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Grundsteuer: Eine Art politischer Boykott

Grundsteuer: Eine Art politischer Boykott
15.05.2019 19:00:00

Die Wohneigentumsquote in Deutschland ist eine der niedrigsten Europas. Doch statt diese zu fördern, dreht die Regierung weiter an der Steuerschraube. Von Theodor J. Tantzen, Gastautor für €uro am Sonntag

In der scheinbar endlosen Ära der Nullzinsen sind die Möglichkeiten einer soliden Vermehrung des eigenen Vermögens nicht sonderlich groß. Weder der heimische Kapitalmarkt noch die internationalen Börsen geben den Bürgern die nötigen Signale, um eigenes Vermögen auf- und auch auszubauen. Es gibt eine Ausnahme: Immobilien. Sie sind mehr denn je ein höchst empfehlenswertes, solides Investment für Anleger.

Doch wer hat tatsächlich die Möglichkeit, sich Hauseigentum zuzulegen? Seit Jahren liegt der Anteil der Immobilienbesitzer in Deutschland konstant bei rund 47 Prozent. Das ist im internationalen Vergleich nicht unbedingt ein vorzeigbares Aushängeschild. Trotz massiven Wohnungsmangels hat die Politik eine Steigerung der Quote der Immobilienbesitzer offensichtlich nicht auf der Agenda.

Bisher waren die finanziellen Rahmenbedingungen aufgrund der Niedrigzinsen ausgesprochen vorteilhaft. Nullzinsen beflügeln in der Baubranche das Investitionsklima. Doch die Politik handelt kontraproduktiv: Mit Erhöhungen der Grunderwerbsteuer belasteten einzelne Bundesländer in den vergangenen Jahren das Budget der Kaufwilligen erstmals. Was Bauherren an Bankzinsen für ihre Kredite einsparten, ging somit - etwa in Nordrhein-Westfalen - über die Steuer in den Länderhaushalt. Individueller Vermögensaufbau durch Eigentumserwerb ist nur begrenzt möglich.

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Die geplante Reform der Grundsteuer wird Immobilienbesitzer stark belasten. Erste Auswertungen zeigen, dass die neu geregelte Grundsteuer gerade in den Großstädten Immobilienbesitzer und Mieter teuer zu stehen kommen wird: Erste Berechnungen des Eigentümerverbandes Haus und Grund gehen von einer beträchtlichen Kostensteigerung bei der Grundsteuer - etwa in Berlin und Leipzig - von über 600 Prozent aus.

In Dresden wurde für ein Einfamilienhaus sogar eine Steigerung von 4800 Prozent errechnet. Wer glaubt da noch an das hehre Versprechen der Aufkommensneutralität? Höhere Steuern werden vermutlich auch künftig über die Nebenkosten auf die Mieter durchschlagen. Sicher ist: Die neue Grundsteuer wird die Investitionen in der Baubranche stark bremsen.

Mit diesem Vorgehen können sich sicherlich nur die verschuldeten Kommunen komfortabel sanieren. Vergessen unsere Politiker, dass das Wohnen in Metropolregionen ohnehin schon in den letzten Jahren immer teurer geworden ist? Als seien fehlendes Bauland und der Mangel an Fachkräften allein nicht schon branchenhemmend genug.

Wie sollen Bürger derzeit Vermögen aufbauen? Seit Jahren propagiert unsere Regierung unablässig, dass angesichts der demografischen Entwicklung der individuelle Vermögensaufbau für die Altersversorgung unverzichtbar sei. Wer sich auf die gesetzliche Rentenversicherung allein verlässt, dem drohen im Alter später mitunter existenzielle Sorgen.

Die Kluft beim Vermögen der Bürger wird immer größer


Wer überhaupt Geld zur Anlage erübrigen kann, wer riskante Börsengeschäfte scheut, der findet derzeit am Geldmarkt keine lukrativen Anlagemöglichkeiten. Wer sich entscheidet, stattdessen Wohneigentum zu erwerben, steht nun vor einem ungeahnten Kalkulationsrisiko: der neuen Grundsteuer.

Es verwundert nicht, dass hierzulande die Kluft beim Vermögen der Bürger immer größer wird. Reichtum ist heute schon höchst ungleich verteilt, bilanzierte jüngst die Bundesbank. Hohes Vermögen hängt unweigerlich mit Immobilienbesitz zusammen. Es ist am naheliegendsten, dass der Mittelstand in die Lage versetzt werden muss, Wohneigentum zu erwerben.

Mit den gewaltig steigenden Belastungen dürfte die neue Grundsteuer einer breiten Bevölkerungsschicht aber die Chance nehmen, Vermögensaufbau durch Immobilienerwerb zu betreiben - und das in einer historischen Niedrigzins-Ära. Es ist höchste Zeit, dass sich die Politik über die Folgen ihrer Grundsteuerreform klar wird. Wer - etwa in der Altersversorgung - weniger Staat will und mehr finanzielle Vorsorge der Einzelnen fordert, der muss in der Politik auch die geeigneten Rahmenbedingungen schaffen. Derzeit ist dies leider nicht der Fall.

Kurzvita


Theodor J. Tantzen
Vorstand der Prinz von Preussen Grundbesitz AG
Tantzen ist Mitgründer und Aktionär der Prinz von Preussen Grundbesitz AG in Bonn. Die Kernkompetenz des Bauträgerunternehmens liegt in der Entwicklung, Umsetzung und Vermarktung ­sowohl historischer, denkmalgeschützter und restaurierter Bauwerke als auch von Neubauprojekten.

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Bildquelle: Prinz von Preussen Grundbesitz AG
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