Das Börsenjahr neigt sich dem Ende zu. Ein höchst ungewöhnliches Jahr. Und man kann sich fast sicher sein, dass auch 2021 so einiges bereithalten wird, womit man jetzt noch gar nicht rechnet. 2020 war einerseits geprägt von Panik, andererseits aber auch von Hoffnung. Vielleicht auch von Gier. Dem Crash folgte der Aufschwung. Wer das Vertrauen in Aktien in den zurückliegenden Monaten nicht verloren hat, darf sich jetzt darüber freuen, dass die Investments, die man für die Altersvorsorge gemacht hat oder für welchen Zweck auch immer, überwiegend nicht an Wert verloren haben. Mit etwas Glück und Geschick steht man jetzt sogar besser da als noch vor zwölf Monaten.

Dass die Freude oder Erleichterung darüber dennoch getrübt ist, liegt auf der Hand. Das Coronavirus, oder vielmehr die Angst davor, sowie die drastischen Maßnahmen der Politik, sie lasten schwer. Die Eingriffe in die Bürgerrechte und in die Freiheit sind massiv. Und die Politik tut sich schwer, einen fairen Diskurs zu führen. Im Gegenteil: Die Argumente der Befürworter wie teils auch der Kritiker der laufenden Maßnahmen sind inzwischen sehr populistisch und diffamierend. Sogar Menschen, die es besser wissen müssten, die etwa zu den Mitgliedern eines Ethikrats zählen oder Spitzenpositionen in Regierung und Gesellschaft bekleiden, ereifern sich, dass es einem grauen mag.

Dramatisches Minus


Dennoch sollte man die Hoffnung nicht verlieren. Vielleicht hört man besser weg, wenn das Gebell der Angstmacher noch lauter wird. Klar ist: Die Weltwirtschaft wird in diesem Jahr nach Berechnungen der Weltbank um fünf Prozent schrumpfen. Das ist dramatisch. So etwas gab es seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs nicht mehr. Doch Notenbanken wie auch die Regierungen haben entschlossen gegengesteuert, auch wenn es sich heute kaum seriös abschätzen lässt, wie teuer uns diese Maßnahmen letztlich irgendwann kommen werden.

Zuletzt haben sich nach langem Tauziehen die Abgeordneten im US-Kongress auf ein weiteres Corona-Konjunkturpaket im Umfang von 900 Milliarden Dollar geeinigt. Dabei geht es vor allem um Einmalzahlungen an Bürger von 600 Dollar sowie eine Aufstockung der Arbeitslosenhilfe. Als Folge der Corona-Pandemie und der Shutdown-Maßnahmen ist die Armutsrate in den USA stark gestiegen.

Dass die US-Hilfen dennoch zu keiner positiven Reaktion an den Aktienmärkten geführt haben, lag an neuen Nachrichten zur Pandemie. Eine in Großbritannien entdeckte Mutation des Coronavirus brachte die Sorgen zurück an die Märkte. Diese angeblich noch ansteckendere Variante löste Befürchtungen bezüglich noch härterer und längerer Beschränkungen aus. Schon jetzt schotten sich deswegen viele Länder ab und untersagen vorerst bis Jahresende Flüge aus dem Vereinigten Königreich.

Ärgerlicher Dauerstreit


Weil es zudem im Brexit-Streit keine Fortschritte gibt, war Schluss mit den zaghaften Versuchen einer Weihnachtsrally. Immerhin: Auch nach Ablauf der jüngsten Frist für einen Handelspakt will das Europaparlament einen harten wirtschaftlichen Bruch zum Jahreswechsel abwenden. Das Parlament fühle sich verpflichtet, "jeden Schritt zu tun, um Störungen für Bürger und Unternehmen zu minimieren", erklärte der Chef der EU-Brexit-Gruppe, David McAllister. Ohnehin wäre die Ratifizierung eines Abkommens wegen der Kürze der Zeit nicht mehr rechtzeitig vor Jahresende möglich gewesen.

Martin Blümel ist leitender Redakteur bei BÖRSE ONLINE und Autor des Börsenblogs www.bluemelstaunt.com