STEFAN BIELMEIER

2020 ist in den USA ein Wahljahr: Facts und Figures für die Aktienmärkte

2020 ist in den USA ein Wahljahr: Facts und Figures für die Aktienmärkte
15.01.2020 17:00:00

In wenigen Monaten wird in den USA der Präsidenten gewählt. Heute weiß man zwar noch nicht einmal, wer antreten wird. Sicher ist allerdings, dass bald eine emotionsgeladene Berichterstattung und sich täglich verändernde Prognosen auf der Tagesordnung stehen werden. Da starke Emotionen bekanntlich nicht zu den besten Investitionsentscheidungen führen und viele Wahlprognosen deutlich danebenlagen, anbei einige historische Daten.

Aufgrund des komplizierten US-Wahlsystems ist für einen Sieg nicht die Mehrheit der Stimmen notwendig, sondern die Mehrheit der Wahlmänner. So erhielt auch Trump 2016 nur 46% der Stimmen, aber 57% der Wahlmänner. In fast 40% der Wahlen hatte der Sieger keine Mehrheit der Stimmen. Darüber hinaus hängt der Ausgang der Wahl immer am Ergebnis der "Swing States", das von der Neigung der Wechselwähler abhängt.

Seit dem zweiten Weltkrieg gab es 18 Wahlen und 13 Präsidenten. Dabei wurden nur drei Präsidenten abgewählt und einer verzichtete auf eine erneute Kandidatur. Die Wahrscheinlichkeit, nach einem Parteiwechsel ein zweites Mal die Wahl zu gewinnen, ist statistisch sehr hoch; lediglich Carter (1976) wurde nicht wiedergewählt. Dies würde für eine Wiederwahl Trumps sprechen.

Die historischen Daten deuten zudem darauf hin, dass die Wiederwahl eines Präsidenten eng mit der Entwicklung der Wirtschaft sowie der Aktienkurse verbunden ist. Zeigte die Wirtschaftskraft gegen Ende einer Amtszeit Schwäche oder es kam zu einer Rezession, war eine Wiederwahl unwahrscheinlicher. Auch eine schwache Aktienmarktentwicklung macht eine Wiederwahl ungewisser. Sollten die Wirtschaft und die Aktienmärkte das aktuelle Tempo halten können, würde auch dies für eine Wiederwahl von Trump sprechen.

Republikanischen Kandidaten wird zwar häufig eine stärkere Nähe zu den Kapitalmärkten nachgesagt. Allerdings haben sich die Börsen in Zeiten demokratischer Präsidenten besser entwickelt, besonders im Jahr vor und nach der Wahl. Dies ist eine Zeitpunktbetrachtung und stark davon abhängig, ob eine Rezession die US-Wirtschaft am Anfang oder Ende der Amtsperiode erschütterte. Trotzdem: Die Tendenz spricht generell für ein eher schwaches Börsenjahr 2020. Seit der Wahl Trumps entwickelten sich die Aktienmärkte für einen republikanischen Kandidaten äußerst positiv und die reinen Zahlen sprechen für eine Wiederwahl. Sollte er gewinnen, wird es schwierig werden, auch die zweite Amtszeit ohne Rezession zu überstehen. Aber nur dann wäre es möglich, dass sich die gute Aktienmarktentwicklung für weitere vier Jahre fortsetzt.

Stefan Bielmeier ist Chefvolkswirt der DZ-Bank.

Stefan Bielmeier ist Chefvolkswirt der DZ-Bank.


Bildquelle: Istockphoto, BÖRSE ONLINE