KONJUNKTUR

Chinas Exporte brechen ein - Hoffen auf Notenbank

Chinas Exporte brechen ein - Hoffen auf Notenbank
13.04.2015 08:01:00

Chinas Exporte sind überraschend eingebrochen und nähren die Konjunktursorgen in der Volksrepublik.

Die Ausfuhren fielen im März im Vergleich zum Vorjahresmonat um 15 Prozent, wie die Zollverwaltung am Montag mitteilte. Das ist das größte Minus seit rund einem Jahr. Experten hatten dagegen mit einer Zunahme um zwölf Prozent gerechnet. Zu den enttäuschenden Daten passt, dass die Weltbank ihre Wachstumsprognose für China nun leicht senkte. Die Investoren im Reich der Mitte ließen sich davon jedoch nicht die Stimmung verderben - im Gegenteil, sie setzten auf weitere Hilfen des Staates: Die Aktienkurse stiegen auf den höchsten Stand seit sieben Jahren.

Die Anleger gehen offenbar davon aus, dass neue Konjunkturmaßnahmen oder auch eine weitere Lockerung der Geldpolitik rasch wieder für Aufwind sorgen. Vize-Ministerpräsident Wang Yang hatte jüngst bereits die Marschrichtung vorgegeben und die staatlichen Stellen ermutigt, mehr Anreize für Investitionen in die Ausfuhrwirtschaft zu setzen. Die Zentralbank hat seit November in zwei Schritten die Zinsen gesenkt und weitere Maßnahmen zur Unterstützung der Konjunktur beschlossen. Volkswirte gehen davon aus, dass in den kommenden Monaten weitere Schritte folgen werden.

Analysten bringen den Rückgang der Exporte auch in Verbindung mit dem gestiegenen Kurs des Yuan, der chinesische Produkte im Ausland verteuert. Volkswirt Louis Kuijs von der Royal Bank of Scotland in Hongkong hält die Exportdaten daher für ein Warnsignal für die Wettbewerbsfähigkeit Chinas: "Es ist eine schwache Zahl, die weit hinter den Erwartungen zurückbleibt."

Auch die Weltbank sieht die konjunkturellen Perspektiven der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt nicht mehr so rosig wie bisher: Die Wirtschaftsleistung der Volksrepublik wird nach aktualisierten Schätzungen dieses Jahr um 7,1 Prozent zulegen, im kommenden Jahr um sieben Prozent und schließlich 2017 nochmals schwächer um 6,9 Prozent. Die Zahlen für 2015 und 2016 wurden gegenüber den bisherigen Erwartungen um jeweils 0,1 Punkte zurückgenommen. Die Regierung in Peking erwartet für dieses Jahr lediglich ein Plus beim Bruttoinlandsprodukt von rund sieben Prozent. 2014 waren es 7,4 Prozent. Das war die schwächste Rate seit 24 Jahren.

Die wirtschaftliche Entwicklung wird von der Führung in Peking mit großer Aufmerksamkeit verfolgt, weil eine Schwäche in der Exportwirtschaft auch Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt haben könnte. Die kommunistische Regierung fürchtet, dass es bei einem Anstieg der Erwerbslosigkeit zu Unruhen kommen könnte. Der Arbeitsmarkt hat sich bislang aber überraschend stabil gezeigt.

Reuters


Bildquelle: Jean-Francois Peron/Istockphoto
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