Nichts auf der Welt ist so mächtig wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist", lautet ein bekanntes Sprichwort, dem viele Anleger wohl intuitiv folgen können. Denn an der Börse entstehen immer wieder neue Trends, die die Kurse bewegen. Zu den stärksten Trends des Jahres 2021 gehören nachhaltige Fonds und ETFs, die bei Anlegern immer populärer werden. Das zeigt sich besonders bei günstigen ETFs, die einem Index folgen. So steckten Anleger in Europa in den ersten neun Monaten dieses Jahres rund 44 Milliarden Euro in nachhaltige Aktien-ETFs und damit rund doppelt so viel wie in "normale" ETFs.

Noch stärker ist dieser Trend bei den neu aufgelegten Fonds und ETFs. Dort lancieren die Anbieter laufend neue ESG- oder SRI-Produkte, die eine nachhaltige Anlagestrategie verfolgen. Der jüngste Trend sind hier Produkte, die die CO2- Emissionen der ausgewählten Firmen im Vergleich zu einem "normalen" Fonds oder ETF reduzieren möchten. Dies erkennen Anleger an Begriffen wie "Climate Change" oder "Paris Aligned Benchmark" im Produktnamen.

Für Anleger ist die neue Vielfalt bei den nachhaltigen Produkten im Prinzip erfreulich. Doch allmählich wird die Lage unübersichtlich. Welcher Anleger vermag schon rasch zu erkennen, wie sich die vielen neuen nachhaltigen Investments unterscheiden? In den Infoblättern für die jeweiligen Produkte können Anleger zwar nachlesen, dass Aktien aus bestimmten Bereichen wie Atomkraft, Kraftwerkskohle oder Tabak aussortiert werden sollen oder dass der Wert für den Bereich Umwelt, Soziales und Governance (ESG) maximiert werden soll. So steht es etwa beim neuen iShares DAX ESG ETF, einem nachhaltigen Pendant zu den klassischen DAX-ETFs.

Doch was heißt das konkret? Welche Werte verbleiben im Portfolio? Welche fallen heraus? Das bestehende Portfolio können Anleger bei den meisten ETF-Anbietern fast immer komplett einsehen, bei den Anbietern von Fonds allerdings nur begrenzt auf die zehn größten Einzelwerte. Welche Aktien durch die nachhaltigen Filter aus dem Portfolio fliegen, können Anlegern allerdings nirgends nachlesen.

Daher hat die €uro-Redaktion nachgeschaut, welche Titel zum klassischen DAX-ETF von iShares gehören und diese mit den Firmen in der ESG-Variante abgeglichen (siehe Unten). Denn anhand solcher Aktienprüfsteine können Anleger ein gutes Gespür dafür entwickeln, wie nachhaltig die Produkte tatsächlich anlegen. So fallen die beiden deutschen Energiekonzerne Eon und RWE bei der ESG-Variante des DAX-ETF zum Beispiel aus dem Portfolio heraus, da sie noch Umsätze mit Kernkraft und Kohle erzielen. Der Deka MSCI Germany Climate Change ESG, ein anderer ETF für deutsche Aktien, verzichtet zudem auf die Autowerte Daimler und VW, hält BMW aber weiter für hinreichend nachhaltig.

Genauso sind wir bei den ETFs MSCI Core World und MSCI Emerging Markets von iShares vorgegangen und haben sie jeweils mit zwei neuen nachhaltigen ETFs für ihre Region verglichen. Die nötigen Daten zu neu aufgelegten Fonds haben die Anbieter auf Anfrage nicht herausgerückt.

Umstrittene Aktien von Nestlé. Bei nachhaltig orientierten Investoren ist der Schweizer Nahrungsmittelkonzern Nestlé besonders umstritten, sodass die ESG-Leaders- und SRI-Varianten zum iShares Core MSCI World ETF etwa darauf verzichten. Anders ist dies beim Deka MSCI World Climate Change ESG ETF und beim Vanguard ESG Global All Cap ETF, zwei neuen nachhaltigen ETFs, die weltweit anlegen. Sie halten Nestlé im Portfolio, verzichten aber auf die beiden US-amerikanischen Ölkonzerne Chevron und ExxonMobil.

Doch so verlockend ein Blick auf die persönlichen Aktienprüfsteine auch sein mag. Ob ein kontrovers diskutierter Titel wie Nestlé zum Portfolio gehört, ist für den gesamten Erfolg eines Fonds oder ETFs unerheblich. Aber wissen würde es mancher schon gern.

 


ETF-VERGLEICH

Normale versus nachhaltige Aktien-ETFs

Normal versus nachhaltig. Die drei iShares-ETFs auf den DAX, den MSCI World und den MSCI Emerging Markets Index sind bei Anlegern populär. Mittlerweile können Anleger dazu etliche neu aufgelegte nachhaltige Schwester-ETFs kaufen. €uro stellt daher zu jedem "normalen" iShares-ETF zwei neue nachhaltige ETFs vor und vergleicht dabei einige ausgewählte Einzelwerte.

Ein Lesebeispiel: Bei den ETFs für deutschen Aktien investieren alle drei vorgestellten ETFs mit je rund zehn Prozent in die Aktien des Softwareherstellers SAP. Bei den Aktien des Chemiekonzerns BASF sind die Unterschiede jedoch größer. So liegt der BASF-Anteil beim klassischen iShares Core DAX ETF bei 4,07 Prozent und beim nachhaltigeren iShares DAX ESG ETF bei 1,89 Prozent, während der Deka MSCI Germany Climate Change ESG ETF völlig darauf verzichtet. Vergleichbar streng sortiert auch der Deka MSCI World Climate Change ESG ETF Aktien aus - ebenso wie der UBS MSCI Emerging Markets Climate Paris Aligned ETF, der sich an den Zielen des Pariser Klimaschutzabkommens orientiert.