Inmitten von Übernahmeschlagzeilen und Rekordgewinnen zählt vor allem Vertrauen. Der Test zeigt, wer sich als Beste Bank und Beliebteste Bank behauptet.
Zwischen den Frankfurter Bankentürmen wird das feindliche Übernahmeangebot für die Commerzbank derzeit ebenso heiß diskutiert, wie die jüngsten Rekordgewinne vieler Institute für Schlagzeilen sorgen — sie zeigen, wie kräftig das Finanzgeschäft wieder brummt, aber auch, wie sensibel das Vertrauen der Kunden geworden ist. Privatpersonen stehen hingegen vor einer ganz anderen Herausforderung: Sie müssen entscheiden, welchem Institut sie ihre Ersparnisse, ihren Zahlungsverkehr und ihre Geldanlage anvertrauen. Inmitten der Sorge vor steigender Inflation, höheren Kreditzinsen und wirtschaftlicher Unsicherheit sind sie auf der Suche nach Stabilität, Sicherheit und verlässlichen Partnern. In diesem Umfeld gewinnt Orientierung immer mehr an Bedeutung — hier setzt der große €uro-Bankentest an.
Um für mehr Transparenz zu sorgen, hat €uro in Zusammenarbeit mit dem Sozialwissenschaftlichen Institut (SWI) in Hamburg zum 23. Mal einen umfassenden Bankentest durchgeführt. Bewertet werden unter anderem Kontomodelle, Zinsen, Service, Beratung und Angebote im Wertpapiergeschäft. Zusätzlich fließen auch die Erfahrungen und Einschätzungen der Kunden systematisch ein. Dafür wurden mehr als 80 000 Verbraucher befragt, die ihre Zufriedenheit in den genannten Bereichen angaben.
Die Ergebnisse helfen bei der Wahl des passenden Instituts und zeigen, wie gut diese auf neue Kundenerwartungen wie Nachhaltigkeit, digitale Services, einfache Zugänge und transparente Beratung reagieren. So entsteht eine Entscheidungshilfe für alle, die auf Stabilität und Transparenz setzen.
Die Gewinner
Der Doppelsieger aus allen Jahren seit dem Jahr 2018 (!) konnte auch 2026 erneut überzeugen: Die Commerzbank und ihre Onlinemarke comdirect sichern sich erneut gemeinsam die drei Auszeichnungen „Beste Bank“, „Beste Filialbank“ sowie „Beste Direktbank“.
In der Gesamtbewertung folgen ING, 1822direkt und DKB mit Top-Platzierungen. Bei den „Besten Direktbanken“ punkten ebenfalls ING, 1822direkt und DKB mit Top-Platzierungen, während die Consorsbank ein „Sehr gut“ erhält. Sie erreicht so eine der fünf besten Bewertungen und damit die Voraussetzung, um hier abgebildet zu werden. Bei den Filialbanken folgt die Targobank auf Platz 2 mit einer Top-Platzierung; dahinter rangieren BBBank, Deutsche Bank und HVB mit „Sehr gut“.
ING 20 Mal „Beliebteste Bank“
Als „Beliebteste Bank“ geht erneut die ING aus der Analyse hervor. Besondere Leistung: Diesen Titel sichert sich das Institut bereits zum 20. Mal in Folge — eine bemerkenswerte Kontinuität in der hervorragenden Bewertung durch die Kunden. Den Titel als „Beliebteste Regionalbank“ erhält in diesem Jahr die PSD Bank Braunschweig, die damit die Vorjahressiegerin PSD Bank Berlin-Brandenburg ablöst, die inzwischen in der BBBank aufgegangen ist.
Besonders stark schneiden die Gewinner bei Kreditangeboten, Service und Kundenzufriedenheit ab. Zudem erzielen sie in der €uro-Bankenumfrage überdurchschnittliche Zustimmungswerte für ihre Kontomodelle, ihre digitalen Services und ihr Wertpapiergeschäft — ein Beweis dafür, dass Qualität und Vertrauen am Finanzmarkt weiterhin überzeugen.
Beste Bank, beste Direktbank: 2 in 1
Hausinterner Doppelerfolg: Die comdirect, Marke der Commerzbank, erstrahlt bereits zum neunten Mal in Folge als Beste Bank.
Bereits zum neunten Mal in Folge behauptet sich die comdirect als Deutschlands führende Direktbank – und das mit Bravour. Im großen €uro-Bankentest, durchgeführt vom Sozialwissenschaftlichen Institut (SWI) Hamburg, holt sie sich erneut die Krone als „Beste Direktbank“ sowie als „Beste Bank“ insgesamt. In beiden Kategorien schafft es die ING auf den zweiten Platz, die 1822direkt sichert sich den dritten Rang – beide jeweils mit „Top“-Platzierungen.
Starke Onlinebank.
Die comdirect überzeugte im März 2026 mit schlanken Konditionen, klarem Onlineauftritt und einem breiten Angebot von Girokonten über Depots bis zu digitalen Wertpapierdienstleistungen für Einsteiger und Profis. Im Test punktet sie besonders mit Servicequalität sowie Konditionen für Baufinanzierung und Gehaltsgirokonto. Kunden schätzen vor allem die schnelle Kontoeröffnung per Video-Ident-Verfahren, transparente Gebühren und die smarte App, die Trading rund um die Uhr ermöglicht. Hinzu kommt der Stabilitätsvorteil einer großen Vollbank, den die comdirect als Marke der Commerzbank bietet – ein Plus, mit dem reine Neobroker nicht aufwarten können.
Genau hier setzt Chefin Sabine Schoon-Renné an: Mit ihrer Wachstumsstrategie für die Gen Z stellt sie die Direktbank neu auf und will so die Lücke im Wettbewerb um junge Kunden mit Neobrokern wie Trade Republic, Scalable Capital und Co schließen. „Wir wollen mehr junge Sparer gewinnen“, sagte sie kürzlich in einem Interview mit dem „Handelsblatt“. Und so bietet die comdirect schlanke Trading-Angebote für Einsteiger ebenso an wie maßgeschneiderte Profi-Lösungen: Ein-Euro-Trades, kosten lose Depotführung und mehr als 2000 ETF-Sparpläne samt grüner Investments für Neueinsteiger sowie Profi-Tools wie Echtzeitcharts und Zugang zu über 30 Handelsplätzen. Für Kunden, die ohne Filiale auskommen wollen, rangiert die comdirect damit an der Spitze des Bankentests – mit solider Leistung, gutem Service und dem Rückhalt einer Großbank.
Beste Filialbank: Kompetenz vor Ort
Die Commerzbank bleibt die erste Wahl vor Ort – und ringt gegen die Unicredit um ihre Zukunft.
Die Commerzbank behauptet ihren Platz als beste Filialbank Deutschlands auch in diesem Jahr und unterstreicht damit ihre Bedeutung für Privatkunden im bundesweiten Markt – scheinbar unbeeindruckt vom anhaltenden Übernahmedruck durch die italienische Großbank Unicredit. Nach einer Phase der Restrukturierung zeigt sich die Bank finanziell gestärkt: Ihr Gewinn lag 2025 nahe dem Rekordniveau, nun hebt sie die eigenen Ziele weiter an. Neue Bestmarken sollen den Aktienkurs nach oben treiben und so einen Kauf durch die Unicredit teurer und schwieriger machen. In diesem Jahr soll der Commerzbank-Gewinn die bisherigen Ziele von 3,2 Milliarden Euro noch übertreffen, bis 2028 soll er auf 4,2 Milliarden Euro wachsen. Analysten rechnen für beide Jahre bereits mit mehr. Die Unicredit wirbt seit ihrem Einstieg bei der Commerzbank im September 2024 für eine Übernahme und legte im März 2026 ein offizielles Angebot vor.
Insgesamt rätselt Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp auch nach dem Übernahmeangebot aus Italien weiter über die Absichten von Unicredit-Chef Andrea Orcel: „Bis heute sind wir im Unklaren, was die Unicredit eigentlich will“, sagte sie der „Süddeutschen Zeitung“ und betonte, sie verweigere sich Gesprächen nicht, allerdings müsse Orcel seine Pläne konkretisieren: „Wenn jemand anklopft und sagt, ich habe eine Idee, dann darf man doch erwarten, dass er auch sagt, wie die Idee aussieht.“ Orlopp betonte, die Commerzbank sei finanziell stabil und strukturell entlastet und gehe mit klaren Wachstumszielen in die Zukunft – ein Befund, der sich in der Wahl zur besten Filialbank widerspiegelt. Hier überzeugte die Bank die Kunden und SWI-Tester vor allem mit persönlicher Beratung in der Filiale, transparenten Konditionen und modernen digitalen Services.
ING mit KI zum Kundenliebling
Die ING musste sich im abgelaufenen Jahr mit weniger Gewinn begnügen – vor allem weil die Zinsen nicht mehr so üppig sprudelten. Unbeeindruckt davon wählten die vom SWI befragten Kunden die Großbank mit großem Abstand erneut zum beliebtesten der hierzulande aktiven Institute. Zahlen aus der jüngsten Bilanz belegen dies: Die Zahl der Privatkunden stieg weiter an: von gut 9,9 Millionen auf 10,1 Millionen Ende letzten Jahres. Mit der Diversifizierung der Erträge kommt das Institut voran, die Provisionen legten kräftig zu. Wachstum soll mit der jungen, vermögenden Zielgruppe der Affluents erreicht werden. Zudem will die ING Baukredite in Deutschland mit KI-Unterstützung bald deutlich schneller vergeben.
Auf den Top-Plätzen folgen C24, comdirect und VW Bank.
PSD Braunschweig: Beliebteste Regionalbank
Die PSD Bank Braunschweig sichert sich den Spitzenplatz als beliebteste Regionalbank Deutschlands. Sie überzeugt vor allem mit Nähe, Serviceorientierung und attraktiven Konditionen bei Girokonten, Anlagezinsen und Ratenkrediten. Transparente Konditionen und eine unkomplizierte Beratung sorgen dafür, dass Kunden sich gut aufgehoben fühlen. Besonders positiv bewertet wurde die digitale Erreichbarkeit über App und Onlinebanking sowie die Erreichbarkeit der Filialen vor Ort, ein Mix moderner Finanzdienstleistung und persönlicher Beratung.
Den zweiten Platz belegt die PSD Bank Nord mit „Top“-Platzierung, die Sparda-Bank Baden-Württemberg erreicht mit „Sehr gut“ den dritten Rang.
Beste Bank 2026 So lief der Test
Um zu ermitteln, welche Banken hierzulande sowohl zu den besten als auch zu den beliebtesten zählen, werteten €uro und das Sozialwissenschaftliche Institut (SWI) objektive Kriterien ebenso wie Kundenmeinungen aus. Zwischen Januar und März 2026 wurden 36 Banken untersucht, darunter Filial-, Direkt- und Spezialbanken für Sparprodukte oder Kreditfinanzierungen.
Erster Schritt: Die Tester analysierten Angebote und Dienstleistungen und prüften per Telefon und E-Mail-Anfragen die Qualität von Service und Beratung. Bei Filialbanken flossen zusätzlich persönliche Beratungsgespräche in die Bewertung ein. Mit gezielt eingereichten Beschwerden testeten die Prüfer, wie schnell und professionell die Banken auf Kunden anliegen reagieren.
Zweiter Schritt: Auch eine Kundenumfrage mit mehr als 80 000 Teilnehmern ging in die Wertung ein. Die Gesamtbewertung ergab sich aus den Durchschnittswerten der Punkte in drei Hauptkategorien. Dabei gingen Produkte und Service mit je 40 Prozent in die Wertung ein, die Ergebnisse der Befragung mit 20 Prozent. In den hier abgebildeten Tabellen werden nur die fünf ersten Plätze dargestellt, und es werden nur Banken aufgeführt, die mindestens die Bewertung „Gut“ erhielten.
Bewertung: ab 64 Punkten: Top, ab 55 Punkten: Sehr gut, ab 48 Punkten: Gut.
Einzelwertung Bankprodukte
Annahmen für Zahlungen mittels Girokonto: Transaktionen beleghaft respektive online, monatlicher Zahlungseingang 200 beziehungsweise 1500 Euro, durchschnittliches Guthaben 3000 Euro, zehn Überweisungen, 20 Kontobewegungen, zwei Daueraufträge pro Monat, eine Änderung, eine Löschung.
Für Ratenkredite wurde getestet: Gehaltsabhängigkeit, minimaler/maximaler Kreditbetrag, Laufzeit, Höchst alter etc.
Für Baufinanzierungen: Bereitstellungszinsen, Sondertilgungsmöglichkeit, kostenfreie Tilgungsänderung, minimale Kreditsumme etc.
Maximal mögliche Punktzahl in allen Kategorien: 100.
Das zentrale Konto im Bankensystem
Das Girokonto ist nach wie vor das zentrale Zahlungsmittel im deutschen Alltag. Überweisungen, Rechnungsbezahlung und Bargeldabhebungen laufen darüber millionenfach täglich ab. Nach Bundesbank-Daten gibt es etwa 110 Millionen Girokonten: mehr als Einwohner im Land, da viele Privatpersonen mehrere Konten nutzen und Firmenkonten mitzählen. Für den Zahlungsverkehr bleibt das Girokonto unverzichtbar – doch wie teuer darf es sein? Das SWI stellte fest: Im Vergleich zum Vorjahr führen die Anbieter, die bei einem monatlichen Geldeingang von mindestens 200 Euro kostenfreie Kontenmodelle anbieten. Wer glaubt, zu viel zu zahlen, muss nicht unbedingt die Bank wechseln: Oft bietet es sich an, zunächst bei der Bank nachzufragen, ob es ein günstigeres Kontenmodell gibt, das die individuellen Bedürfnisse erfüllt. Denn viele Institute haben nicht nur ein Kontenmodell, sondern gleich mehrere, um unterschiedlichen Kundenbedürfnissen gerecht zu werden.
Im hier abgebildeten Test „Beste Bank“ weist die C24 das beste Angebot unter den Direktbanken vor, die Targobank erreicht das als beste Filialbank. Bei der parallel durchgeführten, hier nicht abgebildeten Umfrage zur beliebtesten Bank hatte die C24 als überregionale Bank ebenfalls die Nase vorn, bei den Regionalbanken ist es die PSD Bank Nord.
Beschwerde und Service
Sicherheit und Onlineservice gewinnen an Bedeutung, je stärker Banken ihre Angebote digitalisieren. Entscheidend für den Erfolg ist, wie kompetent ein Institut auch ohne persönlichen Kontakt auf Beschwer den reagiert. Geldhäuser mit Filialnetz punkten mit persönlicher Beratung und freundlichen Mitarbeitern am Schalter. Doch Direktbanken holen auf: Auch sie wissen um die Relevanz zufriedener Kunden.
Kredite zur Finanzierung
Die Finanzierung von Wohneigentum bleibt anspruchsvoll: Im Zuge des Iran-Kriegs steigen die Kreditkosten für Bauherren und Immobilienkäufer spürbar. Der Krieg treibt die Energiepreise, schürt die Sorge vor anziehender Inflation und einer Zinserhöhung durch die EZB im April. Im Zuge dessen sind die Kapitalmarktzinsen bereits spürbar geklettert: Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen, an denen Bauzinsen sich orientieren, stieg auf den höchsten Stand seit 2011. Hohe Zinsen für Verbraucherkredite verteuern auch die Fremdfinanzierung kleinerer und größerer Anschaffungen.
Attraktive Zinsen sichern
Trotz Sorge vor einer neuen Inflationswelle wegen des Iran-Kriegs hielt die Europäische Zentralbank (EZB) die Leitzinsen zuletzt unverändert. Der für Sparer und Banken wichtige Einlagenzins bleibt vorerst bei 2,0 Prozent. Klar ist: Änderungen beim Zinsniveau wirken sich unmittelbar auf die Attraktivität klassischer Sparprodukte aus. In diesem Test erhalten die Tages- und Festgeldangebote von BBVA, NIBC und Stellantis (Direktbanken) besonders gute Bewertungen. Bei den Filialbanken erreichen Targobank, Commerzbank und Postbank die meisten Punkte.