Ach, wie schön wäre es, einen Butler zu haben, der einem jeden Wunsch erfüllt. Amazon und Google kommen dem zumindest teilweise nach. Jeden Wunsch von den Augen ablesen können ihre Geräte zwar nicht, aber ihre "Ohren" haben sie dank sieben eingebauter Mikrofone überall: "… hört Sie dank der Fernfeld-Spracherkennung auch von der anderen Seite des Raumes, sogar in lauter Umgebung oder wenn Musik läuft", schreibt Amazon zu seiner Sprachbox namens Echo. Was unser Leben einfach machen soll, finden Datenschützer ziemlich beunruhigend (siehe Seite 2)

Amazon ist auf diesem Gebiet Pionier und Marktführer. Das Produkt Echo kam in Deutschland 2016 auf den Markt; das Wettbewerbergerät Google home gibt es hier erst seit Kurzem. Über die Geräte kann man sich nicht nur das Wetter ansagen lassen, sondern auch beispielsweise Börseninfos abfragen. Möglich machen das sogenannte "Alexa Skills", über die man seine Echo-Box mit speziellen Fähigkeiten ausstatten kann. Amazon bietet einen eigenen Marktplatz für Skills, die von Drittanbietern erstellt werden können und dann das Spracherkennungssystem von Amazon nutzen.

Im Bereich Wirtschaft und Finanzen gibt es bislang 65 Skills. Als erste Bank in Deutschland ist im Mai dieses Jahres die Comdirect mit einem Alexa Skill gestartet. "Wir glauben, dass die Spracheingabe die gesamte Nutzerinteraktion auch mit unserer Website ändern und revolutionieren kann", sagt Christian Wendrock-Prechtl von Comdirect. Seither können Nutzer mehr als 10 000 Aktienkurse weltweit abfragen, und zwar in Echtzeit. Seit Neuestem kann man sich über den Comdirect-Skill auch den Stand von Indizes, Rohstoffen und Währungspaaren ansagen lassen, ebenso News zu börsennotierten Aktiengesellschaften.

Wer WKN oder ISIN weiß, kann sich Realtime-Kurse von Derivaten, Fonds, ETFs und natürlich von seinen Favoritenaktien vorlesen lassen. "Wir ermöglichen den Anwendern innerhalb kürzester Zeit einen guten Überblick über die aktuelle Marktsituation", sagt Wendrock-Prechtl stolz.

Während man sich in den USA schon seinen Kontostand ansagen lassen kann, ist das bei uns noch Zukunftsmusik, ebenso Befehle wie "Überweise 100 Euro an Tante Irmgard". "Überweisungen aus dem Kreis vorher definierter Favoriten sind ein spannender Anwendungsfall, über den wir auf jeden Fall nachdenken", erklärt Wendrock-Prechtl.

Aber solange die Frage nach dem Datenschutz nicht geklärt ist, bleibe man dabei, mit neutralen Daten wie eben Wertpapierkursen zu operieren. Einziger Wettbewerber der Commerzbank-Tochter aus dem Bankenbereich ist bislang die Volksbank in der Ortenau. Auch Consorsbank und Deutsche Bank planen Alexa-Skills, andere halten sich hingegen noch bedeckt.

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Großer Lauschangriff



Datenschützer sind alles andere als begeistert von den mithorchenden Lautsprechern, zumal man mit -seiner Stimme ein biometrisches Merkmal preisgibt: "Sprachassistenten sind dauerhaft mit dem Internet verbunden und können von Angreifern abgehört und manipuliert werden", warnt die Bundesdatenschutzbeauftragte Andrea Voßhoff.

"Nutzer sollten genau darauf achten, wo und wie die vom Hersteller der Assistenten aufgezeichneten Daten gespeichert und verwendet werden", rät sie und warnt: "Gespeicherte Sprachinformationen könnten mit Daten aus anderen Onlinequellen zu detaillierten Nutzerprofilen für Marketing und Marktforschung zusammengeführt werden." Aus dem Einsatz eines Sprachassistenten lasse sich womöglich schließen, wann eine Wohnung leer steht und wo ein Auto geparkt wird.

Ihr Rat: Nutzer sollten sich über die "Dauerüberwachung" im Klaren sein und sich mit den damit verbundenen Nachteilen beschäftigen. Anfragen von US-Journalisten beim FBI, ob der Echo-Lautsprecher zum Abhören benutzt werden könne, wurden weder bestätigt noch explizit verneint. "Ein Gerät, von dem die Stasi nur träumen konnte", folgert die "tageszeitung" in einem Beitrag über "Die Abhörwanze von IM Alexa" und sieht in "Amazon die kommerzielle Staatssicherheit, die uns bis ins Letzte ausspioniert"