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Holen Sie sich Ihr Geld von der Bank zurück

Holen Sie sich Ihr Geld von der Bank zurück
10.12.2014 08:48:37

Mit Hinweis auf eine falsche Widerrufsbelehrung können Immobilienbesitzer aus teuren Krediten aussteigen. Der Widerrufsjoker funktioniert auch bei Vorfälligkeitsentschädigungen, meint Roland Klaus, Gründer der Interessengemeinschaft Widerruf.



von Roland Klaus, Gründer der Interessengemeinschaft Widerruf

Die besinnliche Adventszeit ist für viele ein willkommener Anlass, einmal zurückzuschauen. Mancher Immobilienbesitzer erinnert sich dabei mit Schrecken an eine Vorfälligkeitsentschädigung, die er gezahlt hat, um vorzeitig aus seiner Baufinanzierung auszusteigen. Dabei geht es nicht selten um etliche Tausend Euro, die die Bank kassiert hat, um den Kredit vor dem ursprünglich geplanten Ende abzuwickeln.

Mit etwas Glück können Sie sich dieses Geld zurückholen. Denn der Widerrufsjoker, mit dem Häuslebauer aus ihrem Vertrag aussteigen können, wenn dieser eine falsche Widerrufsklausel beinhaltet, kann nicht nur für laufende Kredite ausgespielt werden. Er kann auch für Kredite, die man in der Vergangenheit durch Zahlung einer Vorfälligkeitsentschädigung beendet hat, eingesetzt werden. Beinhaltet der Kreditvertrag nämlich eine unklare oder falsche Widerrufsbelehrung, dann wurde die Vorfälligkeitsentschädigung von der Bank zu Unrecht erhoben und ist zurückzuzahlen.

Die Argumentation verläuft folgendermaßen: Ist die Widerrufsbelehrung unklar formuliert, dann weiß der Kreditnehmer nicht, wann seine üblicherweise 14-tägige Widerrufsfrist zu laufen beginnt. Dies hat zur Folge, so sagen höchstrichterliche Urteile, dass die Frist überhaupt nicht zu laufen beginnt und der Vertrag auch Jahre später noch wirksam widerrufen werden kann. Juristen sprechen hier von einem sogenannten "ewigen Widerrufsrecht". Für einen Vertrag, der jederzeit widerrufen werden kann, muss der Kreditnehmer aber auch keine Vorfälligkeitsentschädigung bezahlen. Wurde sie bereits bezahlt, dann kann sie zurückgefordert werden - und zwar verzinst. Wer nun glaubt, dies mit einem freundlichen Schreiben an die Bank erledigen zu können, der täuscht sich. Unsere Erfahrung bei der IG Widerruf (www.widerruf.info) zeigt, dass die Banken solche Schreiben erst dann ernst nehmen, wenn sie von einem Anwalt kommen. Enthält der Vertrag aber klare Fehler, dann zeigen sich viele Kreditinstitute nach Einschaltung eines Rechtsbeistands verhandlungsbereit.

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Bildquelle: privat
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