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Empfiehlt es sich, derzeit in Immobilienfonds anzulegen?

Empfiehlt es sich, derzeit in Immobilienfonds anzulegen?
19.05.2020 19:00:49

Sie fragen, wir antworten! Die Redaktion von Euro am Sonntag beantwortet Leseranfragen zu Rechts-, Finanz- und Versicherungsthemen. Von Bernhard Bomke, Euro am Sonntag

Ich bin kein Typ für die Börse, möchte aber trotz der Corona-Krise jetzt Geld anlegen. Nun überlege ich, ob ich auf der einigermaßen sicheren Seite bin, wenn ich indirekt in Immobilien investiere. Ist es derzeit zu empfehlen, in einen Offenen Immobilienfonds anzulegen? Oder besser in einen Geschlossenen Fonds? Vielleicht kommen auch Crowdinvestments in Betracht. Worauf sollte ich mit Blick auf die Folgen von Corona bei all diesen Produkten besonders achten?

€uro am Sonntag: Vorab schon mal dieses: Ob sich solche indirekten Immobilienanlagen empfehlen, lässt sich nicht pauschal beantworten. Aber es gibt eine Reihe von Kriterien, die Sie bei Ihren Überlegungen im Blick haben sollten, um sich entscheiden zu können. Dazu gehört neben Aspekten wie der Anlagesumme und -dauer angesichts der Folgen der Corona-Pandemie auch die Frage, in welchen Immobilientyp Sie investieren. Denn je nach Nutzungsart sind Immobilien mehr oder weniger stark von den Folgen des Corona-bedingten Lockdown betroffen.

Experten wie Sonja Knorr, Analystin bei der Ratingagentur Scope, und Stefan Loipfinger vom Anlegerschutzportal investmentcheck.de gehen davon aus, dass Logistikimmobilien, Pflegeheime, Nahversorgungszentren (Lebensmittelmärkte, Drogeriemärkte) sowie viele Wohnimmobilien vergleichsweise gut durch die Corona-Krise kommen. "Logistikimmobilien könnten sogar profitieren", sagt Loipfinger - dem boomenden Onlinehandel sei Dank. Für Anleger heißt das: Bei Investitionen in diese Nutzungsarten müssen sie nicht befürchten, dass es wegen der Pandemie zu größeren Mietausfällen oder Wertverlusten kommt. Erhoffte Renditen wären hier also vergleichsweise sicher.

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Hingegen spricht viel dafür, dass vor allem Hotels, aber auch größere Einkaufszentren und womöglich auch manche Büroimmobilien im Zuge der Corona-Krise Probleme bereiten werden. Wenn Umsätze in Shoppingzentren oder Hotels ausbleiben oder wegen des Trends zu mehr Homeoffice die Nachfrage nach Büroflächen zurückgeht, könnten die Miet- und Pachteinnahmen wegbrechen und die Werte der Objekte sinken. Von Fonds oder Crowdinvestments, die nur oder stark auf solche Nutzungsarten zielen, ist demnach bis auf Weiteres eher abzuraten, sofern Sie eine halbwegs sichere Rendite erzielen möchten.

Das gilt insbesondere dann, wenn die Immobilien noch vor der Corona-Krise erworben wurden. "Das ist wie an der Börse: Da kauft auch keiner zum Höchstkurs, wenn er weiß, dass der Wert längst darunterliegt", sagt Loipfinger. Er empfiehlt generell am ehesten einen Geschlossenen Immobilienfonds, "der noch nicht investiert ist". Der Grund: Ein Fonds, der erst noch kaufen muss (ein sogenannter Blindpool), profitiert womöglich von sinkenden Immobilienpreisen. Im Umkehrschluss rät Loipfinger bei allen anderen Immobilienbeteiligungen zu erhöhter Vorsicht.

Anders Sonja Knorr. Die Analystin betont: "Anleger können auch jetzt gute Angebote finden." Damit meint sie ausdrücklich auch Offene Immobilienfonds, die häufig viele Milliarden Euro in eine Fülle von Immobilien investiert haben. "Der Vorteil dieser Fonds besteht darin, dass sie breit diversifiziert sind", sagt sie. Das heißt, wenn einige Immobilien nicht gut laufen, gibt es genug andere, die mögliche Verluste auffangen. Hingegen warnt sie generell vor Projektentwicklungen, in die vor allem Crowdinvestoren Geld stecken: "Die sind am schwierigsten." Deren Erlös hängt erfahrungsgemäß ganz wesentlich von der erzielbaren Miete ab. Liegt diese infolge der Krise deutlich unter Plan, geht die Rechnung nicht mehr auf und Anlegern drohen Verluste.

Noch ein paar grundsätzliche Hinweise, ehe Sie sich für eine indirekte Immobilienanlage entscheiden: Klären Sie zunächst, wie viel Geld sie anlegen wollen. Bei Crowdinvestments und Offenen Immobilienfonds können Sie im Regelfall schon mit weniger als 100 Euro einsteigen. Geschlossene Immobilienfonds, die seit der Regulierung im Jahr 2013 Alternative Investmentfonds (AIF) heißen, haben dagegen eine hohe Einstiegshürde von meist 10.000 Euro.

Überlegen Sie, wie lange Sie Ihr Geld anlegen wollen. Bei Offenen Immobilienfonds gilt eine Mindestanlagedauer von 24 Monaten. Obendrein beträgt die Kündigungsfrist für die Rückgabe von Anteilen ein volles Jahr. Scope prognostiziert für die Produkte einen jährlichen Wertzuwachs von 1,5 bis zwei Prozent. Crowdinvestments oder Schwarmfinanzierungen laufen im Durchschnitt etwa zweieinhalb Jahre. Wenn alles gut geht, erhalten Sie dann Ihr Geld und obendrauf die prognostizierte Rendite von meist vier, fünf oder sechs Prozent im Jahr zurück. Bei Geschlossenen Publikums-AIF wiederum ist Ihr Geld zumeist für mindestens zehn Jahre gebunden. Die Anbieter kalkulieren typischerweise mit jährlichen Ausschüttungen von 3,5 oder vier Prozent.


Bildquelle: iStock

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