Mit einem ausgewogenen Portfolio für alle Marktphasen gerüstet", oder "unkompliziert Ihre finanzielle Zukunft gestalten", so heißt es im Werbesprech der Finanzindustrie. Was dabei angepriesen wird, sind ETF-Portfolios - Dachfonds, die in verschiedene Assetklassen, je nach Risikoneigung des Kunden, investieren: in Aktien, Anleihen, Rohstoffe, Immobilien, Gold. Manche nutzen sie schlicht aus Bequemlichkeit, manche als solide Basis ihres Depots oder auch als Baustein der Altersvorsorge. Eine Vermögensverwaltung für jedes Portemonnaie - auch so werden ETF-Portfolios beworben.

Das Management überlässt der Anleger Profis, und das zu meist geringen Gebühren. Gerade bei Sparplänen kann so über einen langen Zeitraum diversifiziert Vermögen aufgebaut werden. So jedenfalls die Theorie.

Nun hat erst Covid und dann Russlands Aggression gegen die Ukraine die Welt gehörig in Bewegung gebracht - auch die Welt der Börse. Die Nervosität der Anleger spiegelt sich in den heftigen Kursschwankungen seit dem Ausbruch des Krieges wider. Das Hin und Her betrifft auch jene, die ihr Geld in ein breit gestreutes ETF-Portfolio investiert haben und vermeintlich in allen Situationen ruhig schlafen können.

Ein Grund mehr, das Angebot an ETF-Dachfonds gründlich unter die Lupe zu nehmen. BÖRSE ONLINE hat dafür das Analyseinstitut SWI beauftragt, das seit 2002 auch Finanzdienstleistungen untersucht. Die Hamburger haben 26 vermögensverwaltende ETF-Dachfonds von zehn Anbietern untersucht, allesamt etablierte Namen: Arero, Blackrock, Commerzbank, DWS/Xtrackers, easyfolio, Global Portfolio One, ING, La Française AM, Lyxor und Vanguard. Die Portfolios wurden je nach Aktienanteil in vier Risikoklassen eingeteilt: Sicherheitsbewusst (etwa 30 Prozent Aktien), Konservativ (etwa 50 Prozent Aktien), Wachstumsorientiert (etwa 70 Prozent Aktien) und Risikobereit mit bis zu 100 Prozent Aktien.

Das Hauptaugenmerk der Studie liegt - natürlich - auf der Performance. Sie floss zu 40 Prozent ins Gesamtergebnis ein. Daneben hat das SWI die Kosten (25 Prozent), die Informationen auf der Website (20 Prozent) und weitere Kriterien (15 Prozent) wie das Morningstar-Rating und eine eventuelle Mindestanlage miteinbezogen. Bei den Kosten war die Total Expense Ratio (TER) ausschlaggebend, also die Gesamtkostenquote aus Ausgabeaufschlag und jährlicher Verwaltungsgebühr. Sie wird in Prozent der Anlagesumme angegeben. Die Performance wiederum musste für mindestens drei Jahre nachvollziehbar sein. Sie wurde für ein und drei Jahre zum Stichtag 8. April 2022 verglichen, also rund sechs Wochen nach Ausbruch des Ukraine-Kriegs. Die ETFs wurden dabei nur innerhalb ihres jeweiligen Risikoprofils verglichen, also nur Investments, die eine ähnliche strategische Ausrichtung aufweisen. Dabei ging nicht nur die Wertentwicklung, sondern auch die Volatilität in die Bewertung ein.

Grundsätzlich wurden alle Kriterien auf einer Skala von 0 bis 100 Punkten bewertet. Wurde zum Beispiel kein Wertzuwachs erzielt, gab es für das schlechteste Ergebnis null Punkte. Entsprechend erzielte der höchste Wertzuwachs 100 Punkte. Schließlich wurden die ETFs noch in eine Bewertungskategorie eingeordnet: Alle Produkte, die maximal zehn Prozent unter dem höchsten Wert erreichen, gehören zur Kategorie "Beste ETFs". Die Kategorie "Top ETFs" gilt für jene, die ein Ergebnis von bis zu 25 Prozent unter dem höchsten Wert aufweisen.

Wer wie viel bringt

Dass Anleger auf Sicht eines Jahres durchaus Einbußen hinnehmen müssen, ist nicht wirklich überraschend. Sogar der beste getestete ETF aus der Risikoklasse Sicherheitsbewusst, der easyfolio 30 (WKN: EAS Y30), liegt im Minus - wenn auch mit weniger als einem Prozent. Ähnlich gering ist allerdings auch das aktuelle Plus über drei Jahre: 3,8 Prozent. Die Kostenquote ist mit 0,99 Prozent TER relativ hoch. Beim Risikoprofil Konservativ, also mit maximal 50 Prozent Aktienanteil, steht der ING balanced (WKN: A12 GU4) ganz oben. Zum Stichtag 8. April liegt seine Performance bei plus minus null. Auf Dreijahressicht sind es immerhin derzeit noch gut elf Prozent. Gleich hinter dem ING-Produkt landete in der Gesamtwertung der Xtrackers Portfolio Income mit relativ niedrigen Kosten, sprich einer TER von 0,65 Prozent.

Das größte Angebotsspektrum bei den ETF-Dachfonds gibt es bei den Wachstumsorientierten. Das knappe Rennen um die Spitze konnte Der Weltfonds von Arero (WKN: DWS 0R4) für sich entscheiden. Dank der besten Performance von rund 28 Prozent über drei Jahre und Kosten von nur 0,5 Prozent TER setzte er sich vor dem Portfolio Strategy von Lyxor durch, obwohl dessen Kosten mit 0,44 Prozent TER noch einen Tick günstiger sind. Bei den Angeboten mit einem Aktienanteil von bis zu 100 Prozent platzierte sich der Portfolio Strategy Offensive von Lyxor (WKN: ETF 703) auf dem Siegerpodest. Er hat zwar die beste Performance und die niedrigsten Kosten dieser Klasse, bemerkenswert ist bei diesem Ergebnis jedoch, dass der Lyxor-ETF mit einem aktuellen Dreijahreszuwachs von rund 25 Prozent hinter dem etwas konservativer aufgestellten Arero-Weltfonds zurückbleibt.

Welches Portfolio passt zu mir?

"Privatanleger, die nach einem passenden ETF-Portfolio suchen, sollten sich zuerst über ihre Risikoneigung klar werden", rät SWI-Cheftester Johannes Higle. "Erst dann sollten sie sich für einen Anbieter entscheiden." Das Angebot sei je nach Profil sehr unterschiedlich ausgeprägt und ganz wichtig: Gutes muss nicht teuer sein, eher im Gegenteil, denn jede Nachkommastelle bei den Kosten zehrt an der Rendite. So konnten gerade auch günstige Gesellschaften überzeugen. "Außerdem werden die Preise wegen des wachsenden Wettbewerbs weiter sinken", erwartet Higle.

So ist mit Vanguard ein Schwergewicht der Branche in den deutschen Markt eingestiegen. Der US-Anbieter ist der zweitgrößte Vermögensverwalter der Welt nach Blackrock. Sein inzwischen verstobener Gründer John C. Bogle legte in den späten Siebzigern den ersten Indexfonds für Privatanleger überhaupt auf. Die Portfolio-ETFs der Amerikaner laufen unter den Namen "Life Strategy" und haben mit 0,25 Prozent die niedrigsten Kosten aller Wettbewerber. In die Studie sind sie jedoch nicht eingeflossen, da sie erst vor weniger als drei Jahren hierzulande auf den Markt gekommen sind. Nun muss bei den Vanguard-Produkten also nur noch die Performance stimmen.