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Exportnation Deutschland: Im Sog des Handelsstreits

Exportnation Deutschland: Im Sog des Handelsstreits

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19.08.2019 - 19:55
02.08.2019 19:00:00

Im Handelsstreit zwischen den USA und China herrscht vorerst Waffenstillstand. Doch die Folgen des Konflikts haben längst globale Auswirkungen, denen sich insbesondere die Exportnation Deutschland nicht entziehen kann. Von Max Holzer, Gastautor für €uro am Sonntag

Seit mehr als einem Jahr verdüstert der Handelskrieg die Aussichten am Kapitalmarkt. Auch wenn sich US-Präsident Donald Trump und Chinas Staatspräsident Xi Jinping auf dem G20-Gipfel im Juni auf einen Waffenstillstand geeinigt haben, ist keine langfristige Lösung des Konflikts in Sicht. Der Handelsstreit kann ­jederzeit wieder eskalieren. Nicht zuletzt, weil es um mehr geht als Zölle und Protektionismus. Es geht um globale Machtverhältnisse und die Technologie- Marktführerschaft.

Dabei ist der Konflikt kein fernes Donnergrollen, sondern hat bereits heute zu Blitzeinschlägen in der Wirtschaft geführt. Besonders betroffen sind export­orientierte Nationen. Denn durch den zunehmenden Protektionismus gerät der Welthandel ins Stocken. Deutschland spürt die negativen Effekte bereits sehr deutlich, wie die Unternehmensbilanzen zeigen. In keinem anderen Industrieland sind die Gewinne 2018 so stark eingebrochen wie in Deutschland - das ergab die Analyse der Gewinnentwicklung der 1000 umsatzstärksten Konzerne der Welt. Die Gewinne vor Steuern und Zinsen der deutschen Firmen gingen 2018 im Vergleich zum Vorjahr um etwa zehn Prozent zurück. Die Gewinnwarnungen von BASF und Daimler vor wenigen Wochen verdeutlichen, wie prekär die Lage ist.

Insbesondere die wirtschaftliche Abschwächung in China, unter anderem infolge des Handelsstreits, trifft die deutschen Firmen ins Mark. Schließlich ist das Reich der Mitte Deutschlands wichtigster Handelspartner. Vor allem die rückläufige Nachfrage nach Autos in China belastet die Autobauer hierzulande. Aber auch weltweit geht der Pkw-Absatz zurück. Hinzu kommt: Die deutschen Autos verlieren an Wettbewerbsfähigkeit. Ein BMW, der in den USA produziert und dann nach China exportiert wird, verteuert sich aufgrund der Strafzölle für den chinesischen Konsumenten. Neben den negativen Auswirkungen des Dieselskandals sind das keine guten Vorzeichen für die deutsche Prestigeindustrie.

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Und ihre Schwäche strahlt auf andere Bereiche ab, wie etwa Chemie oder Maschinenbau. Nach vorn gerichtet kommt eine negative Kettenreaktion in Gang. Firmenchefs halten sich aufgrund der Schwäche im Welthandel mit Investitionen zurück. Dies schmälert wiederum die Auftragsbücher in der Industrie - der Effekt verstärkt sich.

Zyklische Branchen stehen vermehrt unter Druck


Die Volkswirte bei Union Investment rechnen daher mit einem Schrumpfen des deutschen Bruttoinlandsprodukts im zweiten Quartal. Aber ganz wichtig: Wir rechnen nicht mit einer Rezession. Denn im Gegensatz zur Auto- und Maschinenbauindustrie gibt es auch Branchen, bei denen es gut läuft. So boomen die weniger exportabhängigen Indus­trien wie beispielsweise die Bauwirtschaft. Auch bei konsumnahen Dienstleistungen und im Handel ist keine Schwäche zu spüren. Mit Blick nach vorn dürfte sich die Schere noch weiter öffnen: Während der Einkaufsmanager­index für den Bereich Dienstleistungen zulegt, liegt der für das verarbeitende Gewerbe unterhalb der Wachstumsschwelle. Deutschland steht dabei für ein typisches Muster, das sich so ähnlich auch in anderen Ländern wiederholt.

Am Kapitalmarkt stehen daher zyklische, das heißt konjunkturabhängige, Branchen unter Druck. Eher robuste Geschäftsmodelle, etwa mit Ausrichtung auf den lokalen Markt, sind gefragt. Da die Notenbanken auf die Eintrübung mit weiteren Lockerungen reagiert oder entsprechende Schritte angekündigt haben, profitieren auch Anlagen mit zinsähnlichen Auszahlungsprofilen abseits der Anleihemärkte. Das sind etwa Aktien mit stabiler Dividende.

Für Multi-Asset-Anleger bedeutet das: Aktivität und Wachsamkeit sind gefragt. Während Investoren die Autoindustrie und Maschinenbau-Unternehmen derzeit meiden sollten, bieten sich Chancen bei weniger exportabhängigen Branchen - sowohl bei Aktien als auch bei Anleihen der Konzerne. Auf Länder­ebene bevorzugen wir mehr binnenorientierte Volkswirtschaften wie die USA. Im Rohstoffbereich bieten sich Edelmetalle aufgrund der geopolitischen Spannungen als Portfolio-Beimischung an. Während Gold schon weit gelaufen ist, sind bei Silber und Platin noch Preissteigerungen zu erwarten.

Kurzvita

Max Holzer
Leiter Relative Return bei Union Investment
Holzer leitet seit 2017 bei Union Investment die Abteilung Relative Return ­innerhalb des Bereichs Multi Asset. Zuvor führte er von 2004 bis 2016 die Einheit Asset Allocation. Union Invest­ment ist die Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken und mit aktuell rund 330 Milliarden Euro verwaltetem ­Vermögen einer der größten deutschen ­Vermögensverwalter ­ für private und insti­tutionelle Anleger.

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Bildquelle: Carsten Lerp

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