Am Samstag hatte sie Poroschenko bei einem symbolträchtigen Besuch diplomatische Rückendeckung gegeben und Aufbauhilfe von 500 Millionen Euro zugesagt. Während die Ukraine ihren Unabhängigkeitstag mit einer Parade feierte, führten die prorussischen Separatisten ihre Gefangenen vor.

Die deutsche Hilfe besteht vor allem in Bundesbürgschaften von einer halben Milliarde Euro für Privatinvestitionen in die zerstörte Infrastruktur. Außerdem werden 25 Millionen Euro für den Bau von Flüchtlingsunterkünften bereitgestellt und schwer verletzte Soldaten in Deutschland behandelt. Poroschenko sprach von einem "Marshall-Plan" für die Ukraine und bezeichnete Deutschland als mächtigen Freund und starken Anwalt.

Auf Seite 2: MERKEL: LAGE IST FRAGIL

MERKEL: LAGE IST FRAGIL

In der ARD betonte Merkel die große Bedeutung direkter Gespräche zwischen Russland und der Ukraine. Sie warnte aber vor überzogenen Erwartungen an den Gipfel im weißrussischen Minsk. Sie sei aber davon überzeugt, dass nur eine politische Lösung möglich sei. "Eine militärische Lösung dieses Konfliktes wird es nicht geben." Auf die Frage, ob sie mit einer russischen Invasion in der Ukraine rechne, antwortete Merkel: "Die Lage ist sehr fragil, das muss man sagen." Sie wolle keine Prognosen anstellen, sondern das in ihrer Macht Stehende tun, um Lösungen für die teils großen Meinungsverschiedenheiten zu finden.

In Kiew pochte Merkel auf das Recht der Ukraine, die politische Zukunft selbst zu gestalten. Ihr Besuch wurde dort als starkes Signal der Unterstützung gewertet. Merkel betonte, dass sie das Land am Vorabend des Jahrestages seiner Unabhängigkeit von der Sowjetunion und 75 Jahre nach der Unterzeichnung des Hitler-Stalin-Paktes besuche. In der ARD sagte sie auch, sie wolle einen Weg zu einer Lösung finden, der Russland nicht schade. Man wolle weiter gute Beziehungen zu dem Land haben.

Auf Seite 3: WAFFENKLIRREN IN KIEW UND DONEZK

WAFFENKLIRREN IN KIEW UND DONEZK

Poroschenko kündigte anlässlich des Unabhängigkeitstages an, die Armee aufzurüsten. Dafür seien bis 2017 umgerechnet rund 2,2 Milliarden Euro vorgesehen. In Kiew marschierten 1500 Soldaten durch die Straßen, gefolgt von Schützenpanzern und Lastwagen mit Raketensystemen. Tausende Menschen strömten auf den Unabhängigkeitsplatz und tauchten den Maidan in ein Meer aus blau-gelben Flaggen. Poroschenko erklärte, die Ukraine werde auf absehbare Zeit mit militärischen Bedrohungen zu rechnen haben.

Seit April sind bei Gefechten im russisch geprägten Osten der Ukraine nach einer Schätzung der Vereinten Nationen mehr als 2000 Menschen getötet worden. Am Sonntag wurde in Donezk das Gelände des größten Krankenhauses von Artilleriefeuer getroffen.

Als Reaktion auf die Parade in Kiew zwangen die Rebellen Gefangene aus den Reihen der Regierungstruppen zu einem Marsch durch Donezk. Die Soldaten gingen nach Beobachtungen eines Reuters-Korrespondenten gesenkten Hauptes und wurden von einer Menschenmenge als "Faschisten" beschimpft. Die Ankunft der Gefangenen wurde über Lautsprecher angekündigt: "Wir sehen jetzt die Leute, die geschickt wurden, um uns zu töten", hieß es. Aus der Menschenmenge wurden die erschöpft wirkenden Männer mit Flaschen beworfen. Ihnen wurde zugerufen: "Auf die Knie".

Donezk gehört zu den letzten Städten unter der Kontrolle der Rebellen. Dort und in Luhansk nahe der russischen Grenze gibt es immer wieder heftige Gefechte. Vor der Zurschaustellung der Gefangenen hatten die Aufständischen zerstörtes Militärgerät der Regierungssoldaten im Zentrum von Donezk ausgestellt und damit ihre Gegenveranstaltung zu den Feiern in Kiew eingeläutet.

Reuters