EIGENHEIMRENTE

"Das Produkt bleibt kompliziert"

20.11.2016 09:00:00

In den vergangenen fünf Jahren hat sich die Zahl der Wohnriesterverträge auf 1,6 Millionen verdoppelt. Chancen und Fallen für Vorsorgesparer auf dem Weg zum Eigenheim. Von Stefan Rullkötter

Vor exakt acht Jahren wurden die ersten Wohnriesterverträge un- terschrieben. Nach zögerlichem Start hat die staatlich geförderte Eigenheimrente anderen Riesterprodukten im Neugeschäft den Rang abgelaufen. Finanzexpertin Annabel Oelmann, seit 2016 Vorstand der Verbraucherzen-trale Bremen, erklärt, worauf Vorsorgesparer in jedem Fall achten sollten.

BÖRSE ONLINE: Frau Oelmann, wie bewerten Sie den Wohnriesterboom?


Annabel Oelmann:

Wohnriester bleibt nach wie vor ein kompliziertes Produkt. Wer die staatliche Förderung bekommen möchte, muss bis zur vollständigen Abwicklung des Vertrags zahlreiche Voraussetzungen und Bedingungen erfüllen.

Wo lauern die größten Steuerfallen?


Wer das vorgeschriebene Wohnförderkonto vorzeitig auflöst, muss zwar nicht wie bei der schädlichen Auflösung eines klassischen Riestervertrags Zulagen und die Steuererstattungen zurückzahlen, dafür aber den jeweiligen Kontostand sofort voll versteuern. Gerade wenn jemand noch mitten im Erwerbsleben steckt, kommt er schnell in den höchsten Grenzsteuersatz und hat eine hohe Steuerschuld zu begleichen. Wer dann keine entsprechenden Rücklagen hat, steht vor einem finanziellen Problem.

Wohnriestersparer werden auch bei normalem Vertragsverlauf hohe Steuerschulden auf dem Wohnförderkonto anhäufen. Was ist die beste Strategie?


Das Wohnförderkonto wird spätestens mit dem Erreichen des 68. Lebensjahrs aufgelöst. Es bestehen zwei Möglichkeiten für die Besteuerung des Kapitals. Erstens die Besteuerung auf einen Schlag und zweitens die Verteilung der Steuerschuld auf 17 Jahre. Beide Varianten haben Vor- und Nachteile. Bei der einmaligen Besteuerung gibt es einen Rabatt von 30 Prozent auf das zu besteuernde Kapital, sie kann aber bei einem sonst eher niedrigen Steuersatz nachteilig sein. Bei der Verteilung auf 17 Jahre besteht der Vorteil, dass das Kapital nicht mehr ver-zinst werden muss, und außerdem kann das gesparte Kapital aus der einmaligen Besteuerung zinsbringend angelegt werden. Nachteil: Es gibt keinen Rabatt. Welche Variante für den Einzelnen vorteilhaft ist, hängt unter anderem vom individuellen Steuersatz ab und sollte von einem Steuerberater geprüft werden.

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Bildquelle: Verbraucherzentrale Bremen e.V.