DAX 15.170 -0,6%  MDAX 33.711 -0,2%  Dow 34.580 -0,2%  Nasdaq 15.712 -1,7%  Gold 1.783 0,0%  TecDAX 3.759 -0,4%  EStoxx50 4.080 -0,7%  Nikkei 28.030 1,0%  Dollar 1,1311 0,0%  Öl 70,1 -0,5% 
GASTBEITRAG

Mark Hawtin: Mikrofabriken sorgen für disruptives Wachstum

Mark Hawtin: Mikrofabriken sorgen für disruptives Wachstum
08.10.2021 16:00:02

Das industrielle Internet der Dinge (IIoT) bietet nach Ansicht von Gastautor Mark Hawtin zahlreiche neue, spannende und differenzierte Investmentmöglichkeiten für Anleger.

Die Industrie weltweit entwickelt sich mit zunehmender Geschwindigkeit durch künstliche Intelligenz (KI), fortschrittliche Robotik und das Internet der Dinge (IoT) weiter. Die Auswirkungen dieser Entwicklung dürften sich auch in zahlreichen Sektoren zeigen, die bislang kaum von Disruptionen betroffen waren - beispielsweise der Einzelhandel, die Werbe- oder die Unterhaltungsbranche. Eine jüngst veröffentlichte McKinsey-Studie schätzt den wirtschaftlichen Wert der Fertigungsindustrie bis zum Jahr 2025 auf 1,7 bis 3,7 Billionen US-Dollar. Accenture erwartet einen noch höheren Gewinn und rechnet mit einem weltweiten BIP-Wert von 15 Billionen US-Dollar bis 2030 durch Investitionen in das industrielle IoT.

Diese beträchtliche Leistung erweitert die Reichweite der digitalen Disruption auf zusätzliche Marktsegmente wie die Industrie, das Gesundheitswesen und die Transportbranche. Und das untermauert unsere Behauptung, dass Technologie mittlerweile nicht länger einen vertikalen, sondern einen horizontalen Wirtschaftsfaktor und somit eine absolute Notwendigkeit darstellt. Wir sind der festen Überzeugung, dass die sich bietende Chance von derartig umfangreicher Tragweite sein wird, dass wir in den kommenden zehn bis 15 Jahren eine Umkehrung der bisherigen Globalisierung im Bereich der Produktion erleben werden.

Die Technologie bietet die erforderlichen Voraussetzungen zur Veränderung der traditionellen Wettbewerbsordnung. Entwicklungsländer mit unqualifizierten und billigen Arbeitskräften in der Produktion werden durch die zunehmende Automatisierung von einfachen routinemäßigen Arbeitsabläufen vor große Herausforderungen gestellt. Durch Innovationen und neue Ökosysteme eröffnen sich neue Wege in der Fertigung, die einen umfassenden digitalen Input erfordern. Die neuen Ökosysteme werden zahlreiche Module in einem breiteren und besser verwalteten ganzheitlichen Prozess umfassen.

Börsenkompetenz seit über 30 Jahren

Wöchentlich mehr Themen, Strategien, Tipps und Empfehlungen von den Profis. Abonnieren Sie jetzt BÖRSE ONLINE!

Zu unseren Angeboten

Das im Silicon Valley ansässige Unternehmen Enlightened erwartet zum Beispiel, dass Kunden ihre Beleuchtungskosten um 60 bis 70 Prozent und die Kosten für Klimaanlagen um 20 bis 30 Prozent durch den Einsatz von IoT-sensorbasierten Systemen senken können. PTC, ein US-Unternehmen für Computersoftware und -dienstleistungen, rechnet mit bis zu 50 Prozent weniger Ausschusskosten, einer Senkung der Betriebskosten um zwölf Prozent und einer Steigerung der Produktivität des Bedienpersonals um 60 Prozent durch KI-basierte Systeme.

Diese Zahlen sind angesichts traditioneller Wettbewerbsmaßstäbe bedeutsam. Wir erwarten jedoch einen Wandel in der Kapitalintensität des Produktionsprozesses, das heißt die Entwicklung von Mikrofabriken zur Bewältigung von Aufgaben, die bisher Investitionen in Höhe von mehreren Milliarden Dollar erforderten. Die Führungskräfte von E.go in Deutschland etwa, einem Unternehmen für Elektrofahrzeuge, bezeichnen ihr Geschäft in erster Linie als das Internet der Dinge - dies verschafft dem Unternehmen einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil und ermöglicht den Betrieb einer Fabrik mit 30 000 Einheiten bei einer Investition von etwa 100 Millionen US-Dollar. Es handelt sich hierbei um eine innovative Lösung mit dem entsprechenden Potenzial zur Revolutionierung der traditionellen Fertigung.

Der rasante Vormarsch von Digital 4.0 ist ein Investitionsschwerpunkt für die Zukunft. Unternehmen, die in den Bereichen 5G, Internet der Dinge, Daten und künstliche Intelligenz tätig sind, könnten ein überzeugendes Anlagepotenzial bieten, wobei die Auswahl der Unternehmen eindeutig nach ihrer thematischen Ausrichtung und nicht nach ihrer Branchenzugehörigkeit erfolgen sollte. Wir sind überzeugt, dass die Chancen für Sektoren wie die Industrie, das Transport- und Gesundheitswesen sowie die Automatisierung von Wissensarbeit beträchtlich sind.

 


Mark Hawtin

Hawtin ist als Investment Director für einen globalen Long-only-Fonds im Technologiesektor wie auch für einen europäischen Long/Short-Aktienfonds verantwortlich. Bevor er 2008 zu GAM kam, managte er unter anderem einen der europaweit größten Hedgefunds für Technologie, Medien und Telekommunikation. GAM Investments ist eine der führenden unabhängigen reinen Vermögensverwaltungsgruppen der Welt.


Exklusiv in BÖRSE ONLINE schreiben renommierte Finanzexperten und Investmentprofis über Börse und Geldanlage. Weitere Gastkommentare finden Sie unter: www.boerse-online.de/meinungen-und-perspektiven

pagehit
Inhalt wird geladen
Zur aktuellen Ausgabe