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AXEL RETZ

Die Hausse ist unkaputtbar

Die Hausse ist unkaputtbar
08.12.2014 08:14:00

Für Coca-Colas erste PET-Mehrwegflasche erfand ein Werbetexter das Wort "unkaputtbar". In periodisch wiederkehrenden Abständen werden auch Börsianer von der Überzeugung heimgesucht, dass ein bestehender Trend unzerstörbar ist. Und diese Überzeugung wird umso stärker, je näher das Ende eines Trends rückt. Es ist noch kein Jahr her, da bestand völliger Konsens darüber, dass die Ölpreise nie mehr fallen werden. Heute sind sich die Anleger sicher, dass das für die Aktienmärkte gilt.

Übermorgen ist es wieder mal soweit: Dem staunenden Publikum werden in den USA die November-Arbeitsmarktdaten präsentiert. An ihrer positiven Entwicklung hatte die US-Notenbank bekanntermaßen ihre Entscheidung zum vorsichtigen Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik festgemacht.

Was von der Arbeitsmarktstatistik zu halten ist, daran scheiden sich die Geister. Nicht nur in den USA, sondern auch hierzulande. Da Deutschland nach der Berechnungsmethode der EU nun die niedrigste Arbeitslosenquote in der Europäischen Union aufweist, rechnet die Politik schon mal gleich in Richtung der bald kommenden Vollbeschäftigung weiter.

Womit sich die Frage aufdrängt, wieso dann ein Sechstel aller Bürger nach Erhebung des Statistischen Bundesamtes in Armut lebt oder warum jeder zehnte Bewohner unseres Landes seinen Lebensunterhalt nur mit Hilfe staatlicher Transferleistungen bestreiten kann. Die verblüffende Antwort: Die Statistik ist gefälscht optimiert. Und zwar durchaus dreist. So wies die Bundesagentur für Arbeit für November 2.716.852 Arbeitslose aus, die Zahl der Arbeitslosengeldempfänger (Erwerbsfähige, die ALG1 oder ALG 2 beziehen) lag aber bei 5.130.041. Oder anders ausgedrückt: Von allen Menschen, die hierzulande Arbeitslosengeld beziehen, tauchen in der offiziellen Berechnung der Arbeitslosenquote nur gut 52,9 Prozent auf. Das mag uns Herr Weise mal erklären. Oder Frau Merkel. Oder die Rechenkünstler in Brüssel. Aber sehen wir uns einfach noch einmal ein paar Charts an:



Quelle: www.querschuesse.de

In Blau sehen Sie in dieser Abbildung die Kurve der in Vollzeit arbeitenden, sozialversicherungspflichtig Beschäftigten und in Rot die Entwicklung bei den in Teilzeit Tätigen. Ja, so geht Aufschwung. Bemerkenswert ist aber auch der nächste Chart, der uns die Anzahl der sgn. atypisch Beschäftigten zeigt, also Menschen, die von ihrer geringfügigen, befristeten oder Teilzeitarbeit in aller Regel nicht leben können.



Quelle: www.querschuesse.de

So schlimm das auch aussieht, es ist immer noch nicht die ganze Wahrheit. Denn die Selbstständigen, von denen die Meisten auch nicht besser dastehen als Arbeitnehmer in prekären Beschäftigungsverhältnissen, werden hier gar nicht mit erfasst. Sie sehen: Das politisch Gewollte ist statistisch auch machbar. Und von der Mehrheit der Bevölkerung wird es sogar geglaubt.

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