Warum Baillie Giffords Flaggschiff auch eine bessere und günstigere Alternative zu Cathie Woods Ark Innovation ist.
Der Reiz und die Neugier, darüber nachzudenken, wie durch technologische Entwicklungen neue Märkte entstehen, in denen sich sehr gut verdienen lässt, ist groß. Dazu gehört auch das Abenteuer, Überraschungen zu erleben — etwa durch spektakuläre Wendungen oder wenn sich Entwicklungen schneller vollziehen als erwartet.
Natürlich gehören auch Enttäuschungen und Verluste dazu, die es zu überwinden gilt, um weiterzumachen. All dies dürfte ein wesentlicher Antrieb für August Baillie (47), Anwalt, und T. J. Carlyle Gifford, 20 Jahre jünger und ebenfalls Anwalt, gewesen sein, als sie sich 1909 entschieden, in Kautschukbaum-Plantagen und die Reifenindustrie zu investieren. Dafür gründeten sie in Edinburgh ihren Investment Trust Scottish Mortgage, den damals schon börsennotierten geschlossenen Fonds, in dem Investments mit Erträgen aus der Wertentwicklung der Beteiligungen und mit Krediten finanziert werden. Der weitgehende Verzicht auf externes Kapital garantierte Unabhängigkeit.
Eine Erfolgsgeschichte
In Amerika hatte die Ford Motor Company 1903 mit den Model A ihr erstes Auto vorgestellt und schrieb ziemlich bald die ersten Gewinne. Fünf Jahre später fuhr der legendäre Ford T auf den Straßen, der vielen das Autofahren ermöglichen sollte.
Bis 1927 hatte Ford mehr als 15 Millionen Model T verkauft. Die schnelle Verbreitung der Elektrizität in Firmen und Haushalten, Radios zum Beispiel, beschleunigte das Wirtschaftswachstum in den USA, mehr Menschen leisteten sich Autos. Daraus ergaben sich viele Investmentchancen für Scottish Mortgage, die Wertentwicklung des Trust übertraf die Börsenindizes in London deutlich. Wegen hoher Reserven überstand Scottish Mortgage die Dekade des Wall-Street-Crashs 1929 bis 1938 relativ glimpflich. Was für den Trust bei Investments in Firmen am wichtigsten ist: die Fähigkeit, das Geschäftsmodell und die eigene Technologie neuen Entwicklungen anzupassen, um auch in zusätzlichen Märkten und unter neuen Marktverhältnissen relevant zu bleiben.
Das befolgt Baillie Gifford auch bei Scottish Mortgage: die starke Abwertung des britischen Pfund gegenüber dem Dollar Anfang der 1950er-Jahre vereinfachte Investments an der Wall Street. Mit neuem Schwung durch gesetzliche Liberalisierungen ab 1980 wurde der Trust global: mehr Firmen aus den USA, Kanada und Japan im Portfolio, genauso wie mehr Pensionsfonds und weitere Institutionelle aus den drei Ländern. Seit 2008 prägt das Tech-Zeitalter das globale Portfolio mit börsen- und nicht börsennotierten Firmen aus Europa, Nord- und Südamerika und Asien, einschließlich China. Wie reagiert Scottish Mortgage auf die Geopolitik und mehr Protektionismus statt Globalisierung? „Die Geschäftsmodelle der Firmen, in die wir investieren, sind von diesen Faktoren kaum betroffen. Wir lassen uns von diesem täglichen Lärm, der aktuell sehr laut ist, nicht ablenken. Das gehört zu unserem Job. Entscheidend ist, die strukturelle Wachstumsstory einer Firma früh und klar zu erkennen“, sagt Claire Shaw.
100 Firmen, große Transparenz
Die Fondsmanagerin aus dem Investmentteam des Trust ist weltweit unterwegs. Shaw führt regelmäßig Gespräche mit den Gründern und dem Management der Firmen im Portfolio, sie analysiert Branchen und Unternehmen und bereitet die Information mit ihrem Team in Berichten auf, die via Web verfügbar sind.
Nicht alle Investments lösen sich in Wohlgefallen auf: Sie können auch mal verpuffen, wie bei Northvolt. Sie können sich aber auch vervielfachen: um das Hundertfache bei Nvidia, bis zum Siebenfachen bei Meta Platforms. „Wir sind grundsätzlich Optimisten“, sagt Shaw.
Besser als Cathie Wood
Scottish Mortgage bietet mit einem großen Anteil des Portfolios, bis zu 30 Prozent, Zugang zu nicht börsennotierten Firmen. Ein Privileg, das sonst institutionellen Investoren wie Versicherungen, Pensionsfonds und Vermögensverwaltern vorbehalten ist. Der Trust wird seit Jahrzehnten, lange vor den ETFs, gehandelt und ist genauso liquide und günstig.
James Anderson, von 1983 bei Baillie Gifford und ab 1987 bis zu seinem Rückzug 2022 Partner, förderte frühe Investments in nicht börsennotierte Firmen und enge Kontakte zu Firmengründern weltweit. Der Ansatz, der weiter gilt, macht Scottish Mortgage erfolgreich, schützt aber nicht davor, manchmal kräftig unter die Räder zu kommen:
Wegen der Zinserhöhungen der Fed von 2021 bis 2023 drittelte sich der Börsenwert, Amerikas Zolloffensive belastete zu Jahresbeginn. Das Comeback liefert die Qualität des Portfolios. Mit 4,3 Prozent jährlichem Plus seit November 2021 ist der Trust, trotz des damals starken Einbruchs wegen der Zinsen, klar besser als Cathie Woods Ark Innovation ETF mit 0,3 Prozent. Seit 1909 hat Scottish Mortgage viel durchgemacht und sich in Krisen bewährt.
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