ÖKONOMEN-BAROMETER

Ökonomen-Barometer: Aufholen nach dem Corona-Einbruch

Ökonomen-Barometer: Aufholen nach dem Corona-Einbruch
14.09.2020 06:15:00

Ökonomen-Barometer: Der Wirtschaftsindikator macht im September erneut Boden gut und steigt auf den höchsten Wert seit Beginn der Virus-Krise. Volkswirte bleiben zuversichtlich. Von Wolfgang Ehrensberger

Auch wenn die wirtschaftliche Erholung noch auf wackeligen Füßen steht, hat sich nach Ansicht führender Volkswirte der Aufwärtstrend der vergangenen Monate verfestigt. Das ist das Ergebnis der September-Umfrage des Ökonomen-Barometers von €uro am Sonntag. Demnach legte nicht nur die Einschätzung der aktuellen wirtschaftlichen Lage in Deutschland weiter deutlich zu - um fast 16 Prozent auf 32 Punkte -, auch der Ausblick für die kommenden zwölf Monate hellte sich um fast 21 Prozent auf 36,5 Punkte auf. Damit erreicht das Barometer den höchsten Stand seit März 2020, als die Corona-Pandemie Europa erfasste.

Die Zwölfmonats-Prognose liegt nicht nur deutlich über dem aktuellen Stand. Dieser Abstand hat sich zuletzt auch noch vergrößert, sodass mit einer signifikanten Erholung gerechnet wird. Die meisten Ökonomen gehen auch in ihren Kommentaren von erneut leicht verbesserten Perspektiven für die Wirtschaft aus, wobei die Situation insgesamt aber noch als angespannt eingestuft wird. "Erst in den nächsten Monaten werden wir Klarheit über die wirtschaftliche Entwicklung bekommen", glaubt etwa Andre Schmidt von der Uni Witten-Herdecke. Allianz-Chefvolkswirt Ludovic Subran hält die derzeitige Konjunkturerholung gar für etwas trügerisch. "Auch ohne eine ausgeprägte zweite Infektionswelle sollte fest mit Konjunkturrückschlägen kalkuliert werden."

Export-Impulse


Impulse kamen zuletzt von den Exportzahlen und aus China, einem der wichtigsten Absatzmärkte insbesondere für die deutschen Autobauer. So legten die deutschen Exporte im Juli um 4,7 Prozent zu, nach 14,9 Prozent im Juni und neun Prozent im Mai. Hier verläuft die Erholung insgesamt aber noch schleppend, denn weiterhin belasten der Handelsstreit und die Corona-Rezession bei vielen wichtigen Handelspartnern die Geschäfte der deutschen Unternehmen.

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Die inländischen Autobauer wiederum können vor allem vom anziehenden China-Geschäft profitieren, wie eine Studie der Prüf- und Beratungsgesellschaft EY ergab. So legte der chinesische Automarkt im August um neun Prozent auf 1,73 Millionen Fahrzeuge zu - nach einem Plus von acht Prozent im Juli. Folge: Alle drei deutschen Autobauer, VW, Daimler und BMW, konnten wie schon im zweiten Quartal in China zulegen, während der Absatz in den anderen Regionen massiv einbrach.

Dieser gegenläufige Trend hat die Erlösentwicklung der deutschen Hersteller stabilisiert. So lag der Umsatzrückgang der deutschen Autobauer im zweiten Quartal bei vergleichsweise niedrigen 32 Prozent. Die Japaner verloren 45 Prozent, die US-Autobauer gar die Hälfte. China wird für die deutschen PS-Konzerne zudem als Absatzmarkt wichtiger: Der Anteil Chinas am weltweiten Absatz der deutschen Autoproduzenten kletterte zuletzt von 33 auf 51 Prozent.

Starker Euro kein Problem


Das deckt sich mit den Zahlen des deutschen Industrie- und Handelskammertages DIHK: Demnach lagen die deutschen Exporte nach China im Juni schon fast wieder auf Vorjahresniveau. In die USA seien die deutschen Exporte dagegen im Juni um 21 Prozent eingebrochen. China sei eine "positive Ausnahme". Für die deutsche Exportindustrie insgesamt prognostiziert der DIHK dieses Jahr weiterhin ein Minus von 15 Prozent. Weil die jüngsten Daten aber überraschend gut gewesen seien, könne es am Ende auch etwas besser werden.

Gefahr witterten die deutschen Exporteure zuletzt von der Währungsseite. So hat der Euro im Verhältnis zum Dollar stark zugelegt, zeitweise auf rund 1,20 Dollar, so viel wie zuletzt 2018. Die im Barometer befragten Ökonomen glauben allerdings nicht daran, dass das derzeit eine signifikante Belastung für die deutsche Wirtschaft ist. 37 Prozent der Befragten sehen keine negativen Effekte, weitere 41 Prozent bezeichnen die Belastung allenfalls als "leicht", nur 17 Prozent als "mittel".

Manche Teilnehmer sehen in der Dollarabwertung auch eine durchaus nötige Korrektur einer Überbewertung der US-Währung in den vergangenen Jahren. "Für deutsche Exporteure ist der weitere Pandemieverlauf von weitaus größerer Bedeutung als der aktuelle Wechselkurs", bringt es Volker Nitsch von der TU Darmstadt auf den Punkt.

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