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Zum Aufwachen bestens geeignet

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11.03.2018 18:00:00

US-Investments: Für viele Anleger kamen die jüngsten Turbulenzen an den internationalen Börsen einer kalten Dusche gleich. Im Rückblick wird es sich nur um eine kurze Erfrischung gehandelt haben. Von Gastautor Armin Sabeur

Beflügelt von guten Konjunkturdaten, mangelnden Anlagealternativen und historischen Steuersenkungen in den USA kannten die weltweiten Aktienindizes über Wochen und Monate hinweg praktisch nur eine Richtung: nach oben. Potenzielle Risiken wurden vollständig ignoriert, Marktschwankungen waren kaum noch festzustellen, und die einschlägigen Volatilitätsindizes notierten bei fallender Tendenz nahe langjähriger Tiefstände. Sorglosigkeit, wohin man schaute. Ausgelöst von Inflationsängsten und Zinssorgen in Amerika ist es nun zu der seit Langem überfälligen Korrektur gekommen. In wenigen Tagen stürzte der Dow Jones in der Spitze um nahezu 3000 Punkte ab. Allein am ersten Montag im Februar gab das weltweit am meisten beachtete Börsenbarometer über 1100 Zähler ab - der nach Punkten größte Tagesverlust in der Geschichte des Dow Jones. Automatische Verkaufsprogramme und zusammengebrochene Short-Vola-Strategien haben dabei aufgrund entsprechender Rückwirkungen auf den Aktienmarkt als Turbo gewirkt. Selbstverständlich gerieten im Sog der Wall Street auch die Aktienmärkte in Asien und Europa unter Druck. Gleichzeitig schossen die einschlägigen Volatilitätsindizes wie der amerikanische VIX, aber auch der deutsche VDAX in die Höhe.



Dabei sollten die absolute Höhe der Kursausschläge sowie der Anstieg der Volatilität nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich an den grundlegenden Fundamental- und Rahmendaten nichts geändert hat. Dies gilt insbesondere bezüglich des Renditevergleichs zwischen Aktien und Renten. So glauben wir auf absehbare Zeit nicht an einen signifikanten und nachhaltigen Zinsanstieg in den USA. Die Federal Reserve wird auf mittlere Sicht nur homöopathische Zinserhöhungen vornehmen. Mit Staatsanleihen werden Anleger in den kommenden Jahren deshalb keine positiven Realrenditen erwirtschaften können. Hier liegt übrigens auch ein ganz entscheidender Unterschied zum Crash von 1987. Damals lagen die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen bei 10,2 Prozent. Aktuell sind es 2,8 Prozent.


Auf der anderen Seite verfügen die USA über attraktive Unternehmen, deren Börsenbewertungen sich auch weiterhin positiv entwickeln werden. Insbesondere in den Bereichen künstliche Intelligenz und neue Verkehrskonzepte sind die Konzerne aus dem Silicon Valley ihren europäischen Pendants deutlich überlegen. Dabei gilt unsere Aktienmarkteinschätzung übrigens unbeachtet davon, dass sich breit diversifizierte Aktienportfolios bei sehr langen Anlagehorizonten in der Vergangenheit ohnehin stets besser entwickelt haben als Rentenportfolios. In diesem Zusammenhang gilt Geduld als höchste Tugend an der Börse. Insofern betrachten wir die derzeitige Entwicklung an den weltweiten Märkten unter Führung der Wall Street als vorübergehende Korrektur. Der Ausblick für Aktien ist langfristig weiterhin positiv. Allerdings wird es zu einer Normalisierung der Volatilitäten auf einem deutlich höheren Niveau kommen, als wir es in den vergangenen Monaten erlebt haben. Diesbezüglich könnten die jüngsten Turbulenzen für die Kapitalmärkte insgesamt durchaus erfrischend gewirkt haben. Schließlich sind eine gewisse Achtsamkeit sowie die Fähigkeit zur kritischen Auseinandersetzung mit den Marktgegebenheiten immer noch der beste Schutz vor Übertreibungen nach oben - aber auch nach unten.

Neben US-Aktien bieten nach langjährigem Bärenmarkt inzwischen auch Rohstoffe wieder hervorragende Opportunitäten. Dies betrifft sowohl Industriemetalle wie auch Agrarrohstoffe. Angesichts höherer Staatsschulden und des Vertrauensverlusts in traditionelle Währungen bleibt der Edelmetallbereich ebenfalls interessant. Am Devisenmarkt besteht dagegen eine ambivalente Situation. Die Zinsdifferenz sowie die zu erwartende neue Regierung in Deutschland, verbunden mit höheren Ausgabenprogrammen und dem Ende der Austeritätspolitik im Euroraum, sprechen für einen stärkeren Dollar.

Armin Sabeur: Seine Karriere in der Finanz- und Investmentbranche begann Sabeur im Jahr 2000 als Werkstudent bei Sal. Oppenheim. Nach Abschluss seines Studiums der Betriebswirtschaftslehre betreute er als Senior Family Officer Kunden bei der SC StarConsult und der Dresdner Bank. Optinova ist eine Fonds- und Investmentberatungsgesellschaft, die aktuell drei Investmentfonds mit unterschiedlichen Schwerpunkten anbietet.

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Bildquelle: Optinova

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