DAX 15.473 2,5%  MDAX 34.330 1,3%  Dow 34.022 -1,3%  Nasdaq 15.878 -1,6%  Gold 1.781 0,3%  TecDAX 3.877 1,0%  EStoxx50 4.179 2,9%  Nikkei 27.936 0,4%  Dollar 1,1321 -0,1%  Öl 68,9 -2,4% 
PERSPEKTIVEN

Lutz Neumann: Schlechte Gefühle beim häufigen Blick ins Depot

Lutz Neumann: Schlechte Gefühle beim häufigen Blick ins Depot
01.10.2021 16:30:33

Auf lange Sicht bieten Aktien ordentliche Renditen. Gastautor Lutz Neumann rät Anlegern deshalb, sie sollten ihre Depotstände eher sporadisch prüfen, um nicht überstürzt zu handeln. Von Gastautor Lutz Neumann

Der Ratschlag von Börsenguru André Kostolany war eindeutig: "Kaufen Sie Aktien, nehmen Sie Schlaftabletten, und schauen Sie die Papiere nicht mehr an. Nach vielen Jahren werden Sie sehen: Sie sind reich." Dass diese Weisheit auch heute noch nichts an Aktualität verloren hat, beweist eine aktuelle Untersuchung der Sutor Bank zu Aktienrenditen.

Wer häufig in sein Depot schaut, um sich an der Rendite seiner Anlage zu erfreuen, hat beste Chancen, enttäuscht zu werden. Wer hingegen deutlich seltener nachguckt, beispielsweise nur einmal im Jahr, wird sich erheblich besser fühlen. Zu diesem Ergebnis kommt unsere Studie, in der die jährlichen Aktienrenditen des DAX aus den vergangenen 48 Jahren sowie die monatlichen DAX-Renditen aus den 48 Monaten der Jahre 2017 bis 2020 untersucht wurden.

Rendite in Dreiecksform

Unsere Finanzexperten haben dazu Renditedreiecke erstellt. Dabei wurden für die gewählten Zeiträume sämtliche möglichen Kombinationen der Anlagehorizonte betrachtet. Das sind bei 48 Jahren beziehungsweise 48 Monaten jeweils 1176 Möglichkeiten. Bei einem Renditedreieck werden positive Renditen grün dargestellt und negative Renditen in Rot. Weiß steht für eine Rendite von minus einem Prozent bis plus einem Prozent.

Börsenkompetenz seit über 30 Jahren

Wöchentlich mehr Themen, Strategien, Tipps und Empfehlungen von den Profis. Abonnieren Sie jetzt BÖRSE ONLINE!

Zu unseren Angeboten

Was bei der 48-Jahre-Betrachtung auf den ersten Blick auffällt: Die Farbe Grün dominiert eindeutig, 93 Prozent grünen Kästchen stehen rund fünf Prozent rote und zwei Prozent weiße Kästchen gegenüber. Auf Jahressicht - innerhalb dieses fast ein halbes Jahrhundert langen Zeitraums - verzeichnen Anleger fast durchweg positive Renditen und werden darin bestätigt, dass es eine gute Entscheidung war, in den DAX zu investieren. Sie können ihr Geld mit einem Investment in den DAX ordentlich vermehren - und das ohne hektisches Handeln, sondern mit Ruhe und Gelassenheit. In den vergangenen 48 Jahren ließ sich im Schnitt eine Rendite von sieben Prozent erwirtschaften - pro Jahr.

Die Farbenlehre des DAX

Es reicht nach unserer Ansicht also im Prinzip ein Blick auf das Renditedreieck am Jahresanfang, um sich zu vergewissern, dass das Portfolio das zurückliegende Jahr wahrscheinlich wieder im grünen Bereich abgeschlossen hat. Für Anleger, die sehr oft in ihr Depot schauen, um sich über ihre aktuellen Renditen zu informieren, haben wir die Renditen der vergangenen vier Jahre nach Monaten aufgeschlüsselt. Und siehe da: Das Renditedreieck sieht bei der Monatsbetrachtung vollkommen anders aus.

Hier gibt es deutlich mehr Rot, gleichbedeutend mit negativen Renditen. Rund 40 Prozent rote Kästchen sorgen bei der Monatsbetrachtung für ein erheblich schlechteres Gefühl - rund 44 Prozent Grün und gut 16 Prozent Weiß können das kaum ausgleichen. Schnell könnten Anleger schon bei monatlicher Betrachtung zu dem Schluss kommen, dass sich die Anlage in den DAX nicht rechnet, und unruhig werden. Wer dann meint, bei kurzfristigen Einbrüchen und Verlusten gleich reagieren zu müssen, könnte schnell das Falsche tun.

Anleger sollten sich daher von kurzzeitigen Ausschlägen nach unten nicht verrückt machen lassen. Ein nur sporadischer Depotcheck ist die wesentliche Folgerung - auch wenn diese Vorgehensweise immer schwieriger durchzuhalten sein dürfte. Denn technische Möglichkeiten wie Realtime-Kurse, Depotführung per Smartphone und die menschliche Wesensart verleiten genau zum Gegenteil: "Nur kurz den Depotstand checken."

Nur wer investiert, kann gewinnen

Doch gilt es, sich dafür eine andere Weisheit von André Kostolany vor Augen zu halten: "Wer die Aktien nicht hat, wenn sie fallen, der hat sie auch nicht, wenn sie steigen." Diese Aussage macht deutlich, dass nur Anlegerinnen und Anleger, die investiert sind, auch von den Renditen des Kapitalmarkts profitieren können - was obendrein auf lange Sicht für mehr Glücks- als Störgefühle sorgt.

 


Lutz Neumann ist Leiter Vermögensverwaltung der Hamburger Sutor Bank, die vor 100 Jahren von Max Heinrich Sutor gegründet wurde. Die Privatbank betreut vermögende Privat- kunden, unterstützt und managt Stiftungen und bietet Sparern mit der Vermögens- verwaltung einen unkomplizierten Einstieg in den Kapitalmarkt. Darüber hinaus ist das Geldhaus ein innovativer Partner der Technologie- und Fintechszene.


Exklusiv in BÖRSE ONLINE schreiben renommierte Finanzexperten und Investmentprofis über Themen wie Börse und Geldanlage. Weitere Gastkommentare finden Sie im Internet unter: www.boerse-online.de/meinungen-und-perspektiven

pagehit
Inhalt wird geladen
Zur aktuellen Ausgabe