Das neue Altersvorsorgedepot soll die ungeliebte Riester-Rente ablösen und Millionen Bürger zur privaten Altersvorsorge animieren. Experten sehen darin einen richtigen Schritt – doch je erfolgreicher es wird, desto teurer wird es für den Bundeshaushalt.

Zum 1. Januar 2027 startet das neue Altersvorsorgedepot; der lang erwartete und attraktivere Nachfolger für die Riester-Rente. Experten loben das Modell als echten Fortschritt: weniger bürokratisch, flexibler, rentabler und günstiger als die alten Riesterverträge. Banken und Fondsanbieter rechnen mit einem Ansturm neuer Kunden.

Das Prinzip ist attraktiv: Der Staat fördert das Depot über direkte Zulagen, Sparer können das Geld in Aktien, ETFs und Fonds investieren und damit langfristig deutlich mehr aus ihrer privaten Altersvorsorge herausholen als mit klassischen Versicherungsprodukten. Für Anleger ist das Altersvorsorgedepot damit eine der interessantesten Neuerungen im deutschen Vorsorgesystem seit Jahren.

Kosten womöglich grob unterschätzt

Doch in der Politik wächst jetzt die Sorge, wie das Wirtschaftsmagazin „Capital" unter Berufung auf Berliner Koalitionskreise berichtet. Dort fürchte man mittlerweile, dass das Altersvorsorgedepot eine „tickende Zeitbombe“ für den Bundeshaushalt werden könnte. Capital zitiert ein nicht näher genanntes Mitglied der schwarz-roten Koalition im Finanzausschuss des Bundestages mit den Worten, die bisherigen Annahmen zur Kostenentwicklung im Gesetzentwurf seien „schöngerechnet". Der Grund: die hohen staatlichen Zulagen und die zu erwartenden Ausfälle bei den Steuereinnahmen – denn Gewinne im Altersvorsorgedepot sind während der Ansparphase steuerfrei.

Für die knapp zehn Millionen aktiven Riester-Verträge wendete der Bund zuletzt knapp vier Milliarden Euro pro Jahr auf – für das Altersvorsorgedepot könnten es deutlich mehr werden. 

Laut dem Gesetzentwurf rechnet der Bundesfinanzminister „bei voller Jahreswirkung“ mit Steuermindereinnahmen von 350 Millionen Euro im Jahr. Der Aufwand für die Förderung wird im Entwurf nicht direkt beziffert. Da aber allein die Grundförderung, abhängig von der Höhe der Eigeneinzahlung, bis zu 540 Euro ausmachen kann – verglichen mit der Grundzulage von 175 Euro bei Riester – sind jedoch deutlich höhere Beträge zu erwarten.

Zweistellige Milliardenkosten möglich

Das bedeutet: Je mehr Menschen das neue Depot nutzen, desto teurer wird es für den Staat. Würden künftig zwischen zehn und 20 Millionen Menschen zusätzlich ein Altersvorsorgedepot besparen – was angesichts der Nachfrage durchaus realistisch erscheint – könnten die jährlichen Kosten in den zweistelligen Milliardenbereich steigen, rechnet „Capital“ vor. Das wäre ein Vielfaches der bisherigen Riester-Förderung – und für Finnazminister Lars Klingbeil wohl kaum zu bezahlen. Koalitionsvertreter räumen dieses Szenario inzwischen ein.

Für Anleger ändert das zunächst nichts: Das Gesetz ist beschlossen, das Depot wird kommen – und ist damit eines der bisher attraktivsten staatlich geförderten Angebote zur Altersvorsorge. Die politische Debatte um seine Finanzierung dürfte jedoch jetzt erst beginnen.

Jetzt schon Depot eröffnen und Sparen

Das Altersvorsorgedepot startet erst am 1. Januar 2027. Doch es wäre ein Fehler, das Sparen so lange aufzuschieben - denn die Börsen steigen. Deshalb empfielt es sich, auch ohne staatliche Förderung jetzt schon mit einem ETF-Sparplan zu sarten - und ab Januar gegebenenfalls umzuswitchen.

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Häufig gestellte Fragen

Was ist das neue Altersvorsorgedepot und wann startet es?

Das Altersvorsorgedepot ist der Nachfolger der Riester-Rente und startet zum 1. Januar 2027. Es ermöglicht Sparern, staatlich gefördert in ETFs und Fonds zu investieren. Die staatliche Grundförderung kann dabei bis zu 540 Euro pro Jahr betragen.

Warum könnte das Altersvorsorgedepot zur Belastung für den Bundeshaushalt werden?

Je mehr Menschen das Depot nutzen, desto höher fallen die staatlichen Zulagenkosten und die Steuermindereinnahmen aus – denn Gewinne sind während der Ansparphase steuerfrei. Während der Bund für knapp zehn Millionen aktive Riester-Verträge zuletzt rund vier Milliarden Euro jährlich aufwendete, könnten die Kosten des neuen Depots laut Berechnungen des Wirtschaftsmagazins Capital bei zehn bis 20 Millionen Nutzern in den zweistelligen Milliardenbereich steigen.

Sollte man mit dem Investieren bis zum Start des Altersvorsorgedepots 2027 warten?

Nein – wer auf den offiziellen Start wartet, verschenkt wertvolle Zeit an den Börsen. Sinnvoller ist es, bereits jetzt mit einem ETF-Sparplan zu beginnen und von möglichen Kurssteigerungen zu profitieren.