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GASTBEITRAG

Kolumne: Krypto-Assets in ESG-Portfolios - das sollten Sie wissen

Kolumne: Krypto-Assets in ESG-Portfolios - das sollten Sie wissen
26.03.2021 06:46:00

Das Thema Umwelt, Soziales und Governance, kurz ESG, wird in- und außerhalb der Krypto-Community intensiv, häufig sogar kontrovers diskutiert. Und dies mit Recht, denn viele Investoren fragen sich, wie sie mit ihren Anlageentscheidungen auf die großen ökologischen Herausforderungen unserer Zeit positiv Einfluss nehmen können. Von Gastautor Martin Schmidt

Anlagen in Krypto-Assets sind selbstverständlich ein wichtiger Teil dieser Betrachtung. Zahlreiche Stimmen kommentieren den Energieverbrauch von Bitcoin und anderer Krypto-Asset vor allem kritisch. Geschieht das zu Recht? Bei einer differenzierteren Betrachtung wird schnell deutlich, dass das Thema nicht ganz so einfach ist, wie es oftmals dargestellt wird.

Dass der Betrieb des Bitcoin-Netzwerks Energie verbraucht, ist eine Tatsache. Der sogenannte Proof-of-Work-Mechanismus, der die Sicherheit der Bitcoin-Blockchain garantiert, beruht auf dem namensgebenden Prinzip, dass die Miner "Arbeit" verrichten müssen. Diese erfolgt durch das Lösen von Rechenaufgaben, die strukturell zwar trivial sind, aber sehr viel Rechenaufwand erfordern. Dazu müssen die Miner energieintensive Rechenzentren betreiben.

Einen Großteil der Energie, die für das Mining aufgewendet wird, stammt jedoch aus regenerativen Energien wie Wasserkraft und Solar. Schätzungen des Krypto-Unternehmens CoinShares zufolge sind dies derzeit rund 74 Prozent. Tendenz steigend. Im Vergleich zu anderen Branchen (weltweit tragen Erneuerbare nur rund 27 Prozent zum Energiemix in der Stromerzeugung bei) ist das Bitcoin-Mining also heute schon verhältnismäßig nachhaltig und "grün". Die CO2-Bilanz stellt sich dementsprechend positiver dar, als man auf Basis des Gesamt-Energie-Verbrauchs vermuten könnte.

Außerdem: Krypto ist nicht gleichzusetzen mit Bitcoin. Viele neuere Protokolle setzen nicht mehr auf das Proof-of-Work-Prinzip, sondern nutzen andere Mechanismen wie das so genannte Proof-of-Stake, um ihre Blockchains abzusichern. Diese benötigen nur noch eine äußerst geringe Menge an Energie, der CO2-Fußabdruck geht gegen Null. Ethereum, die nach Marktkapitalisierung zweitgrößte Blockchain, befindet sich bereits in der Umstellung auf das Proof-of-Stake-Verfahren. Bis die Umstellung vollzogen ist, kann es noch ein paar Jahre dauern, die Richtung ist allerdings heute schon klar.

Allein diese beiden Aspekte nehmen dem Thema bereits viel von seiner Schärfe. Weitere Aspekte, deren Aufzählung den Rahmen sprengen würden, gehen in die gleiche Richtung: Die Realität stellt sich deutlich weniger dramatisch dar, als man dies manchmal auf Basis von reißerischen Berichten vermuten könnte.

Gleichwohl hat ein Krypto-Portfolio einen CO2-Fußabdruck, der im Regelfall größer Null ist. Wie können Investoren mit diesem Thema umgehen? Ganz einfach: Wie bei anderen Anlageformen auch lässt sich die CO2-Bilanz von Krypto-Assets ermitteln. Ist dies einmal getan, kann man diese mit anderen Anlagealternativen vergleichen und auf dieser Basis rationale Portfolioentscheidungen treffen. Setzt man den CO2-Verbrauch von Bitcoin ins Verhältnis zum investierten Kapital, stellt man fest, dass sich Bitcoin gar nicht so sehr von anderen Anlagen unterscheidet. Hat man beispielsweise mit Airlines und Zementherstellern echte Klimasünder im Portfolio, braucht man sich um eine kleine Bitcoin-Beimischung keine großen Sorgen machen. Im Vergleich zu Gold weist Bitcoin zwar eine schlechtere primäre CO2-Bilanz auf, die sekundären Effekte (Umweltverschmutzung und Landschaftsverbrauch durch Goldminen, CO2-Belastung durch Lagerung und Transport) sind jedoch bei Gold deutlich schlechter - und auch in Bezug auf die Kriterien "S" und "G" ist Bitcoin deutlich vorteilhafter als Gold.

Haben Krypto-Assets also einen Platz in ESG-orientierten Portfolios? Ein klares Ja. Gerade die hohe Transparenz von Krypto-Assets bietet Anlegern hervorragende Möglichkeiten, ihre Positionsgrößen auch in Bezug auf ESG-Kriterien bewusst zu steuern.

Über Martin Schmidt:

Martin Schmidt ist Geschäftsführer der Düsseldorfer Beratungs- und Beteiligungsgesellschaft Postera Capital GmbH, die sich auf Blockchain und Investitionsmöglichkeiten in Krypto-Assets spezialisiert hat. Bei Postera beschäftigt er sich mit der Analyse und Bewertung von Krypto-Assets und der Strukturierung geeigneter Anlageprodukte für diese junge Investmentklasse. In Deutschland bietet Postera seit 2018 den ersten regulierten, offenen Krypto-Fonds für vermögende Anleger an.

Über Postera Capital

Postera Capital ist eine Beratungs- und Beteiligungsgesellschaft für Krypto-Assets und Blockchain sowie Initiator des Postera Fund - Crypto I.

Das Unternehmen wurde 2017 mit der Vision gegründet, Investitionen in Krypto-Assets für professionelle Anleger zugänglich zu machen. Postera Capital bietet Beratungsdienste, Anlageconsulting und Research an. Im Jahr 2018 lancierte Postera Capital den Postera Fund - Crypto I, den ersten nach EU-Recht regulierten Krypto-Fonds. Mit diesem Schritt gelang es Postera Capital, die Hürden für professionelle Anleger zu senken, um sich an der neuen Anlageklasse zu beteiligen.

Rohstoffe in diesem Artikel

CO2 European Emission Allowances 25,15 -0,35
-1,37
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