Robert Mayr steht Ende März zehn Jahre an der Spitze von Deutschlands zweitgrößtem Software-Unternehmen. Im Interview mit BÖRSE ONLINE nimmt der DATEV-Vorstandsvorsitzende auch zu aktuellen Fragen außerhalb des Tagesgeschäfts Stellung.

Woran arbeiten Sie gerade?

Robert Mayr: Ich habe gerade die jüngsten Ergebnisse unseres DATEV Mittelstandsindex‘ durchgesehen. Angesichts der schwachen Umsatzentwicklung und der ständig steigenden Kosten für kleine und mittelständische Unternehmen in Deutschland leider aber keine sehr erfreuliche Lektüre. 

Woran machen Sie diese Entwicklung konkret fest?

2025 war ein weiteres verlorenes Jahr für den Mittelstand. Wie befürchtet, ist auch das Weihnachtsgeschäft zum vierten Mal in Folge am Einzelhandel vorbeigegangen. Vor allem Kleinst- und kleine Unternehmen spüren die anhaltende Kaufzurückhaltung, steigende Kosten und den strukturellen Wandel besonders stark.

Welche Managementleistung bewundern Sie?

Leistungen von großen Unternehmen werden häufig sehr sichtbar. Was mich viel mehr beeindruckt, wie gerade Unternehmer von kleinen und mittleren Firmen ihre aktuellen Herausforderungen meistern. Egal ob es ein Bäcker ist, der mitten in der Nacht aufsteht und uns täglich frisches Brot backt oder ein Gastwirt, der bei ständig steigenden Preisen und Personalmangel seinen Betrieb aufrechterhält. Es ist also mehr die Summe dieser vielen vermeintlich kleinen Leistungen, die selten wertgeschätzt werden.  

Korreliert Ihr Glücksempfinden mit dem DAX?

Da fragen Sie mit dem CEO eines genossenschaftlichen Unternehmens vielleicht den Falschen! Natürlich sind die Entwicklungen an den Börsen wichtig für unsere Wirtschaft. Für mich ist aber nicht der „Shareholder Value“, sondern der „Member Value“ entscheidend. Unsere Genossenschaftsmitglieder sind Anteilseigner und Kunden zugleich. Und um deren Wohlergehen geht es mir. Wenn es ihnen gut geht, dann geht es mir auch gut. 

Die Höhe der Erbschaftsteuer ist ein großes Thema in der aktuellen politischen Diskussion. Einmal grundsätzlich gefragt: Sollen Nachkommen das Vermögen der Eltern erben oder sich ihren Wohlstand selbst erarbeiten?

Hier bin ich sehr konservativ. Ich finde, dass mein Wohlstand zwar auf meine Kinder übergehen soll, sie sollten aber gleichzeitig wissen, dass sie selbst etwas dazu beitragen müssen – um ihn wiederum an ihre Nachkommen weitergeben zu können. Es ist also eine Verpflichtung für die Zukunft damit verbunden. Um die Generationen zusammenzuhalten und wirklich nachhaltig zu sein.  

Mit wem würden Sie gern über Geld reden und warum?

Leider geht das nur nicht mehr: André Kostolany. Auf Grund seiner persönlichen Lebensgeschichte. Aber auch als damals gefeierter “Börsenguru” - und gleichzeitig Mahner und nachhaltiger Aktien-Experte. Er konnte Wirtschaft anschaulich und nachvollziehbar erklären. So jemanden bräuchten wir heute umso mehr! 

Das ganze Interview lesen Sie in der neuen Ausgabe des Magazins BÖRSE ONLINE, hier erhältlich

Robert Mayr
Datev eG
Robert Mayr

Zur Person

Robert Mayr ist seit 2016 DATEV-Vorstandsvorsitzender. Der promovierter Betriebswirt, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer startete  seine Karriere bei der Treuhandanstalt Berlin, wechselte 1994 zur Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte und war ab 2002 Geschäftsführender Gesellschafter der Solidaris Revision in München. 2011 wurde er in den Vorstand der DATEV berufen. Mayr ist in der rund 60-jährigen Geschichte des Nürnberger Softwareunternehmens erst der dritte CEO.

Zum Unternehmen

DATEV ist mit 1,51 Milliarden Euro Umsatz und rund 9000 Mitarbeitenden hinter SAP Deutschlands zweitgrößtes Softwarehaus. Der genossenschaftlich organisierte IT-Dienstleister ist auf Angebote für Steuerkanzleien und deren kollaborative Prozesse mit überwiegend mittelständischen Mandanten spezialisiert.


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