CROWDFUNDING

Crowdfunding: Was wir raten, worauf Anleger achten sollten

Crowdfunding: Was wir raten, worauf Anleger achten sollten
09.09.2018 15:00:00

Internetplattformen bringen Anleger mit Projektentwicklern zusammen. Doch Vorsicht: Die Investments bergen teils große Risiken. Von Ulrich Lohrer

Wir ermöglichen Investoren, in vielversprechende Wachstumsunternehmen und Start-ups zu investieren", heißt es bei Companisto, einer Crowdinvesting-Plattform, die 2017 über zehn Millionen Euro Anlegerkapital einsammelte. Konkret funktioniert Crowdinvesting nach dem Prinzip von Internetmarktplätzen, die Anleger mit Unternehmern und Projektentwicklern zusammenbringen. Voriges Jahr wurden in Deutschland laut "Crowdinvesting Marktreport 2017" über solche Plattformen mit Beträgen ab 500 Euro über 200 Millionen Euro investiert.



"Statt der ursprünglichen Idee, über die Crowd Eigen- und Risikokapital für kreative Start-up-Firmen bereitzustellen, dominieren nun Finanzierungen von Nachrangdarlehen für Immobilienprojekte", stellt Steffen Sebastian, Professor für Immobilienfinanzierung an der Universität Regensburg, fest. "Viele Anleger halten die Kombination einer scheinbar sicheren Immobilienanlage mit dem Abschluss über eine provisionsfreie Internetplattform für besonders sexy." Laut der Datenbank Crowdinvest.de fielen bislang 7,3 Millionen der investierten 518,8 Millionen Euro aus. Das entspricht einer Quote von 1,4 Prozent. Bei Immobilien kam es laut Datenbank noch zu keinem Ausfall. Nur 0,2 Prozent des investierten Kapitals in diesem Sektor gilt aufgrund eines Insolvenzfalls in Berlin (Projekt: Wohnungsanlage Luvebelle) als gefährdet. Die Entwickler hatten sich unter anderem über die Plattform Zinsland Geld besorgt.


"Das Ausfallrisiko für Crowdlending und Crowdinvesting ist auch bei Immobilien sehr hoch", warnt Steffen Sebastian. Denn hier stellt die Crowd einem Bauträger in der Regel nur nachrangig besichertes Kapital bereit. Während die Banken ihr Darlehen erstrangig im Grundbuch absichern, bekommen die Crowdlender im Insolvenzfall von ihrem Geld nur etwas zurück, wenn die Konkursmasse die Bankforderungen übersteigt. "Eine durchschnittliche Verzinsung von vier bis sechs Prozent, wie sie beim Crowdlending für Nachrangdarlehen üblich ist, ist relativ schlecht, da professionelle Geldgeber für ein vergleichbar gering abgesichertes Kapital eine wesentlich höhere Verzinsung von zehn bis 15 Prozent erhalten", so Sebastian.

Crowdinvesting unterliegt dem Kleinanlegerschutzgesetz, doch die Plattformen haben Privilegien: So müssen Kapitalnehmer bei einer Fundingsumme von unter 2,5 Millionen Euro keinen umfassenden Prospekt erstellen. Nun erwägen Union und SPD, Immobilieninvestments die Privilegien wieder zu streichen, da dieser Markt ohnehin boomt. Die Crowd würde dann wieder stärker Unternehmen finanzieren und professionelle Start-up-Spekulanten anlocken, als Kleinanlegern falsche Hoffnungen zu machen.



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Bildquelle: MicroStockHub/iStock, BÖRSE ONLINE