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Warum der Fonds von Mr. DAX Dirk Müller im Crash glänzt - und welche Portfolios ebenfalls überzeugen

Warum der Fonds von Mr. DAX Dirk Müller im Crash glänzt - und welche Portfolios ebenfalls überzeugen
02.05.2020 07:30:00

Der Börseneinbruch im Zuge der Corona-Krise hat nicht allen Portfolios Verluste beschert. Welche Fonds mit welcher Strategie das Geld der Anleger schützen konnten. Von Andreas Hohenadl, Euro am Sonntag

Viele Jahre fingen Kameraleute und Fotografen, die aus dem Handelssaal der Frankfurter Börse berichteten, gerne das Gesicht von Dirk Müller ein. Denn der damalige Börsenhändler saß fotogen unter der DAX-Tafel und lieferte den passenden Gesichtsausdruck zur Kursentwicklung. "Mr. DAX", wie Müllers Spitzname bald lautete, wusste seine Popularität zu nutzen - als Talkshow-Gast, Buchautor und nicht zuletzt als Fondsmanager. Seine Ansichten, zuweilen nah an Verschwörungstheorien heranreichend, sind umstritten, seine Arbeit als Portfoliolenker wird oft kritisiert.

Aktuell jedoch erlebt der Crash-Prophet eine Sternstunde, und Anteile seines Fonds sind begehrt wie nie. "Wir bekommen derzeit täglich zwischen zehn und 20 Millionen neue Anlegergelder", verkündete Müller kürzlich in einem Interview auf wallstreet-online. Betrug das Fondsvolumen Ende Februar laut Factsheet noch 183 Millionen Euro, so sind es aktuell rund 408 Millionen.

Das rege Interesse an dem Portfolio ist nicht unbegründet. So schaffte es der Dirk Müller Premium Aktien als einer von wenigen Aktienfonds bisher unbeschadet, ja sogar mit einem leichten Gewinn, durch den Börsencrash. Seit Jahresanfang liegt der Fonds knapp ein Prozent im Plus, während die Vergleichsgruppe der global anlegenden Aktienfonds ein Minus von im Schnitt 18 bis 19 Prozent verzeichnet.

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Müller jedenfalls sieht sich in seinem Vorgehen bestätigt, wie er im erwähnten Interview ebenfalls verriet: "Dass ein solcher Fonds, der auf einen Crash ausgerichtet ist, nach völlig anderen Regeln gemanagt werden muss als ein klassischer ,Kaufe und halte, wird schon gutgehen‘-Fonds ist normal. Das konnten oder wollten viele Beobachter in den Monaten vor der Krise nicht verstehen."

In der Tat ist der Unterschied in der Wertentwicklung zwischen dem Müller- Portfolio, bei dem die Aktien standardmäßig über Derivate abgesichert werden, und einem durchschnittlichen globalen Aktienfonds seit Jahresanfang gewaltig. Doch wie sieht es über einen längeren Zeitraum aus? Seit Auflage vor knapp fünf Jahren erzielte der Dirk Müller Premium Aktien ein Plus von knapp drei Prozent (insgesamt, nicht pro Jahr). Das typische "Kaufe und halte, wird schon gutgehen"-Portfolio in Form eines ETFs auf den Weltaktienindex MSCI World erbrachte - trotz jüngstem Börsenabsturz - ein Plus von rund 15 Prozent in dieser Zeit.

Natürlich mussten Anleger dabei größere Wertschwankungen aushalten. Und ob die Talfahrt an den Märkten in diesem Jahr schon beendet ist, weiß natürlich auch niemand. Doch Stand heute ist zu sagen: Der Müller-Fonds brachte über die Zeitdauer seines Bestehens noch keine Performance-Vorteile gegenüber einem breit gestreuten, globalen Aktieninvestment. In ausgeprägten negativen Marktphasen wie etwa der zweiten Jahreshälfte 2018 oder in der aktuellen Krise ist das Anlegervermögen allerdings gut abgesichert.

Frühwarnsystem hat funktioniert


Nicht nur bei Dirk Müller, auch bei Hans-Wilhelm Brand, Gründer von HWB Capital Management, spielt die Absicherung eine zentrale Rolle im Anlagekonzept. Das macht sich in einer guten Handvoll Portfolios bemerkbar, die seit Jahresanfang weit vorn in ihren jeweiligen Kategorien notieren.

Im Plus stehen zum Beispiel der Dachfonds HWB International Portfolio oder der Mischfonds HWB Victoria Strategies Portfolio V. Die Absicherung dieser Fonds mittels Futures erfolgt stets dann, wenn ein firmeneigenes Frühwarnsystem Verkaufssignale gibt. Dieses System, das Brand in den vergangenen 20 Jahren entwickelt hat, beruht auf einem Bündel technischer Indikatoren.

Am 21. Februar habe es deutliche Verkaufssignale geliefert, so der HWB-Chef. "An diesem Tag begannen wir bereit, ein Drittel der Aktienpositionen abzusichern", so Brand. "Am 24. Februar haben wir dann die übrigen zwei Drittel abgesichert, sodass die Fonds ab dieser Zeit kein Aktienrisiko mehr hatten."

Erst zu Beginn der letzten Märzwoche seien die Absicherungen allmählich aufgelöst und die Portfolios neu aufgestellt worden. "Das Anlagekapital befindet sich aktuell zu zwei Drittel in mündelsicheren Anleihen", erklärt Brand. Mit einem Drittel sei man aber auch schon wieder im Aktienrisiko. Der HWB-Gründer rechnet zwar damit, dass die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise noch bis ins kommende Jahr zu spüren sein werden, die Börsen aber dieses Jahr schon wieder anspringen könnten.

Grundsätzlich sind die HWB-Fonds stets für eine positive Überraschung gut. Das belegt auch eine Reihe von Auszeichnungen des Finanzen Verlags, in dem €uro am Sonntag erscheint, im Zeitraum von 2008 bis 2016.

Danach bis Anfang 2018 waren jedoch fast alle Portfolios geschlossen, da sich Brand im Rechtsstreit mit der argentinischen Regierung befand. Die wollte Anleihen, die in den HWB-Fonds enthalten waren, nicht mehr bedienen. Schließlich einigte man sich auf eine Teilrückzahlung, und Anfang 2018 wurden die Fonds wieder geöffnet. Erst seit dieser Zeit sind wieder valide Wertentwicklungszahlen verfügbar.

Stets mit Absicherung unterwegs


Eine lückenlose Performance-Historie weisen dagegen die LuxTopic-Fonds auf, die von der Investmentboutique Robert Beer gemanagt werden. Seit 2003 zum Beispiel ist der LuxTopic Aktien Europa auf dem Markt. Und seitdem sichert der Fondsmanager stets einen Teil des Portfolios mit einer Optionsstrategie ab. Das kostet in Zeiten des Aufschwungs regelmäßig Rendite, zahlt sich aber in Phasen wie der jetzigen aus.

Der Europa-Aktienfonds hat seit Jahresanfang praktisch kein Geld eingebüßt, während der Durchschnitt seiner Vergleichsgruppe aktuell mit rund 27 Prozent im Minus liegt. Durch das Vermeiden des jüngsten Kurssturzes sehen auch die längerfristigen Performancezahlen des Fonds im Vergleich zur Peergroup recht gut aus.


Bildquelle: Cashkurs, Finanzen Verlag

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