ETF-Anleger stecken tiefer in der KI-Wette als sie ahnen. Wie das Klumpenrisiko wächst und welche Fonds gegensteuern können.
Der Börsengang von SpaceX hat eine Debatte neu entfacht: das Klumpenrisiko – und warum vor allem ETF-Anleger besonders anfällig dafür sind. Denn SpaceX wurde bei seinem Rekord-IPO mit 1,8 Billionen Dollar bewertet. Dabei schrieb der Konzern im vergangenen Jahr einen Verlust von 4,9 Milliarden Dollar – bei Umsätzen von 18,7 Milliarden Dollar. Noch im selben Monat soll SpaceX in den beliebten MSCI World ETF aufgenommen werden. Damit sind ETF-Anleger künftig automatisch in Elon Musks gigantische KI-Wette investiert – ob sie wollen oder nicht.
Klumpenrisiko bei ETFs: Wenige US-Firmen dominieren
Kritiker nutzen das Ereignis, um erneut auf ein strukturelles Problem hinzuweisen: den wachsenden Einfluss einer Handvoll US-Technologiekonzerne auf die globalen Finanzmärkte. Unternehmen wie Nvidia, Apple, Alphabet, Amazon, Microsoft und Meta dominieren derzeit die Börse – und verzeichnen im Zuge der KI-Euphorie einen weiteren Boom. Damit spielen immer weniger Firmen, die nahezu alle aus derselben Branche stammen, eine immer gewichtigere Rolle am US-Aktienmarkt, der seinerseits die internationalen Finanzmärkte maßgeblich beeinflusst.
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Zahlen verdeutlichen das Ausmaß: Der MSCI World kommt auf ein US-Gewicht von rund 73 Prozent und einen IT-Anteil von knapp 29 Prozent. Beides zusammen verstärkt den Einfluss weniger Mega-Caps auf das Gesamtportfolio erheblich.
Klumpenrisiko: Warum passive Anleger besonders betroffen sind
Viele der beliebtesten Welt-ETFs – darunter der MSCI World – investieren nach Marktkapitalisierung. Je höher also der Börsenwert eines Unternehmens, desto größer sein Gewicht im Index. In der Praxis bedeutet das, dass passive Anleger derzeit stark auf Tech-Giganten und den US-Markt konzentriert sind. Käme es in der Technologiebranche oder auf dem US-Markt zu einer spürbaren Korrektur, wären Millionen von Kleinanlegern empfindlich betroffen.
Diese ETF-Strategien helfen gegen das Klumpenrisiko
Wer sein Portfolio breiter aufstellen möchte, hat mehrere Möglichkeiten:
1. Equal-Weight-ETFs (Gleichgewichtete Indizes)
Anstatt die größten Unternehmen am stärksten zu gewichten, erhalten hier alle enthaltenen Aktien exakt dasselbe Gewicht. Dadurch sinkt der Anteil amerikanischer Mega-Caps deutlich – zugunsten kleinerer und mittlerer Unternehmen, die im klassischen MSCI World oft kaum ins Gewicht fallen.
2. Regionale Trennung: Ex-USA-Fonds
Wer den US-Markt gezielt aus dem Portfolio heraushalten oder separat dosieren möchte, greift zu sogenannten „Ex-USA"-ETFs. Diese decken die Industrieländer ab, konzentrieren sich aber auf Europa, Japan und den Rest der Welt.
3. All-Country-Indizes (ACWI) und All-World-ETFs
Diese Indizes beziehen zusätzlich Schwellenländer (Emerging Markets) ein. Der Anteil an US-Tech-Werten bleibt zwar hoch, wird aber durch die Aufnahme von Tausenden weiterer Unternehmen aus aller Welt deutlich verwässert. Gleichzeitig bieten sie Zugang zu Wachstumsmärkten wie China, Indien oder Brasilien. Dank dieser breiten Streuung ist der Index weniger anfällig für Schwankungen und fährt im Schnitt eine ähnliche Rendite ein wie der MSCI World.
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Häufige Fragen
Was ist das Klumpenrisiko bei ETFs und warum ist es gerade jetzt ein Problem?
Das Klumpenrisiko beschreibt die gefährliche Überkonzentration eines Portfolios auf wenige Unternehmen, Branchen oder Regionen. Bei marktkapitalisierungsgewichteten ETFs wie dem MSCI World führt der KI-Boom dazu, dass Tech-Giganten wie Nvidia, Apple oder Microsoft einen immer größeren Anteil ausmachen – und Millionen Anleger unbemerkt stark von einer einzigen Branche abhängig werden.
Wie kann ich als ETF-Anleger das Klumpenrisiko reduzieren?
Es gibt mehrere Strategien: Equal-Weight-ETFs verteilen das Kapital gleichmäßig auf alle enthaltenen Aktien. Ex-USA-ETFs schließen den dominanten US-Markt gezielt aus oder begrenzen ihn. All-World-ETFs (ACWI) streuen zusätzlich über Schwellenländer und bieten so eine breitere geografische Diversifikation.
Warum ist die Aufnahme von SpaceX in den MSCI World für passive Anleger relevant?
Mit der geplanten Aufnahme von SpaceX investieren MSCI-World-ETF-Anleger automatisch in Elon Musks KI- und Raumfahrtwette, ohne aktiv eine Entscheidung dazu zu treffen. Durch seine hohe Bewertung erhält SpaceX zudem von Anfang an eine hohe Gewichtung im Index.
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