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Krankenversicherung: Wie kann ich als Privatpatient auf höhere Prämien reagieren?

Krankenversicherung: Wie kann ich als Privatpatient auf höhere Prämien reagieren?
14.06.2019 02:50:00

Sie fragen, wir antworten! Die Redaktion von Euro am Sonntag beantwortet Leseranfragen zu Rechts-, Finanz- und Versicherungsthemen. Von Martin Reim, Euro am Sonntag

Mein privater Krankenversicherer hat die Prämie zu Jahresbeginn um sage und schreibe 19 Prozent erhöht. Jetzt soll ich 454 Euro im Monat bezahlen. Ich (männlich, 77 Jahre alt) bin seit Jahrzehnten privat versichert und habe immerhin Alterungsrückstellungen von rund 65.000 Euro aufgebaut. Soll ich zu einem anderen Versicherer wechseln?

€uro am Sonntag: "Ein anderer Anbieter wird Sie höchstwahrscheinlich ablehnen, da Ihre Gesundheit vermutlich Ihrem Alter entsprechend nicht perfekt ist", sagt Thorsten Rudnik, Mitarbeiter des Maklerbüros Helge Kühl im schleswig-holsteinischen Neudorf-Bornstein und Spezialist für die private Krankenversicherung (PKV). "Und selbst wenn Sie genommen würden, läge die Monatsprämie sicherlich im vierstelligen Euro­bereich, auch weil Sie die Alterungsrückstellungen nur zu einem Bruchteil mitnehmen könnten."

Deshalb sollten Sie einen alternativen Tarif bei Ihrem bisherigen Versicherer suchen. Generell ist der Versicherer verpflichtet, solche Alternativen zu nennen. In dem Schreiben, in dem er die letzte Prämienerhöhung angekündigt hat, müssten solche Tarife aufgeführt sein. Rudnik: "Wenn es günstiger werden soll, werden Sie meist auch bei den Leistungen Einbußen hinnehmen müssen. Lassen Sie sich von Ihrem Versicherer zu den angebotenen Tarifen eine tabellarische Übersicht geben, in der er jede Leistung des neuen und des alten Tarifs gegenüberstellt."

Eine Option ist, dass Sie in den sogenannten Standardtarif wechseln, der Versicherten offensteht, die schon vor 2009 in der PKV waren. Er bietet ähnliche Leistungen wie die gesetzliche Krankenversicherung, und Sie dürfen die Alterungsrückstellungen mitnehmen, was die Prämien deutlich verbilligt. Im sogenannten Basistarif, der ebenfalls ähnliche Leistungen wie die gesetzliche Krankenversicherung bietet, werden hingegen nur Bruchteile der Rückstellungen anerkannt, was ihn tendenziell sehr teuer macht.

"Wenn Sie eine weitere Option wünschen, sollte es sich nicht um einen sogenannten Unisex-Tarif handeln, der für beide Geschlechter gleich teuer ist", rät Rudnik. Denn zum einen bezahlen Männer bei Unisex gegenüber der früheren Bisex-Welt tendenziell etwas mehr. Zum Zweiten dürfen Sie aus einem Unisex-Tarif nicht mehr in den Standardtarif wechseln, falls Sie irgendwann noch einmal umsatteln wollen. Dann stünde Ihnen nur noch der Basistarif zur Verfügung.

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