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Anlagestrategie: Vier Gründe, in japanische Aktien zu investieren

Anlagestrategie: Vier Gründe, in japanische  Aktien zu investieren

WKN: A2DJHB ISIN: JP3147900009 Innovation Inc. Registered Shs

19.10.2020 06:31:00

Japans Aktienmarkt ist kaum erforscht. Deshalb sind noch viele hochqualitative Unternehmen, die nachhaltig wachsen, unentdeckt. Welche Missverständnisse daran schuld sind. Von Sophia Li

Missverständnis Nummer 1: Investoren befürchten, dass geringes Wirtschaftswachstum mit geringen Aktienrenditen einhergeht. Doch Unternehmen können auch in einer stagnierenden Wirtschaft wachsen. Zwar korrelieren Unternehmensgewinne und Aktienpreise meist mit dem Bruttoinlandsprodukt (BIP), seit den späten 90er-Jahren ist das japanische BIP nur um vier Prozent gewachsen - die Unternehmensgewinne im gleichen Zeitraum jedoch um 180 Prozent. Lukrative Titel können sogar in schrumpfenden Sektoren gefunden werden. Das macht es für Bottom-up-Investoren einfacher, Alpha zu generieren.

Missverständnis Nummer 2: Eine alternde Bevölkerung behindert das Wachstum. Investoren fürchten, dass das hohe Durchschnittsalter in Japan die Produktivität und Investitionsquote der Volkswirtschaft reduziert und gleichzeitig die Sozial- und Gesundheitsausgaben treibt. Es stimmt, dass Japans Bevölkerung überdurchschnittlich alt ist. Die Vereinten Nationen erwarten, dass bis 2050 38 Prozent der Japaner älter als 65 Jahre sein werden. Schon heute liegt ihr Anteil bei 28 Prozent. Diese vermeintliche Zeitbombe wird jedoch nicht zünden, denn sie ist Politik und Wirtschaft gut bekannt, sodass sie entschärft werden kann. Japans Regierung und Unternehmen hatten genug Zeit, um Lösungen zu finden, von denen andere alternde Volkswirtschaften lernen können. Beispielsweise konzentrieren sich japanische Hersteller in der Regel nicht auf den Binnenmarkt. Ihre Produkte stehen weltweit für Innovation und Qualität. Besonders hoch ist der Marktanteil japanischer Unternehmen im asiatisch-pazifischen Raum, wo 60 Prozent der Weltbevölkerung leben - mit stark wachsendem Einkommen. Zudem gibt es Sektoren, die von der demografischen Entwicklung profitieren. So ist Japan weltweit führend in der Automatisierung. Mehr als die Hälfte aller Industrieroboter und computergesteuerten Systeme werden dort hergestellt.

Missverständnis Nummer 3: Eine geringe Zahl von Unternehmensgründungen verringert Anlagechancen. Richtig ist, dass es Venture-Capital-Investoren in Japan schwer haben. Die jüngeren Generationen arbeiten lieber in einem sicheren Job in einem typisch japanischen Großunternehmen, als das Risiko einzugehen, eine eigene Firma zu gründen. Das deflationäre Umfeld scheint das Bedürfnis der Gesellschaft nach Sicherheit zu verstärken. Die geringe Nachfrage nach Venture Capital reduziert das Angebot, was Unternehmensgründungen wiederum erschwert - ein Teufelskreis. Für Investoren kann dieser unterentwickelte Kapitalmarkt aber von Vorteil sein. Besonders in Nischensektoren mit geringer Marktgröße gibt es oft nur ein oder zwei dominante Unternehmen und wenig Wettbewerb. Aktieninhaber können daher konstant hohe Cashflows erwarten.

Missverständnis Nummer 4: Japan hat keine qualitativen Unternehmen. Dieser Mythos basiert darauf, dass Japans Aktienmarkt unterdurchschnittlich gut erforscht ist. Die japanische Managementphilosophie unterscheidet sich deutlich, sodass es verfehlt wäre, Aktien nach westlichen Qualitätskriterien zu selektieren. Investoren brauchen tiefe Kenntnisse und müssen Kultur und Gesellschaft verstehen, um japanische Geschäftsmodelle analysieren zu können. So wird das Management durch tiefere Ziele als finanzielle Anreize motiviert. Diese nachhaltig orientierte Führung führt zu langfristig erfolgreichen Unternehmen, die qualitativ hochwertige Produkte und Dienstleistungen bieten und ihren Marktanteil kontinuierlich steigern. Das wiederum begünstigt stabile und hohe Renditen.

Dass sich diese Missverständnisse über japanische Aktien leicht widerlegen lassen, deutet auf zahlreiche vielversprechende Titel hin. Genau diese Kombination bietet Investoren die Chance, Alpha zu generieren - vorausgesetzt sie sind bereit, langfristig und forschungsbasiert zu investieren.

Sophia Li


Li hat an der Fudan-Universität (Shanghai) sowie in Harvard studiert und ist seit 2009 Fondsmanagerin bei FSSA Investment Managers, Teil von First Sentier Investors. First Sentier ist eine globale Vermögensverwaltungsgesellschaft, die Anlagelösungen für institutionelle Investoren und Kleinanleger bietet, darunter Aktien-, Anleihe-, Multi-Asset-Anlagen und Anlagen in nicht börsennotierte Infrastrukturwerte.

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