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Goldmünzen unter Materialpreis: AfD-Politiker kritisiert "Verramschung" der deutschen Goldreserve

Goldmünzen unter Materialpreis: AfD-Politiker kritisiert

WKN: ISIN: US0520931017 Aurum Inc

18.09.2019 04:15:00

Es war eine tolle Chance für Goldfans: Bis zum 12. September offerierte der Bund offizielle Münzen zu einem Preis, der unter dem Materialwert liegt. Nun ist die Frist vorbei - doch startet jetzt eine politische Diskussion um diesen Vorgang. Von Martin Reim

Konkret geht es um Münzen mit dem Motiv "Unesco Welterbe - Dom zu Speyer". Die Stücke wiegen eine halbe Feinunze und wurden zum Festpreis von 626,98 Euro angeboten. Am Weltmarkt kostet die halbe Feinunze derzeit zwischen 680 und 690 Euro. "Eine nachträgliche Anpassung des Verkaufspreises erfolgt nicht", bestätigte ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums auf Anfrage. Die Münzen werden am 1. Oktober ausgeliefert.

Hintergrund des kuriosen Phänomens ist der starke Anstieg des Goldpreises, der seit Mai um mehr als ein Fünftel zugelegt hat. Laut Sprecher hatte das Ministerium das Gold schon lange vor Verkaufsbeginn zum Tagespreis von der Deutschen Bundesbank beschafft. "Bei der Bildung des Verkaufspreises der Münze werden die konkreten Gold-Beschaffungskosten in Ansatz gebracht und die Produktions- und Handlingkosten berücksichtigt." Dennoch kosten vergleichbare Münzen derzeit wesentlich mehr. So nimmt Pro Aurum, der größte Goldhändler Europas, für einen Krügerrand mit einem Gewicht von einer halben Unze derzeit etwa 720 Euro.

Nun meldete sich Peter Boehringer, Haushaltspolitischer Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion und Vorsitzender des Haushaltsausschusses, zu Wort. Auf seiner Homepage bezeichnet er die Aktion als "ökonomischen Unfug" und schreibt: "Zum aktuellen Stichtag realisiert der Bund bei dieser Gedenkmünzen rund acht Millionen Euro zu wenig an Verkaufserlösen. Das starre und bürokratische Kalkulationsmodell erlaubt keine marktgerechte Preisanpassung." Außerdem kritisiert Boehringer, dass das Material aus den Goldreserven der Deutschen Bundesbank stamme. Diese "Verramschung" der deutschen Goldreserve müsse "zum Wohl des Landes und seiner Bürger" umgehend eingestellt werden. "Stattdessen wären in Zeiten der permanenten Euro-Rettung Zukäufe von weiterem Gold dringend angezeigt, wie es neben z.B. Indien und China immer mehr Staaten handhaben."

Update: Wir haben das für die Ausgabe verantwortliche Bundesfinanzministerium um eine Stellungnahme zu Boehringers Ausführungen gebeten. Ein Sprecher verwies auf die Deutsche Bundesbank. Hier deren Statement: "Die Bundesbank verfügt über die zweithöchsten Goldreserven aller Zentralbanken weltweit, mit einem Goldbestand von 3369,7 Tonnen (Stand 31.12.2018). Der jährliche Verkauf von Gold zur Prägung von Sammlermünzen an das Bundesfinanzministerium (erstmalig 2002) hat diesen Bestand nur geringfügig reduziert. Gold hat als einziges staatenunabhängiges internationales Zahlungsmittel weltweit eine vertrauens- und stabilitätssichernde Funktion. Vor diesem Hintergrund stellt Gold für die Bundesbank nach wie vor einen Vermögenswert dar, der ihren Ansprüchen nach Werthaltigkeit und Diversifikation der Währungsreserven - bestehend aus Gold, Devisen und Forderungen an den IWF - gerecht wird."

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Bildquelle: BVA

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