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Eine Immobilien-Blase lässt sich nicht herbeireden

Eine Immobilien-Blase lässt sich nicht herbeireden
17.07.2018 02:00:00

Auch wenn die Preisanstiege der vergangenen Jahre unheimlich erscheinen, ist Wohnraum keineswegs zu teuer. Im internationalen Vergleich besteht sogar Nachholbedarf. Von Gastautor Theodor J. Tantzen

Sie sind immer wieder zu hören - die Unkenrufe eines nahenden Crashs am Immobilienmarkt! Je länger der Aufschwung anhält, desto lauter werden die pessimistischen Stimmen - wohl nicht zuletzt auch vor dem Hintergrund, dass die Preisentwicklung seit nunmehr acht Jahren nur steigende Tendenzen zeigt. Vielen Marktbeobachtern ruft dies schmerzlich in Erinnerung, dass frühere Boomphasen spätestens nach neun Jahren endeten, und zwar mit enormen Zinserhöhungen in den 70er- und 90er-Jahren. Doch alles spricht gegen einen Immobilien-Crash. Denn: Es gibt keine Blase auf dem deutschen Markt - auch wenn viele sie herbeireden möchten. Voraussetzung für einen drohenden Zusammenbruch wäre eine lockere Kreditvergabepraxis, aber davon sind wir in Deutschland weit entfernt. In den meisten anderen Staaten der Europäischen Union sowie den USA werden im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung deutlich mehr Baukredite vergeben. Die Deutschen tendieren vielmehr zu sehr soliden Finanzierungsmodellen mit langen Zinsbindungen.



Auch stetig steigende Preise müssen nicht zwangsläufig ein Indiz für eine Blase sein, selbst wenn sich in einigen wenigen Ballungsgebieten, beispielsweise in München, Tendenzen einer leichten Überbewertung abzeichnen. Im Vergleich zu anderen Ländern sind die Wohnungspreise - gerade in Metropolregionen - äußerst moderat gestiegen. Betrachtet man die Bedeutung des Wirtschaftsstandorts Deutschland, wäre eine breitere Preisanpassung (nach oben!) sogar ein längst überfälliger Schritt. Selbst während der Finanzkrise zeichnete sich der hiesige Immobilienmarkt durch große Stabilität aus, was für einen langfristigen, kontinuierlichen Aufschwung spricht. Der ehemalige Vizepräsident der Europäischen Zentralbank, Vítor Constâncio, plädiert für eine größere Anlagebereitschaft in puncto Immobilienerwerb, denn: Statt das Kapital gewinnbringend zu investieren, ließen die Deutschen zu viel Geld auf ihrem Konto liegen.


Der Preisanstieg schwächt sich zurzeit etwas ab, dennoch bewegen sich die Teuerungsraten in Großstädten immer noch im zweistelligen Bereich. Am Rand der wachsenden Metropolen und im direkten Umland beschäftigungsstarker Großstädte gibt es ebenfalls äußerst attraktive Anlageobjekte, die hohe Wertzuwächse aufweisen und durch den stabilen Wirtschaftsaufschwung kontinuierlich an Bedeutung gewinnen. Demgegenüber stehen die weiterhin günstigen Kredite. Niedrige Zinsen werden auch in nächster Zeit noch für einen lukrativen Finanzierungsrahmen sorgen. Zwar wird die Europäische Zentralbank ihre Geldpolitik bereits in diesem Jahr straffen, was jedoch ein weiteres Argument für eine sichere Investition in Immobilien ist.

Darüber hinaus ist ein Immobilienerwerb immer ein langfristiges Engagement, das kurzfristige Schwankungen durch die in Deutschland übliche lange Zinsbindung sehr gut kompensiert. So wundert es kaum, dass immer mehr Anleger den Wohnungskauf als festen Bestandteil ihrer Altersvorsorge verstehen. Der demografische Wandel sorgt für eine voraussichtliche Abschwächung der staatlichen Renten, der Zinsverfall für eine Minderung der privaten Vorsorge durch Geldanlagen - so ist der Erwerb von Eigentum durchaus stärker in den Fokus vieler Erwerbstätiger gerückt. Die Löhne steigen, womit mehr Geld für Wohnraum zur Verfügung steht. Dabei handelt es sich stets um Wohnungssuchende in und um Großstädte. Denn dort, wo die Wirtschaft floriert, boomt auch der Immobilienmarkt.

Die meisten suchen hier nach flexiblem Wohnraum, der sich an unterschiedliche Lebensphasen anpassen lässt. Viele verzichten eher auf einige Quadratmeter Wohnfläche, bleiben dafür lieber in Stadtnähe. Dies betrifft sowohl die Berufseinsteiger und -aufsteiger als auch Best Ager und Senioren, die in der Stadt eine bessere Versorgung finden als weit außerhalb. Die Wohnungspreise in den Metropolregionen werden also - anders als auf dem Land - weiter steigen: vielleicht langsamer als in der Vergangenheit, aber beständig.

Theodor J. Tantzen: hat mehr als 35 Jahre Erfahrung im Immobiliengeschäft und verantwortete bereits viele Projektentwicklungen im Denkmal- und Neubausektor. 2002 gründete er mit Frank Lotz die Prinz von Preussen Grundbesitz AG. Er ist Vorstandsmitglied des Bauträgerunternehmens in Bonn, das sowohl historische, denkmalgeschützte und restaurierte Bauwerke als auch Neubauprojekte in exklusiven Lagen entwickelt und vermarktet.


Bildquelle: Prinz von Preussen Grundbesitz AG
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