den macht eventuell folgende Strategie Sinn: Positionen verkaufen und möglichst sofort wieder zurückkaufen.

Das kann man auch sukzessive machen, um nicht Gefahr zu laufen, dass der Markt genau in diesem Augenblick dreht. Denn es gilt ja: first in, first out. Oder man kauft die Position, wenn man Konten bei mehreren Kryptobörsen hat, sofort an einer anderen Kryptobörse zurück. Dann hat man einen Steuerverlust realisiert und kann diesen mit entsprechenden Gewinnen gegenrechnen. Für die zurückgekaufte Position auf dem tieferen Niveau kann man dann erneut versuchen, diese mit einer Haltedauer von über einem Jahr steuerfrei zu realisieren.



Realdepot: Verlustrealisierung aus Steuergründen

Der Crash am Kryptomarkt hat auch das Realdepot stark in Mitleidenschaft ge­zogen. Die bislang aufgelaufenen Kurs­gewinne beim Bitcoin wurden in der vergangenen Woche komplett aufgezehrt. Allerdings setzen wir mit dem Depot auf langfristige Kursgewinne am Kryptomarkt, es ist deswegen anders als ein Tradingdepot zu sehen. Die im Hauptartikel besprochenen steuerlichen Überlegungen sollten nun sukzessive umgesetzt werden. Deswegen verkaufen wir als erste Position Litecoin. Diese wurde am 11. Juni bei 115,18 Euro gekauft und nun bei 50,17 Euro verkauft. Dadurch realisieren wir zwar Kursverluste. Dies macht jedoch Sinn, um später entsprechende Gewinne steuerfrei verrechnen zu können. In den nächsten Tagen wird dann die Position wieder zurückgekauft. Bei den zwei anderen Altcoins ist ein ähnliches Vorgehen geplant.


Bildquelle: iStockphoto, BÖRSE ONLINE

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