Nach Jahren niedriger Überschussrenditen heben zahlreiche Lebensversicherer jetzt ihre Verzinsung an. Das könnte die klassische Lebensversicherung im Vergleich zu ETFs und Robo Advisors wieder etwas attraktiver machen. 

Kapitalbildende Lebens- und Rentenversichrungen waren mal der Deutschen liebste Altersvorsorge. Doch angesichts stetig sinkender Garantiezinsen und Überschussbeteiligungen hatten klassische Versicherungspolicen im Markt der Altersvorsorgeprodukte in den vergangenen Jahren einen schweren Stand.

Nun setzen die Lebensversicherer ein unerwartetes, starkes Signal: Die Verzinsung von klassischen Lebens- und Rentenversicherungen steigt – zum Teil sogar über drei Prozent. Damit reagieren die Gesellschaften offenbar auf gestiegene Kapitalmarktrenditen. Versicherte können also wieder mit deutlich höheren laufenden Verzinsungen und Ablaufleistungen rechnen – was die klassische Versicherung, lange abgeschrieben, wieder ins Rennen um sichere Altersvorsorgeprodukte bringt.


Wie hoch steigt die Verzinsung?

Nach einer Erhebung der Ratingagentur Assekurata hatten bereits im vergangenen Jahr erste Versicherer die Marke von drei Prozent bei der laufenden Verzinsung erreicht. Für 2026 haben nun die Inter Versicherung und Entis eine laufende Verzinsung von 3,4 Prozent festgelegt, die Athora Lebensversicherung bietet sogar 3,5 Prozent.

Unter den großen Versicherern bietet unter anderem die Axa mit 3,0 Prozent eine der höchsten Verzinsungen, der Marktführer Allianz zahlt dagegen auch 2026 unverändert „nur“ 2,7 Prozent. Die Tabelle ist noch nicht vollständig, einige große Versicherer wie Ergo oder die Continentale stehen noch aus.

Warum steigen die Überschussbeteiigungen jetzt?

Die Gründe für die Zinswende bei Lebensversicherern sind vor allem im Umfeld der Kapitalmärkte zu finden: Nach langen Phasen niedriger Zinsen werfen festverzinsliche Wertpapiere wieder höhere Renditen ab. Versicherer, die große Teile ihrer Anlageportfolios in Staats- und Unternehmensanleihen halten, können diese Erträge an ihre Kunden weitergeben.

Zudem haben viele Versicherer ihre Kapitalpuffer in den vergangenen Jahren kräftig ausgebaut. Damit sind sie jetzt in der Lage, Garantiezinsen und Überschussbeteiligungen zu erhöhen, ohne ihre Solvenz zu gefährden.

Nicht zuletzt dürfte der zunehmende Wettbewerb um die Altersvorgegelder der Kunden eine Rolle spielen. Mit ETF-Sparplänen und digitalen Vermögensverwaltungen (Robo-Advisor) haben Privatkunden mittlerweile kostengünstige und flexible Alternativen zur Verfügung, die die klassischen Lebens- und Rentenversicherungen im wahrsten Sinne des Wortes alt aussehen lassen. Auch wenn die Versicherer immer wieder betonen, dass ihr Garantien und Sicherheiten mit den Erträgen aus einem ETF-Sparplan nicht vergleichbar sind und viele Anleger das Langlebigkeits-Risiko bei der Konzeption von Entnahmeplänen massiv unterschätzen, haben sie in dne vergangenen Jahren Marktanteile an diese börsengehandelten Produkte verloren. Nicht zuletzt wird das neue Altersvorsorgedepot, das die Bundesregierung für 2027 plant, den Wettbewerb noch einmal verschärfen.

Höhere Verzinsungen sind dabei ein wichtiges Argument im Produktvergleich.


Was bedeutet das für Besitzer klassischer Policen?

Die klassische Lebens- und Rentenversicherung war aus Sicht vieler Privatanleger unattraktiv geworden. Niedrige Garantiezinsen von weniger als 0,9 Prozent und geringe Überschussanteile brachten die Sparer kaum voran. Zumal nach Abzug des Risikoversicherungsanteils nur Teil der Beiträge wirklich als Sparrate zum Vermögensaufbau beiträgt.

Nun ändert sich das Bild, denn Versicherte erhalten künftig höhere laufende Zinsen auf ihre angesparten Beiträge, damit wird ein größerer Teil der Überschüsse an die Kunden ausgeschüttet und die effektive Rendite steigt deutlich.

Da Lebensversicherungen neben der Verzinsung auch Garantien, Hinterbliebenenschutz und steuerliche Vorteile bieten, die in Niedrigzinszeiten an Attraktivität verloren hatten, sind die Policen plötzlich wieder im Rennen.

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